Kosten-Explosion auf dem Karwendel

Mittenwald - Das Natur-Informationszentrum auf dem Karwendel kommt den Mittenwalder Steuerzahler teuer zu stehen. Mittlerweile spricht man von einer regelrechten Kosten-Explosion.

Die Sache ist brisant, so brisant, dass der Mittenwalder Marktgemeinderat das heikle Thema lieber hinter geschlossenen Türen diskutierte. Dennoch sickerte nun durch, dass die Kosten für das Informationszentrum gewaltig in die Höhe schnellen.

Die vielgepriesene "Röhre" auf über 2000 Metern Höhe wird die Verantwortlichen im Rathaus und Gemeinderat noch einige schlaflose Nächte bereiten. Inzwischen ist von 2,5 Millionen Euro die Rede. Zur Erinnerung: Ursprünglich sollte das Karwendel-Informationszentrum 1,1 Millionen Euro kosten.

"Ein Saustall", schimpft der parteilose Marktgemeinderat Adolf Merk gegenüber dem Tagblatt. "Jeder Schulbub hätt' das ausrechnen können." Ordentlich Luft abgelassen hatte der scheidende Volksvertreter bereits in der nicht-öffentlichen Gemeinderats-Sitzung. Die Haltung vieler seiner Kollegen, sich ohne verlässliche Kostenschätzung auf dieses Vorhaben einzulassen, attackiert Merk massiv. "Das sind ja Glücksritter."

Bürgermeister Hermann Salminger (Freie Wähler) wollte sich zu der Kosten-Entwicklung auf dem Karwendel und den Vorwürfen Merks nicht weiter äußern. Er plaudere nicht über Diskussion in geschlossener Runde. Er werde hierzu aber am morgigen Mittwoch während der Bürgerversammlung in der TSV-Halle (20 Uhr) Stellung beziehen.

Ähnlich wortkarg äußerte sich Salmingers Stellvertreter Georg Gschwendtner (CSU): "Wir sind an der Lösung des Problems dran."

Derjenige auf den alle Hoffnungen ruhen, ist Kai Elmauer. Seit vielen Monaten ist der diplomierte Forstwirt auf Sponsorensuche. Im Oktober 2007 verkündete Elmauer noch, "dass die Kostensteigerung" - ­ damals sprach man noch von 1,9 Millionen Euro -­ "nicht zu Lasten der Marktgemeinde geht". Für eine Stellungnahme war der "Geldbeschaffer" gestern nicht zu erreichen. Versiegen allerdings Elmauers Geldquellen, darf der Bauherr, der Markt Mittenwald, ein Defizit von aktuell 600 000 Euro, vielleicht auch mehr, ausgleichen. Ursprünglcih sollten die Isartaler Steuerzahler dafür lediglich 50000 Euro hinblättern.

"Abgerechnet wird zum Schluss", versucht Eberhard Steinert den Ball flach zu halten. Der Architekt aus Garmisch-Partenkirchen durfte in besagter nicht-öffentlicher Sitzung ausführlich über die Kosten-Entwicklung Auskunft geben. Über den Inhalt wollte der Chefplaner freilich nichts sagen. Aber er bestätigte gegenüber dem Tagblatt, dass man nach wie vor mit Witterungseinflüssen zu kämpfen habe. Und, glaubt man Adolf Merk, auch mit gesalzenen Transport-Kosten.

Seit einer Woche wird übrigens auf Deutschlands höchster Baustelle wieder gearbeitet. Architekt Steinert glaubt nach wie vor an den Erfolg des Prestige-Objekts. Allerdings hört man aus seinen Schlussworten eher Durchhalteparolen heraus, wenn er meint: "Wir sitzen doch alle im selben Boot, und wir alle müssen ans rettende Ufer."

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