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Teurer als veranschlagt: Der neue Kunstrasenplatz des 1. FC Garmisch-Partenkirchen.

Diskussion um Finanzierungslücke

Kunstrasenplatz am Gröben: Kompromiss mit Zähneknirschen

Garmisch-Partenkirchen - Der Kunstrasenplatz des 1. FC Garmisch-Partenkirchen hat lange Zeit die Gemüter bewegt – die der Gemeinderäte und die der 1. FC-Oberen. Jetzt soll ein Schluss-Strich gezogen werden unter ein leidiges Thema.

Sie muss es nicht tun. Die Gemeinde müsste nicht so viel Geld in die Hand nehmen, sie würde es freiwillig machen. Um einen Verein zu unterstützen. Und um – das dürfte für viele Räte der Hauptgrund sein – endlich ein leidiges Thema abzuschließen. Mit 30 000 Euro. So viel wollen einige Vertreter im Ältestenrat des Marktes Garmisch-Partenkirchen dem 1. FC Garmisch-Partenkirchen für seinen Kunstrasenplatz überweisen. Auf diesen Kompromiss haben sich die Bürgermeister Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) und Wolfgang Bauer (CSU) sowie die Fraktionsvorsitzenden Elisabeth Koch (CSU), Robert Allmann (SPD), Florian Hilleprandt (CSB), Florian Möckl (Freie Wähler), Andreas Grasegger (Bayernpartei) und Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Die Grünen) in einer nicht öffentlichen Sitzung Mitte Februar verständigt. Im Budget des Vereins klaffte zuletzteine Finanzierungslücke von rund 40 000 Euro – ursprünglich hatte er 50 000 Euro für den Platz gefordert. Diese sollte der Markt zuschießen; immerhin habe der frühere Bürgermeister Thomas Schmid dem 1. FC seine Unterstützung zugesagt. Der aktuelle Gemeinderat aber ist daran nicht gebunden. Trotzdem empfiehlt der Ältestenrat die Lösung, über den der Gemeinderat in seiner Sitzung am morgigen Dienstag entscheiden muss: 30 000 Euro Zuschuss; zugleich gibt’ s auf unbestimmt Zeit keine Unterstützung für notwendige Investitionen. Dafür muss der Verein selbst aufkommen.

Nicht jeder Kommunalpolitiker ist glücklich mit der Situation und auch nicht mit dem Verhalten der 1. FC-Oberen um Präsident Siegfried Riesch und Finanz-Vorstand Arne Albl, das von Anfang an für ein frostiges Klima gesorgt hatte. Zwar zeichnet sich ab: Die Räte werden dem Kompromiss wohl zustimmen. Doch er dürfte zu Diskussionen führen. Und einstimmig wird die Sache sicher nicht ausgehen.

Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Grüne)

Stephan Thiel gefällt der Kompromiss ganz und gar nicht. „Aus Gewissensgründen kann ich ihn nicht mittragen“, sagt der Grünen-Politiker. In der Gemeinderatssitzung wird er ausführlich darlegen, weshalb er dagegenstimmt. Daher will er im Vorfeld nicht allzu viel verraten, betont aber: Den 1. FC Garmisch-Partenkirchen ohne jede rechtliche Verpflichtung mit 30 000 Euro zu unterstützen, wobei man zugleich in den vergangenen Jahren bei anderen Vereinen und an so vielen Stellen gespart hat, „das halte ich für ungerecht“.

Elisabeth Koch (CSU)

Mit Bedacht wählt CSU-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Koch ihre Worte. Denn intern haben sich die CSU-Räte geeinigt: Sie stimmen dem Kompromiss zu, „zähneknirschend“, und obwohl die Gemeinde dem Verein nichts schulde. Für sie bleibt ein „ganz fader Beigeschmack“. Nach wie vor stört sich Koch an der fordernden Haltung, die die 1. FC-Verantwortlichen an den Tag gelegt haben. „Nachdem sich die Vereinsführung selbst in diese Situation manövriert hat, hätte ich etwas mehr Demut erwartet und auch den Gebrauch der Wörter ,bitte’ und ,danke’“, sagt Koch. Die Vereinsmitglieder verdienen in ihren Augen nun eine Erklärung, wie es so weit kommen konnte.

Andreas Grasegger (Bayernpartei)

„Nicht ganz glücklich“ mit der Lösung ist Andreas Grasegger von der Bayernpartei. Seine Bedenken: „Wenn wir dem 1. FC den Zuschuss geben – dann müssten wir das bei anderen vielleicht auch machen.“ Auf der anderen Seite könne man den Verein nicht hängen lassen. Vor diesem Hintergrund empfindet er die Einschränkung, wonach der 1. FC künftig keine Fördergelder für den Platz von der Gemeinde erhält, als wichtig. Wenig begeistert zeigt er sich vom fordernden Auftreten der Führung, die in seinen Augen zu spät auf die schwierige Situation reagiert hat. „Man hat sich voll darauf verlassen, dass der Markt einspringt.“ Immer wieder zu betonen, dass andernfalls in der Jugendarbeit eingespart werden müsse, hält er für wenig hilfreich. Der Nachwuchs dürfe unter der Finanzlage nicht leiden. „Da müssen sich die Verantwortlichen was überlegen.“

Robert Allmann (SPD)

Bei der jüngsten Ältestenratssitzung war Robert Allmann nicht dabei. Doch natürlich hat er sich über die Lösung informiert, und „die kann ich mittragen“. Etwas „verwundert und irritiert“ haben ihn – wie auch Koch, Thiel und Grasegger – die Äußerungen des 1. FC-Präsidenten Riesch gegenüber dem Tagblatt nach besagter Sitzung. Er hatte darin beklagt, er müsse nun wohl doch im Jugendbereich einsparen und hätte sich „mehr Einsicht“ von den Räten gewünscht. Heißt wohl: nicht 30 000 Euro Zuschuss, sondern 40 000, was dem kompletten Fehlbetrag entspricht. Doch da Allmann die Stimmung in der Sitzung selbst nicht erlebt hat, will er die Aussagen nicht weiter interpretieren – und die Angelegenheit endlich „vom Tisch haben“.

Florian Möckl (Freie Wähler)

Ähnliche Worte wie SPD-Kollege Allmann findet der Freie-Wähler-Fraktionsvorsitzende Florian Möckl. Als „gut“ beurteilt er den Kompromiss, als „ungut“ Rieschs Nachtreten in der Zeitung. Doch möchte er dies „nicht überbewerten“. Denn wie den anderen Räten liegt ihm viel daran, das Thema endlich zu beenden. Sowohl in der Presse als auch in finanzieller Hinsicht für den Markt. Mit den 30 000 Euro „ist für mich der Kas bissn“.

Claudia Zolk (CSB)

Eine Befürworterin der Lösung ist Claudia Zolk und mit ihr die CSB-Fraktion im Gemeinderat. Das Bündnis wäre sogar zu einem größeren Entgegenkommen bereit. „Wir hätten auch noch mehr mitgetragen“, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende. In die Gemeinderatssitzung am morgigen Dienstag geht das CSB mit einem mündlichen Antrag: Es will den Passus streichen, wonach der 1. FC nie mehr einen Förderantrag bei Investitionen für den Kunstrasenplatz zu stellen braucht. „Wir wollen dem Verein die Option offen halten, dass er Hilfe bekommt. Das sollte nicht für alle Zeit ausgeschlossen sein.“

Katharina Bromberger

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