Eine große Hilfe bei seinen Recherchen für den Kirchenführer über St. Michael (im Hintergrund) war dem Historiker Christof Paulus ein altes Matrikel-Buch aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert.  Foto: Herpen
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Eine große Hilfe bei seinen Recherchen für den Kirchenführer über St. Michael (im Hintergrund) war dem Historiker Christof Paulus ein altes Matrikel-Buch aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Foto: Herpen

Kirchenführer: Akribische Recherche zu St. Michael

Seehausen - Der Historiker Christof Paulus veröffentlicht ein 28-seitiges Buch über das Seehauser Gotteshaus St. Michael. Es kostet drei Euro.

In monatelanger, akribischer Kleinarbeit hat Historiker Christof Paulus, der seit zehn Jahren in Seehausen lebt und schon mehrere Vorträge beim Heimatverein gehalten hat, einen Führer für die Pfarrkirche St. Michael zusammengestellt. Das präzise recherchierte, in einer Auflage von 3000 Stück gedruckte Werk ist ab sofort für drei Euro im Seehauser Gotteshaus und in der Pfarrei erhältlich.

„St. Michael ist keine einfache Dorfkirche“, sagt der 36-Jährige, der sowohl Gymnasiallehrer als auch Mitarbeiter des Institutes für Bayerische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München ist. „Ihre Wurzeln reichen bis tief in die bayerische Geschichte zurück.“ Maßgebende Informationen holte er sich bei seinen Recherchen in Gesprächen mit Kennern der Seehauser Ortsgeschichte sowie im örtlichen Pfarrarchiv, dem Bistumsarchiv Augsburg sowie dem Hauptstaatsarchiv in München. Als hilfreich stellte sich zudem ein vom Seehauser Pfarrer Stanislaus Alois Kaiser Ende des 18. Jahrhunderts geführtes Matrikel-Buch heraus. Darin hatte dieser alle Taufen, Eheschließungen und Sterbefälle in der Gemeinde festgehalten und es zudem als eine Art Tagebuch benutzt. Demzufolge war Kaiser entscheidend an der Innenausstattung von St. Michael beteiligt. 1790 erteilte er seinem Verwandten Johann Georg Kaiser den Auftrag, das Gotteshaus auszumalen.

Als aufschlussreich stuft Paulus Kaisers Bemerkungen im Matrikel-Buch ein. Zum Beispiel stellte er fest, dass im 18. Jahrhundert überdurchschnittlich viele Menschen im See ertranken. „Das geschah meist im Februar, wenn das Eis brüchig wurde“, erklärt Paulus. Er vermutet, dass die Bürger auf dem Weg zu ihrer Kirche auf der Wörth ums Leben gekommen sind. Denn dorthin führte damals nur ein drei Schuh breiter, ständig reparaturbedürftiger Steg.

Ausführlich wird im Kirchenführer das Ansinnen des katholischen Verlegers und Buchhändlers Matthäus Rieger geschildert, auf dem Festland ein neues Gotteshaus zu errichten. Dieses setzte er gegen den Widerstand von Kloster Ettal durch. Neben dem Kirchenbau finanzierte der gut situierte Mäzen auch den Seehauser Pfarrhof. Bei der Auswahl der Freskenmotive innerhalb der Kirche spielte die „Bruderschaft zum Allerheiligsten Altarsakrament“ eine wichtige Rolle, informiert der Historiker. Im Mittelpunkt der Malereien stehe die Sterblichkeit des Menschen und der über den Tod siegende Gottessohn. Dies werde etwa durch das Deckenfresko mit der Kreuzigungsgruppe, aber auch die am Chorbogen tickende Uhr deutlich.

Auch auf die Vorgeschichte von St. Michael geht Paulus in seinem Werk ein. Er verweist dabei auf die archäologischen Grabungen auf der Wörth zwischen 1992 und 1997, die unter anderem Reste eines mittelalterlichen Klosters zutage gefördert hatten. Die Infomationen im Kirchenführer enden nicht beim Gotteshaus in Seehausen: Der Historiker nimmt zudem die Filialkirchen St. Mauritius in Riedhausen und St. Peter und Paul in Rieden auf. All die Daten und Fakten auf 28 Seiten hat der Münchner Kirchenfotograf Anton J. Brandl mit brillanten, hoch aufgelösten Digitalbildern dokumentiert.

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