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Unter Beobachtung: Die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik untersuchen derzeit Schloss Linderhof.

Klimawandel setzt den Schlössern zu

Garmisch-Partenkirchen/Graswang - Mit Hilfe des EU-Projekts „Climate for Culture“ sollen Strategien zum Schutz historischer Gebäude entwickelt werden. Auch Schloss Linderhof und das Jagdhaus am Schachen werden untersucht.

Schloss Linderhof im Graswangtal und das Jagdschloss am Schachen - Ludwig II. von Bayern ließ sich in der traumhaften Landschaft zwei einzigartige Rückzugsorte errichten. Mehr als 130 Jahre später ziehen die Königshäuser tausende Besucher an. „Und die Zahl steigt von Jahr zu Jahr“, weiß Ralf Kilian vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Holzkirchen. „Doch der Massentourismus zu den Kulturstätten zollt seinen Tribut.“ Der Ansturm beeinflusse das Innenraumklima massiv: „Temperaturschwankungen oder die Zunahme der Luftfeuchtigkeit hinterlassen ihre Spuren in der historischen Bausubstanz.“ Um diese zu schützen, wurde das EU-Projekt „Climate for Culture“ ins Leben gerufen, mit dessen Hilfe auch Strategien für den langfristigen Erhalt der königlichen Refugien entworfen werden sollen. Auch die Folgen des Klimawandels, der die Substanz langfristig bedroht, fließen in die derzeit laufende Untersuchung ein.

Die Europäische Union fördert das Forschungsvorhaben, in dessen Rahmen mehr als 100 Gebäude unter die Lupe genommen werden, mit fünf Millionen Euro. Insgesamt arbeiten hier 30 Partner aus 16 europäischen und nordafrikanischen Ländern zusammen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren werden nun die Auswirkungen des Klimawandels auf ausgewählte historische Stätten untersucht - darunter neben den beiden Objekten im Landkreis auch die Pinakotheken in München, Schloss Schönbrunn in Wien und die Pyramiden von Sakkara in Ägypten. Die Wissenschaftler setzen neue Simulationsverfahren ein, um die regionalen Auswirkungen ebenfalls beurteilen zu können. „Diese werden mit einer Gebäude-Simulations-Software gekoppelt“, erklärt Kilian. „So lassen sich individuell auf die jeweiligen Kulturstätten zugeschnittene frühzeitige Präventionsstrategien entwickeln.“

Diesen Ergebnissen blicken die Verantwortlichen der Bayerischen Schlösserverwaltung gespannt entgegen: „Unsere Kernaufgabe ist schließlich der Bestandserhalt“, unterstreicht Pressesprecher Jan Björn Potthast. Ein Ansinnen, dem verschiedene Abteilungen seines Hauses bereits nachkommen, die für Restaurierung zuständige beispielsweise oder die, in der sich ein Experten-Team mit präventiver Konservierung beschäftigt. Neben der Belastung durch die Besucher - im Schnitt sind es 440 000 im Jahr in Linderhof und 13 000 bis 14 000 am Schachen - seien die Königshäuser und ihre wertvollen Textilien auch enormem Lichteinfluss ausgesetzt. Teilweise sei bereits neuer UV-Schutz installiert worden, verweist Potthast auf Schloss Neuschwanstein bei Füssen. Ein weiteres Problem der Bauten im Alpenraum seien die langen, teilweise extrem schneereichen Winter, die speziell der aufwändig gestalteten Parkanlage in Linderhof zusetzen. „Und die künstlich geschaffene Venusgrotte wird sehr stark durch die Feuchtigkeit belastet. Noch feilen wir am Konzept, wie wir dieses Bauwerk langfristig erhalten können.“

Auch bei diesen Fragen könnten die Ergebnisse des Fraunhofer-Instituts der Schlösserverwaltung helfen. „Derzeit stecken wir mitten in der Analyse“, sagt Kilian. Erste Ergebnisse erwartet er im September, „dann denken wir über Maßnahmen-Empfehlungen nach“. (tab)

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