Kindergarten: Keine Rettung in Sicht

Grafenaschau - Bürgermeister Karl Schwarzberger hat wenig Hoffung, dass der Grafenaschauer Kindergarten noch gerettet werden kann. Eltern haben die Betreuungsverträge für ihre Kinder gekündigt.

Karl Schwarzberger, Bürgermeister der Gemeinde Schwaigen, zu der Grafenaschau gehört, wehrt sich entschieden gegen den Vorwurf, er hätte sich nicht um die Anliegen der Eltern gekümmert. Die Gemeinde habe stets die "Existenz und den Erhalt des Kindergartens als vordringlich gesehen", erklärt der Rathauschef in einer Pressemitteilung. Von den massiven Vorwürfen der Eltern gegen die Kindergartenleiterin habe er erst im November 2007 im Rahmen einer Bürgerversammlung erfahren. Diese hätten ihn sehr überrascht. Denn im gleichen Jahr habe ein Elternpaar die "hohe Kompetenz und Sachkunde der Erzieher" gelobt.

In den Jahren zuvor habe es zwar immer mal wieder "Unstimmigkeiten" zwischen Eltern und der Kindergartenleitung gegeben. Die meisten Differenzen hätte man "in aller Regel" bei Besprechungsterminen aus der Welt schaffen können. Bei Überprüfungen seien "keine Missstände" festgestellt worden. "Der Aufsichtsbehörde am Landratsamt wurde seit Bestehen des Kindergartens (1982, Anm. der Redaktion) keine einzige Beschwerde vorgetragen", so Schwarzberger.

Wie bereits berichtet, haben alle neun Eltern den Betreuungsvertrag für ihre elf Kinder mit dem Träger der Einrichtung, der katholischen Kirchenstiftung St. Nikolaus (Murnau), gekündigt. Hintergrund sind schwere Anschuldigungen gegen die Kindergartenleiterin. Diese habe wiederholt gegen die Anwesenheits-, Aufsichts- und Schweigepflicht verstoßen, heißt es. Die Erzieherin, der inzwischen die Kirche gekündigt hat, bezeichnet die Vorwürfe als nicht haltbar und spricht von einer Rufschädigung.

Schwarzberger hält die ganze Angelegenheit für "politisch motiviert". Er habe den Eindruck, dass Gemeinderatskandidaten versuchen, sich mit dem Thema Kindergarten zu profilieren und Mehrheiten zu gewinnen. Dabei werde versucht, ihn politisch zu beschädigen. Der Kindergarten-Streit sei ein "brennendes kommunalpolitisches Problem", so Schwarzberger weiter. Es sei schon auffällig, dass alle Kindergarteneltern für den Gemeinderat kandidieren oder zumindest versucht hätten, aufgestellt zu werden.

Laut Schwarzberger ist der Gemeinde nichts anderes übrig geblieben, als den Vertrag mit dem Träger zu kündigen und den Kindergartenbetrieb einzustellen. Denn mit der Kündigung der Betreuungsverträge durch die Eltern sei die Geschäftsgrundlage entfallen. Zudem gebe es keine öffentlichen Fördermittel mehr. Aufgrund der kommenden geburtenschwachen Jahrgänge seien die Chancen nicht sehr groß, dass in naher Zukunft wieder ein Kindergarten ins Leben gerufen wird. Die Mädchen und Buben sollen künftig in Eschenlohe, Murnau und Bad Kohlgrub untergebracht werden. Die Gemeinde Grafenaschau gewährt hierfür einen Gastkinder-Beitrag und beteiligt sich somit an den Kosten.

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