Vorzeige-Objekt: Auf der Zugspitze wird bereits Sonnenenergie gewonnen. foto: Kornatz

Kaum Interesse an Garmisch-Partenkirchner Solarfonds

Garmisch-Partenkirchen - Die Bürger zeigen dem Projekt die kalte Schulter, und auch auf öffentlichen Gebäuden gibt es zu wenig Sonnenkollektoren: Der Fonds zur liegt hinter den Erwartungen.

Die erste Frist ist nun, Ende Juni, abgelaufen. Eigentlich sollten bis jetzt so viele Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern Garmisch-Partenkirchens installiert sein, um bis zu einem Megawatt Strom pro Stunde - das entspricht dem Verbrauch von rund 300 Haushalten - aus Sonnenkraft produzieren zu können. Damit sollen in 20 Jahren rund 11 000 Tonnen Kohlenstoffdioxid eingespart werden. Genau die Menge, mit der durch die Ski-WM 2011 an Mehrbelastung gerechnet wird (wir berichteten).

Erreicht wurde dieses Ziel bislang nicht. Ulrich Belwe zieht eine Bilanz: „Rund zwei Drittel haben wir geschafft.“ Der Geschäftsführer der welivit new energy GmbH, die das Projekt federführend umsetzt, ist damit nicht wirklich zufrieden. „Wir liegen nicht ganz auf der Linie unserer Erwartungen“, gibt er zu. „Aber ich bin optimistisch, dass wir Ende September auf der Zielgeraden angekommen sind.“

Ein Grund für die Verzögerung sieht Belwe in den fehlenden Dachflächen. Ein Argument, das Bürgermeister Thomas Schmid nicht nachvollziehen kann: „Wir haben 21 Gebäude zur Verfügung gestellt und dem Unternehmen dazu vorher eine Liste gegeben.“ Die Verantwortlichen hätten genau gewusst, wie viel Fläche sie einplanen können. Sonnenstrom wird bereits auf Wohneinheiten am Gänsländerweg und an der Zugspitzstraße sowie auf dem Dach des Kindergartens an der Jahnstraße produziert. Auf der Liste stehen außerdem die Schule am Gröben, die Partenkirchner Volksschule und die Gipfelstation der Zugspitzbahn. Auch auf dem Rathaus stehen Sonnenkollektoren. Dort zeigt sich ein Problem, das die Umsetzung des Fonds erschwert. „Es gab Auflagen vom Denkmalschutz“, sagt Schmid. So durften die Solarmodule nur nac h innen in den Hof gerichtet aufgestellt werden. In dieser Position ist die Anlage weniger effizient. Bauchweh bereitet dem Geschäftsführer der welivit new energy, einem Tochterunternehmen der Karstadt Quelle Versicherungen, auch die Ortsgestaltungssatzung. Aus optischen Gründen durften auf einige Häuser keine Fotovoltaik-Anlagen gesetzt werden. Dem Bürgermeister geht es dabei vor allem um aufgeständerte Module. „Das passt einfach nicht ins Ortsbild“, sagt er. Deswegen seien tatsächlich einige Gebäude nicht in Frage gekommen.

Ein weiteres Problem: Private Hausbesitzer zeigen kaum Interesse, sich in den Solarfonds einzukaufen und ihre Dächer zur Verfügung zu stellen. Als „überschaubar“ bezeichnet Belwe die Resonanz. Der Bürgermeister kontert: „Da muss man auch mal Werbung machen.“ Die habe eventuell nicht gereicht.

Belwe hingegen sieht den Fokus auf den öffentlichen Gebäuden. Und schon jetzt kann er abschätzen, dass sich solch’ ein Projekt für seine Firma nicht lohne. Vielmehr gehe es um die positive Außenwirkung. Die dürfte es jedoch nur geben, wenn der Solarfonds tatsächlich noch sein Soll erfüllt und die Ski-WM 2011 klimaneutral macht.

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