Kramertunnel wird nicht bis zur Ski-WM 2011 fertig

Garmisch-Partenkirchen - Die Klagen gegen das Projekt, insbesondere die des Bundes Naturschutz (BN) gegen den sofortigen Baubeginn, führen zu "einer erheblichen zeitlichen Verzögerung".

Nachdem die Klagen ­ neben dem BN haben die Gemeinde Grainau und ein Anlieger juristische Schritte eingeleitet ­ tatsächlich vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof erhoben wurden, seien dem Staatlichen Bauamt Weilheim die Hände gebunden, erklärt Behördenleiter Günther Grafwallner. "Damit ist es uns verwehrt, die Baumaßnahmen für den Kramertunnel auszuschreiben." Die daraus resultierende Konsequenz: "Das ursprünglich angepeilte und bis vor wenigen Tagen noch mögliche Ziel, die Garmischer bereits zur Ski-Weltmeisterschaft 2011 vom Durchgangsverkehr der B 23 zu befreien, ist nun nicht mehr zu erreichen."

Den Schuh der Verhinderer wollen sich die BN-Vertreter allerdings nicht anziehen: "Unsere Klageschrift zeigt sämtliche Mängel und Abwägungsdefizite auf", unterstreicht Kreisvorsitzender Axel Doering. Es dürfe nicht sein, dass für die 14 Tage dauernde WM ein derartiger Zeitdruck aufgebaut und somit eine "schlechtere Lösung" akzeptiert werde. "Unsere Natur hat es wirklich verdient, dass wir für sie die beste Variante finden." Um die geht es auch Andreas Hildebrandt, allerdings vor allem für die Grainauer Bürger. Daher habe man auch vorsorglich Klage gegen das südliche Ende der Umfahrung eingereicht, erklärt der Bürgermeister. "Ende Januar entscheidet der Gemeinderat, ob wir daran festhalten oder nicht." Bis dahin werden die Fakten geprüft und eruiert, ob eventuelle juristische Schritte Aussicht auf Erfolg haben. Grafwallners Vorwürfen, dass auch Grainau die Fertigstellung des Tunnels bis 2011 verhindere, widerspricht er dabei vehement: "Da wird mit falschen Karten gespielt. Unsere Klage hat keine aufschiebende Wirkung und verhindert nicht, dass mit dem Bau des Tunnels begonnen wird."

Dass sich das Handeln der Grainauer von dem des BN, der gegen den Sofortvollzug vorgeht, unterscheidet, räumt mittlerweile auch Grafwallner ein. Seiner Enttäuschung, dass das Projekt nicht bis zur Ski-WM fertig wird, macht er dennoch Luft: "Wir hätten gerne gebaut." Noch gibt er die Hoffnung jedoch nicht auf, "die Umfahrung bleibt ja im vordringlichen Bedarf".

Auch Bürgermeister Thomas Schmid vertraut darauf, dass der Tunnel trotz der Klagen schnellstmöglich realisiert wird, auch wenn in die ernüchternden Worte Grafwallners in seinem Optimismus etwas dämpfen: "Wenn der Druck, bis zur WM fertig zu werden, wegfällt, dauert der Bau wohl etwas länger." Angesichts der Möglichkeit, dass sich Garmisch-Partenkirchen unter der Federführung von München um die Olympischen Winterspiele 2018 bewirbt, erkennt Schmid eine neue Chance, das Vorhaben schnellstmöglich zu realisieren: "Der Kramertunnel könnte als Vorleistung gelten und das Signal sein, dass wir etwas tun." Ein derartiges, sehr positiv behaftetes Großereignis pusche das Projekt zusätzlich und bringe Sondermittel mit sich.

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