Angst in den eigenen vier Wänden: Eine Frau versucht verzweifelt, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen (gestellte Szene).
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Angst in den eigenen vier Wänden: Eine Frau versucht verzweifelt, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen (gestellte Szene).

Hotels oder Pensionen könnten angemietet werden

Häusliche Gewalt: Grüne schlagen Alarm

Die Kreistagsfraktion der Grünen schlägt im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt Alarm. Sie findet, dass der Landkreis Hotels oder Pensionen anmieten sollte, um dort Opfer unterzubringen.

Landkreis – „Zügige und pragmatische Lösungen“ – das braucht es nach Ansicht der Kreistagsfraktion der Grünen. Sie haben einen Dringlichkeitsantrag an den Kreistag formuliert. Dabei geht es um Hilfe für Opfer häuslicher Gewalt. „Durch das enge und permanente Zusammenleben, oft auch auf engstem Raum, aufgrund der Ausgangsbeschränkungen, stehen die Betroffenen unter einer extremen psychischen Anspannung“, sagt die Murnauerin Veronika Jones, Ex-Bürgermeisterkandidatin und künftige Gemeinde- sowie Kreisrätin. „Viele Frauen – und Kinder schon gleich gar nicht – haben in dieser Situation keine Möglichkeit mehr, sich unbemerkt Hilfe zu holen.“ Fachleute für häusliche Gewalt „und die Fachfrauen in unserem Frauenhaus gehen stark davon aus, dass durch die Covid-19 Pandemie und die damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen eine drastische Zunahme an häuslicher Gewalt zu erwarten ist“, heißt es in dem Antrag. Doch das Frauenhaus, das in Murnau angesiedelt ist, hat nur fünf Plätze.

Momentan noch kein Anstieg der Zahlen

Die Grünen finden, dass der Landkreis Hotels oder Pensionen anmieten sollte, um dort Opfer häuslicher Gewalt unterzubringen. Susanne Schägger, Leiterin des Frauenhauses, hält dies für einen gangbaren Weg. „Wenn der Ansturm kommt, bleibt nichts anderes übrig.“ Momentan sei noch kein Anstieg der Zahlen feststellbar. Doch diese werden „sich wahrscheinlich stark erhöhen, wenn wieder eine gewisse Normalität herrscht“. Schägger rechnet mit einem verzögerten Meldeverhalten. Will heißen: Betroffene Frauen rühren sich momentan nicht, weil sie in einer kleinen Mietwohnung nicht ungestört telefonieren können. Auch gibt es nach Schäggers Einschätzung viel Unsicherheit bei den Frauen. Werde ich aufgenommen? Kann ich mich im Frauenhaus infizieren? Wie komme ich dort überhaupt hin? Fragen über Fragen.

Polizei: Möglicherweise gibt es ein Dunkelfeld

„Unsere zuständigen Stellen sind sensibilisiert“, sagt Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamts. Das sind neben dem Frauenhaus das Jugendamt und die Gleichstellungsbeauftragte. Man habe den Ball an die Grünen zurückgespielt. Die Fraktion soll sich mit den betreffenden Stellen besprechen, um zu schauen, inwiefern Bedarf besteht. Von einem Anstieg häuslicher Gewalt im Zuge der Corona-Krise ist im Landratsamt nichts bekannt. Auch bei der Polizei nicht. Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim, sagt: „Auf den ersten Blick scheint sich kein Problem abzuzeichnen. Aber möglicherweise gibt es ein Dunkelfeld, von dem wir nichts wissen. Vielleicht wird nicht alles angezeigt.“

Hotel- und Gaststättenverband ist offen

Beim Hotel- und Gaststättenverband ist man aufgeschlossen. Der Kreisvorsitzende Christian Bär ist sich sicher, dass einige Mitglieder offen dafür wären, an den Landkreis für den besagten Zweck zu vermieten. „Jeder ist froh, wenn er ein bisschen ein Geschäft machen kann.“ Bekanntlich sind Hotels und Gaststätten derzeit geschlossen. Vielen steht das Wasser bis zum Hals. Der Verband sei gerne bereit, die Unterkünfte anzuschreiben, sagt Bär.

Grüne: Unterstützung der Mitmenschen nötig

Nicht zuletzt braucht es aus Sicht der Grünen insgesamt beim Thema häusliche Gewalt die Unterstützung der Mitmenschen: „Es gilt, die Menschen grundsätzlich zu sensibilisieren“, betont Vizefraktionssprecherin Christl Freier. „Klar, in jeder Familie ist es mal laut, gibt es Streit. Bei häuslicher Gewalt ist der Unterschied aber oft deutlich hörbar und oft auch sichtbar. Hier brauchen wir dringend eine Stärkung der Zivilcourage, der Sensibilisierung. Verwandte, Nachbarn, Freunde und Kollegen müssen aufmerksam sein, dürfen nicht wegsehen und weghören.“

Rat und Hilfe

Hilfe für Frauen in Not gewährt das Frauenhaus in Murnau unter der Telefonnummer 0 88 41/57 11 (24 Stunden erreichbar). Die Beratung kann auch per E-Mail unter frauenhaus@skf-garmisch.de oder per Brief erfolgen (Postfach 1434, 82414 Murnau).

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