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Zahltag: Ein Flüchtling holt unter den Augen einer Security-Kraft sein Taschengeld ab.

Große Summen im Kreishaushalt

22,1 Millionen Euro für Flüchtlinge

Landkreis - Viel wurde darüber gesprochen, dass die Kosten für die Betreuung der Flüchtlinge so hoch sind. Konkrete Zahlen wurden dabei in den politischen Gremien nicht genannt. Ein Blick in den Etat zeigt: Die Krise verschlingt im Landkreis Millionen.

Einmal im Monat ist für jeden der rund 1200 Flüchtlinge Zahltag. Dann, wenn er sich Geld im Landratsamt abholen kann. Für alltägliche Dinge, für Kleidung. Rund 140 Euro sind es durchschnittlich pro Person, unterm Strich zahlt der Landkreis heuer 2,6 Millionen Euro an die Asylbewerber aus. Damit das reibungslos ablaufen kann, gibt es sogar einen Sicherheitsdienst in der Kreisbehörde. „Die Menschen haben eine andere Mentalität“, sagt Peter Berchtenbreiter, Chef des Sozialamtes, mit Blick auf Probleme in den Vergangenheit. Immer wieder ist es 2015 demnach zu Auseinandersetzungen mit den Mitarbeitern des Amtes und sogar zu Rangeleien unter den Flüchtlingen gekommen. Um diese zu vermeiden, werden heuer ganze 28 000 Euro für Sicherheitspersonal ausgegeben.

Zahlen, die zwar im Kreishaushalt stehen. Über die aber bei der Beratung im Vorfeld oder bei der Etat-Verabschiedung im Kreistag wenig gesprochen wurde. In den politischen Gremien hieß es immer nur, dass die Kosten für die Betreuung der Flüchtlinge hoch sind. Wie hoch, wurde nicht gesagt.

Rechnet man alle Asyl-Posten im Haushaltsplan zusammen, ergibt sich eine stattliche Summe: 22,1 Millionen Euro. Davon bekommt der Landkreis zwar 20,54 Millionen Euro von Land und Bund erstattet. Das ändert aber nichts daran, dass es sich um öffentliche Steuergelder handelt, die zur Bewältigung der Krise ausgegeben werden.

Zum Beispiel für die medizinische Betreuung, die bei den Asylbewerbern auf Rechnung erfolgt. Dies geschieht Berchtenbreiter zufolge nach den Sätzen der Krankenkasse AOK. 3,5 Millionen Euro plant der Landkreis für diesen Punkt ein. Übernommen werde aber eine Behandlung nur, wenn sie wirklich notwendig ist. In der Zahnmedizin gebe es zum Beispiel keine Geschenke. Was die Flüchtlinge mit ihrem Taschengeld machen, das haben die Verantwortlichen nicht in der Hand. Oftmals würden Beträge in die Heimat geschickt – oder an Orte, an denen sich Familienangehörige bereits auf der Flucht befinden.

Um die Asylherausforderungen in der Region zu bewältigen, wurden allein im Landratsamt 18 neue Stellen geschaffen. Im vergangenen Jahr lagen die Mehrkosten, wie Ausländeramts-Mitarbeiter Florian Hibler erklärt, bei 440 000 Euro. Eine Zahl, die sich heuer um etwa 30 bis 50 Prozent steigern könnte. Auf dieser Belastung bleibt der Landkreis sitzen, das Geld wird nicht erstattet. Entsprechend schwierig dürfte die Lage bei den Nachbarn in Bad Tölz sein, wo 50 neue Stellen geschaffen werden mussten. Zwischen Staffelsee und Karwendel ist die Lage momentan weiter ruhig. Dass es dabei bleibt, darauf vertrauen die Mitarbeiter im Amt aber nicht. „Wir fürchten ein bisschen“, sagt Berchtenbreiter, „dass es die Ruhe vor dem nächsten Sturm sein könnte.“

Zahlen im Überblick

Unterkünfte:

5,8 Millionen Euro

Heimunterbringung minderjährige Flüchtlinge:

4,5 Millionen Euro

Abrams-Erstaufnahmeeinrichtung:

4 Millionen Euro

Medizinische Versorgung:

3,5 Millionen Euro

Taschengeld:

2,6 Millionen Euro

Anteil Personalkosten Landratsamt:

zirka 600 000 Euro

Betreuungskosten für Caritas:

530 000 Euro

Zuschuss Berufsintegration junge Flüchtlinge:

205 000 Euro

Sachleistungen (Bahntickets, Schulmaterial etc.):

90 000 Euro

SkF-Zuschuss für Wohnungssuche:

85 600 Euro

Zuschuss Vhs-Integrationskurse:

68 000 Euro

Zuschuss gemeinnützige Arbeitskräfte:

50 000 Euro

Teilzeitstelle Betreuer für junge Flüchtlinge:

35 000 Euro

Sicherheitsdienst für Taschengeld-Auszahlung:

28 000 Euro

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