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Gut 40 Meter lang ist der Maibaum, der 2018 am Farchanter Dorfplatz in die Höhe gestemmt wird. 
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Gut 40 Meter lang ist der Maibaum, der 2018 am Farchanter Dorfplatz in die Höhe gehievt wird. 

Tradition und Brauchtum

Ein Verzicht, der schwer fällt: Keine neuen Maibäume im Landkreis

Die Corona-Pandemie ist schuld: Am 1. Mai können im Landkreis keine Maibäume aufgestellt werden. 

Landkreis – Es ist ein alter Brauch, der in den Gemeinden des Landkreises im Drei-, Vier- oder Fünfjahresrhythmus gefeiert wird: das Aufstellen des Maibaums auf dem Markt- oder Dorfplatz. Die Corona-Krise macht in diesem Jahr dieser beliebten Tradition einen Strich durch die Rechnung. „Es ist sehr schade, weil es für alle Beteiligten ein Highlight war“, bedauert Bernhard Benz. Er ist Vorsitzender des Gebirgstrachtenerhaltungsvereins D’Soiernbergler Krün und musste das Aufstellen des Maibaums auf nächstes Jahr verschieben.

Zusammenhalt und Brauchtum

Wehmütig erinnert sich Benz ans letzte Mal am 1. Mai 2017: „Ganz Krün hat sich am Dorfplatz versammelt, Alt und Jung, Einheimische und Zugezogene. Es war ein schöner Akt.“ Wenn dann gegen 12 Uhr der Baum steht, herrscht in den Wirtshäusern Krüns Betrieb, die Blaskapelle spielt auf, die Trachtler tanzen. Diesen Zusammenhalt im Ort und das festliche Brauchtum werden heuer nicht nur die Krüner am 1. Mai vermissen.

Baum wird am Vortag gefällt

Die Veranstaltung hatte Benz mit seinen Mitstreitern vom Trachtenverein schon gut vorbereitet. „Organisatorisch war alles geklärt“, berichtet der 27-Jährige. Das gute Stück hatten die Krüner jedoch noch nicht ausgesucht. Denn dort ist es üblich, am Vortag des 1. Mai den Baum im Baron-von-Finck-Anwesen am Barmsee zu fällen. Den alten Maibaum, der derzeit noch am Dorfplatz steht, müssen die Trachtler entfernen. „Mitte Mai kommt er weg“, sagt Benz.

Für Diebstahl nicht geeignet

Ebenfalls schweren Herzens musste der Trachtenverein Ammertaler Bayersoien das Aufstellen des Maibaums auf 2021 verschieben. „Der Baum steht für die Gemeinschaft, der ganze Ort hilft zusammen“, erklärt Andreas Mayr die Bedeutung des Brauchs. Schon im Herbst hatte der Trachtenverein den alten Maibaum abtransportiert. Den neuen Holzriesen hatten Mayr und seine Helfer im Dezember ausgesucht, umgeschnitten und entrindet. „Für nächstes Jahr bleibt er der gleiche“, sagt der 36-Jährige und weist zugleich auf eine andere Tradition hin: das Maibaumstehlen. „Für einen Diebstahl ist unser Baum nicht geeignet“, stellt er klar.

Gesundheit geht vor

Noch überhaupt keine Vorbereitungen getroffen hatten die Ohlstädter. „Es war absehbar“, sagt Karl Geiger junior zur Situation Mitte März, als sich die Lage wegen der Corona-Pandemie verschärfte und sich abzeichnete, dass große Feste abgesagt werden. „Dann ist es halt so, es ist schade. Aber die Gesundheit geht vor“, betont der Vorsitzende des Trachtenvereins D’Illingstoana. Zwar hätten die Trachtler „mit Hängen und Würgen“ den Maibaum in die Vertikale bringen können. Aber Gäste wären dann ausgeblieben, fürchtet Geiger. In Ohlstadt musste der Brauch schon vergangenes Jahr verschoben werden. „Wir probieren es nächstes Jahr wieder“, verspricht der 38-Jährige. Ausgesucht wird der Baum übrigens kurzfristig – „im Ohlstädter Gebirge“.

Nachholtermin eventuell im Herbst

Eine Sonderrolle nimmt Großweil ein. Denn das Aufstellen ist offiziell noch nicht gecancelt. „Es wird uns aber nichts anderes übrig bleiben als abzusagen“, bedauert Sebastian Burkart. Die Kontaktsperre in Corona-Zeiten macht das Aufstellen schwierig. „Da geht es eng zu. Wir brauchen viele Leute, um den Baum rauf zu bringen“, sagt der Vorsitzende der Maibaumburschen und -madln Großweil. Ob da der Mindestabstand eingehalten werden kann? Fest steht nur, dass der alte Maibaum abgebaut wird, sobald die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben werden. Das Aufstellen des neuen Stamms wollen die Großweiler eventuell schon im Herbst nachholen. Vorerst sind die Vorbereitungen auf Eis gelegt. Das Problem in Großweil: Im kommenden Jahr wird in Kleinweil turnusmäßig der Maibaum in die Höhe gelupft. Großweil müsste dann bis 2022 warten.

Der neue Baum ist ausgesucht

In Seehausen ist der Maibaum-Kreis für die Veranstaltung zuständig. Die Tradition wurde im Fischerdorf für dieses Jahr zurückgestellt. „Wir wünschen uns, dass wir Ende Mai noch den Maibaum aufstellen können. Aber wahrscheinlich wird’s nichts mehr“, fürchtet Josef Finsterwalder vom Maibaum-Kreis. Die Mannschaft steht jedenfalls in den Startlöchern: „Wir sind soweit, dass wir am 1. Mai aufstellen könnten“, versichert der 48-Jährige. Der alte Baum in Seehausen wurde umgeschnitten, der neue ist ausgesucht und wurde für gut befunden. Die Schilder, die den Baum verzieren, sind bemalt. Es sieht aber danach aus, dass der Fünfjahresrhythmus heuer nicht eingehalten werden kann. „Dann steht kein Maibaum in den Schienen. Es wäre schöner, wenn einer dasteht“, bemerkt Finsterwalder nachdenklich.

Hammersbacher entschieden bereits im März

Ein entschlossenes Vorgehen entwickelte der Maibaumverein Hammersbach. Im Grainauer Ortsteil wurde bereits Anfang März entschieden, das Ganze auf nächstes Jahr zu verschieben. „Wir hatten gerade mit den Vorbereitungen angefangen“, berichtet Nikolaus Grasegger. Dann entschied der Verein, das Aufstellen ausfallen zu lassen. „Wir gehen mit gutem Beispiel voran.“ Der 67-jährige Vorsitzende findet es schade, dass der Brauch heuer entfällt. Den alten Maibaum hatten die Hammerbacher Mitte Oktober entfernt. Für das kommende Jahr ist der Ort gerüstet. Die Aluminium-Figuren der Handwerker, die den Baum schmücken, bewahrt Grasegger bei sich zu Hause auf. Der Baum muss noch ein Jahr warten, bis er gefällt wird. Der Vorsitzende macht vermeintlichen Dieben wenig Hoffnung: „Wir wissen, wo er ist. Es wird aber nicht verraten.“

Alexander Kraus

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