"Land-Flucht" im Riegsee: Erneut Insel auf Reisen

Murnau - Wieder ist ein Stück Land im Riegsee abgebrochen und übers Wasser getrieben. Eine Patentlösung für das Problem scheint es nicht zu geben.

„Es handelt sich hier um ein Naturphänomen, eine Eigenart dieses Sees“, sagt Johannes Riedl, Vize-Chef des Wasserwirtschaftsamts Weilheim, nachdem er sich gestern mit weiteren Behördenvertretern bei einem Ortstermin ein Bild gemacht hatte.

Zum zweiten Mal innerhalb von rund zwei Monaten war jüngst ein Stück Land über den Badesee getrieben – diesmal gen Egling. Es handelte sich um einen kleinen, abgebrochenen Teil des riesigen Uferabschnitts, der sich Ende Mai im Naturschutzgebiet im Nordosten gelöst hatte und nahe des Aidlinger Badeplatzes angedockt war.

Mitglieder der Wasserwacht Hofheim-Riegsee zogen das aktuell aufgetauchte Eiland per Boot ans Ufer, zwölf Mann der Feuerwehr Murnau verspannten es mit Seilen an Baumstümpfen.

Es handelte sich um die vierte Insel innerhalb der vergangenen rund 20 Jahre, die sich losgerissen hatte; eine von ihnen war gesprengt, eine andere auf Hofheimer Seite fixiert worden. Fachleute machen für die spezielle „Land-Flucht“ unter anderem schwankende Wasserstände verantwortlich. „Der Riegsee hat keinen Abfluss“, erklärt Riedl. Bei Regen steige der Wasserstand, Wind sorge dafür, dass der Bewuchs wie ein Segel wirke und an den neuralgischen Stellen Land abbrechen könne. Ein Patentrezept für dieses Problem weiß Riedl nicht, „eine endgültige Lösung kann es nicht geben“, betont er. „Für eine schwere Befestigung haben wir hier einen viel zu sensiblen Bereich.“

Prävention könnte offenbar in begrenztem Maß möglich sein: Man werde mit Vertretern des Naturschutzes reden und ausloten, ob es möglich sei, einige Birken umzuschneiden, um dem Wind Angriffsfläche zu nehmen, sagt Riedl. Die jüngst ausgebüchste, etwa fünf bis zehn Quadratmeter kleine Insel soll nach der Badesaison im Herbst voraussichtlich an eine andere Stelle geschleppt, mit einem Bagger herausgezogen und dann per Lkw abtransportiert werden.

Das einige hundert Quadratmeter große Stück Land, das Ende Mai auf Wanderschaft gegangen war, wollen die Verantwortlichen im Herbst mit mehreren Stahlseilen „an Ort und Stelle besser sichern“, sagt Riedl – an Bäumen oder gar über Spundwände.

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