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Droht dem traditionellen König-Ludwig-Lauf eine Absage?

Wann kommt die Kälte?

Großes Bibbern um Wintersport-Events

Garmisch-Partenkirchen - Herren-Weltcup, König-Ludwig-Lauf und Pond-Hockey-Cup: Momentan ist eigentlich die Zeit des Wintersports in Garmisch-Partenkirchen. Nur: Können die Events bei der Wärme stattfinden?

Der Skiweltcup der Damen auf der Kandahar ist bereits abgesagt. Wenig Hoffnung auf Dauerfrost und Schnee kann Jürgen Keil vom Deutschen Wetterdienst den Verantwortlichen machen: „Wir haben eine sehr stabile Südwestlage. Die Luft taugt nicht zu einem Wintereinbruch.“ Einen schnellen Umschwung sieht Keil nicht. „Am Wochenende bekommen wir Föhn mit teilweise zweistelligen Temperaturen.“ Das Tagblatt hat nachgefragt, wie es bei den Organisatoren der Wettbewerbe aussieht:

Herren-Weltcup

Noch hat Peter Fischer die Hoffnung nicht aufgegeben, wenigstens die Herren-Weltcups in Garmisch-Partenkirchen – geplant sind eine Abfahrt und ein Riesenslalom – ausrichten zu können. Aber: „Wir brauchen endlich kalte Temperaturen.“ Sonst wird es nichts aus den Rennen auf der Kandahar. „Spätestens am Dienstag müssen wir eine Entscheidung fällen“, sagt Organisationschef Fischer. „Länger können wir nicht warten.“

König-Ludwig-Lauf

Hans Reicherl tut es im Herzen weh, aber der Chef des König-Ludwig-Laufs ist realistisch: „Momentan geht gar nichts.“ Gerade mal um Ettal herum liege noch ein wenig Schnee – „aber das auch nur an der Bergseite“. 3600 Anmeldungen aus 34 Nationen hat Reicherl für Deutschlands größten Volkslanglauf, der am 1. und 2. Februar stattfinden soll, vorliegen. Doch wenn es nicht bald kalt wird, muss er allen absagen. „Unser Stichtag ist der 26. Januar, dann müssen wir entscheiden.“ Schließlich reisen viele Starter aus Skandinavien oder Russland an. „Auch Fernsehstationen, beispielsweise aus Schweden, wollen ja live übertragen. Daher müssen wir frühzeitig absagen.“ Ob es noch was wird?

So wird das Wetter in Ihrer Region

Reicherl gibt sich kämpferisch: „Wir werden bis zuletzt alles probieren und notfalls Tag und Nacht arbeiten.“ Mindestens drei Tage Dauerfrost seien aber vonnöten, um überhaupt an einen Ludwig-Lauf denken zu können. „Eher sind es zehn“, räumt Reicherl ein. Schneekanonen stehen entlang der Strecke – es sind immerhin bis zu 50 Kilometer Loipen notwendig – bereit. „Nur ist es einfach zu warm, auch in der Nacht.“

Pond-Hockey-Cup

Zu den wenigen Veranstaltern, die derzeit wenig Probleme mit dem ausbleibenden Schnee haben, gehören die Chefs des Riessersee Hotels. Oberhalb von Garmisch-Partenkirchen soll am 8. und 9. Februar der Pond-Hockey-Cup mit fast 500 Hobby-Eishockeyspielern stattfinden. Und Direktor Gert Zinn ist optimistisch, dass es nach einem Jahr Ausweichen ins Olympia-Eissportzentrum heuer wieder mit dem Cup auf dem Rießersee klappt. „Entscheidend für uns ist das Kerneis, also die unterste Schicht. Und die beträgt mindestens 15 Zentimeter.“ Deutlich mehr als jemals zuvor. „So ein Eis hatten wir noch nie“, betont Zinn. Anders als bei den Langlauf- oder Alpin-Kollegen war der Schneemangel für den See eher ein Gewinn. „Im vergangenen Jahr hat es draufgeregnet oder -geschneit, dann hatten wir nur Matsch auf einer dünnen Eisschicht, weil die nicht durchfrieren konnte.“ Nun sieht das anders aus. Bis vor fünf Tagen war der See auch für Wintersportler aller Art geöffnet. Zinn: „Jetzt lassen wir niemanden mehr drauf, um das Eis nicht zu zerstören. Denn wir haben nun natürlich auch ein bisschen Wasser drauf. Auch wir brauchen Kälte. Aber die kommt, da bin ich mir sicher.“ Eine Woche später planen die Hotel-Verantwortlichen im Rahmen ihrer „Wintergames“ auch den 1. Riessersee Resort Eisstock-Cup. Die historischen Bob-Rennen sollen das Programm abrunden.

Bob-Wochen

Beim Blick aus dem Fenster auf die grünen und braunen statt weißen Berge bleibt Rolf Lehmann derzeit noch recht relaxed. „Wir haben ja noch ein wenig Zeit“, betont der Vorsitzende der Bob-Abteilung des SC Riessersee. Er und seine Mitstreiter wollen auch in diesem Jahr historische Bobfahrten auf der alten Olympiabahn am Rießersee ausrichten. Die Woche vom 10. bis 16 Februar ist dafür vorgesehen. Ein Wochenende später hat sich erstmals Red Bull für das Rennen „Bob Heroes“ angemeldet. Volles Programm also. Doch aktuell liegt kein Gramm Schnee in der Bahn. „Aber wir geben doch jetzt noch nicht auf. Mir reicht es, wenn der Schnee ab 1. Februar kommt“, sagt Lehmann. Viele leidvolle Erfahrungen mit Wärmeeinbrüchen hat das Helfer-Team im vergangenen Jahr schon gemacht. „Uns kann nichts mehr erschüttern“, meint Lehmann. Am Ende hatte schließlich alles geklappt. Einen Spritztest für das rundum erneuerte System gab es für die Bob-Spezln bereits am 30. Dezember. „Alles funktioniert großartig.“ Doch ohne Schnee wird es schwierig, die Bahn zu bauen. „Es müsste durchgehend minus 15 Grad haben, dann könnten wir alles mit Wasser vereisen.“ Lieber wär ihm jedoch die Schneelösung. „Ich bin Optimist. Notfalls bringen wir das mit einem 14-tägigen Kraftakt hin. Allerdings geht es nicht ohne Hilfe der Natur.“

Quad-Rennen

Nichts geht im Olympia-Skistadion. Nach dem Neujahrsspringen war eine stabile Schneedecke im Skistadion nicht zu halten. Das geplante Quad- und Snowhillrennen für Motorräder und Skifahrer, das an diesem Wochenende hätte über die Bühne gehen sollen, musste verschoben werden. Der heimische Automobilclub kennt sich mit Verschiebungen aber bestens aus. Daher ist Vorsitzender Heini Zolk guter Dinge. „Wir bekommen das schon hin.“

Rodel-Europacup

Auch Florian Gansler hat tiefe Sorgenfalten auf seiner Stirn. Einen Rennrodel-Europacup wollte der WSV Unterammergau am Wochenende 25./26. Januar austragen. Daraus wird nichts. „Wir haben in der Mitte der Bahn noch fünf bis zehn Zentimeter Eis“, beschreibt der WSV-Rodlerchef den Zustand der Strecke an der Scherenauer Straße. „Aber zu den Banden fehlen jeweils rund 25 Zentimeter Schnee.“ Ein Wettbewerb ist nach aktuellem Stand unmöglich. „Wir haben den Europacup verlegt.“

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Zunächst wäre der 1. und 2. Februar als Ausweichtermin in Frage gekommen. Bis dahin ist die Bahn aber keinesfalls präparierbar. „Jetzt prüfen wir, ob der Verband die Rennen am 15. und 16. Februar zulassen würde. Da sind allerdings schon die Welt-Jugendspiele.“ Sonst droht die Komplettabsage. Diese würde auch für den Hornschlitten-Europacup gelten, der im Dezember ausgefallen war und derzeit für 9. Februar angesetzt ist. Gansler: „Wir brauchen Schnee und dann Kälte, dann noch sicher eineinhalb Wochen, um die Bahn herzurichten.“

Christian Fellner

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