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Blutspenden kann Leben retten. 

BRK muss auf geringen Zuspruch reagieren

Bereitschaft zum Blutspenden sinkt - nicht ohne Folgen

Der BRK-Kreisverband wollte mit allen Mitteln sämtliche Blutspende-Termine im Landkreis halten. Inzwischen steht fest: Das ist nicht gelungen.

Landkreis –Als gemeinnützige GmbH ist der Blutspendedienst (BSD) des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) verpflichtet, kostendeckend zu arbeiten. Er erhält keinerlei Zuschüsse, Fördermittel oder Subventionen. „Daher sind wir gezwungen, nach professionellen wirtschaftlichen Grundsätzen zu arbeiten, um unter anderem Labore sowie eine aufwändige Produktions- und Logistikstruktur zu unterhalten und die Kosten für die Spenderwerbung einschließlich der fachgerechten Blutentnahme in den Regionen Bayerns zu decken.“ Dies erklärt Christian Kohl, Leiter Marketing & Kommunikation beim BSD. Vor diesem Hintergrund sieht sich der Dienst mit der Aufgabe konfrontiert, die Terminorganisation stets zu optimieren. „Dazu gehört auch die Konzentration auf Spendetermine mit erhöhtem Spenderaufkommen und entsprechendem Bevölkerungspotenzial.“

So ist der BSD jetzt auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen verfahren. Mittlerweile wurden jedoch Termine zusammengelegt. Spender aus Uffing werden inzwischen nach Murnau eingeladen, Bürger aus Oberau und Grainau nach Garmisch und Partenkirchen. Mit anderen Worten: In Uffing, Oberau und Grainau können sich Bürger nicht mehr den Lebenssaft „abzapfen“ lassen. Sie müssen ausweichen. „Diese logistische Änderung steht in keinem Zusammenhang mit der Wertschätzung des Engagements der Spender oder dem großartigen Einsatz der ehrenamtlichen Helfer vor Ort“, betont Kohl. Sie erfolgte vielmehr aufgrund eines rückläufigen Aufkommens.

Ein Kampf in kleinen Orten

Trotz intensiver Werbemaßnahmen mit Flyern und Werbebannern liegt der Zuspruch deutlich unter dem bayernweiten Terminschnitt von 120 Spendern. In Grainau sank die Zahl von 85 Anwesenden im Jahr 2016 auf zuletzt 53, in Oberau von 68 auf 60, in Uffing sogar von 83 auf 43. „Wir müssen akzeptieren, dass es einen spürbaren Rückgang der Spendebereitschaft gegeben hat“, sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Klemens Reindl. Vor rund zwei Jahren wollte man noch mit allen Mitteln sämtliche Termine im Landkreis halten. Das ist nicht gelungen. Der BSD legt jedoch nicht grundsätzlich alle Termine mit geringerer Resonanz still. „Solch eine Entscheidung wird jeweils auf Basis einer intensiven Einzelbetrachtung und in Absprache mit allen Verantwortlichen getroffen“, macht Kohl deutlich. Ein Wackelkandidat ist wohl auch Ohlstadt. Reindl: „Da müssen wir sehr sorgfältig aufpassen.“ In den kleineren Orten sei man „am kämpfen“, 80 Spender pro Termin zu erreichen.

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Gut funktioniert es in Bad Kohlgrub. „Das ist der Dorfgemeinschaft geschuldet“, berichtet Reindl. Im Hörnleort gibt es viele „Stammkunden“. Was ist der Grund, dass in manchen Orten ein Rückgang zu verzeichnen ist? Reindl mutmaßt, es könnte daran liegen, dass die Leute zunehmend mobil sind, im Beruf immer mehr verlangt wird, die Zahl der Pendler steigt und die Menschen immer später nach Hause kommen. „Viele sagen: Ich schaffe es zeitlich nicht.“ So kommt es, dass der eine oder andere Landkreisbürger inzwischen in München Blut spendet.

Das durchschnittliche Aufkommen ist unterschiedlich. In Garmisch, Partenkirchen und Murnau liegt es zum Beispiel bei 102, 111 beziehungsweise 138 – mit steigender Tendenz. „Nach wie vor besteht die Herausforderung, den Bedarf von 2000 Blutspenden pro Tag zu decken“, verdeutlicht der Kohl vom BSD. Erfahrungsgemäß sinkt das Spendenaufkommen in den Ferien. Aufgrund der geringen Haltbarkeit von nur 42 Tagen sind die Patienten in Bayern auch in dieser Zeit auf Blutspenden angewiesen.

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Wer Leben retten möchte, kann dies in folgenden Orten tun (in Klammer die Anzahl der Termine pro Jahr): Bad Kohlgrub (4), Garmisch (6, erhöht von 4), Mittenwald (5), Murnau (6), Oberammergau (4), Ohlstadt (2), Partenkirchen (6, erhöht von 4). Seit letztem Jahr besteht zusätzlich die Möglichkeit, an unterschiedlichen Orten im Blutspende-Mobil zu spenden. Vergangenes Jahr war es in Krün, heuer soll es auch wieder unterwegs sein.

Roland Lory

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