Amtshandlung: Harald Kühn (r.) übergibt für ein halbes Jahr die Geschäfte an seinen Vize Anton Speer. Foto: sehr

Landrats-Karussell: Anton Speer springt auf

Landkreis - Am Montag endet die "Ära Kühn". Nach über elf Jahren als Landrat wechselt er nach München in den Landtag. Stellvertreter Anton Speer übernimmt die Geschäfte bis zum Frühjahr - und hat eine Vision.

Bisher war es ein Zweikampf - mit zwei Protagonisten, die in etwa auf Augenhöhe agieren: Murnaus Bürgermeister Michael Rapp von der CSU und Kreisbrandrat Hannes Eitzenberger vom CSB. Spekulationen, ob es einen dritten Mann, sprich Kandidaten, geben wird, kursierten in den letzten Wochen hartnäckig auf der politischen Bühne im Landkreis. Nun steht fest: Rapp und Eitzenberger bleiben nicht allein. Für die Freien Wähler der Landkreisgemeinden hat Anton Speer seinen Hut in den Ring geworfen. Auch er strebt das Amt des Landrats und damit die Nachfolge von Harald Kühn an. Einstimmig wurde der 55-Jährige auf der Jahresversammlung der Freien Wähler in Ettal gewählt. Das letzte Wort haben die Delegierten im November, doch dürfte deren Zustimmung reine Formsache sind.

Speer beweist politische Courage mit seiner Kandidatur. Weiß er doch, auf was er sich einlässt: „Hannes Eitzenberger und Michael Rapp sind zwei Kaliber und starke Persönlichkeiten. Ich sehe mich hier als Außenseiter.“ Dass er dennoch antritt, hat mehrere Gründe: „Zum einen bin ich von sehr vielen Leuten darauf angesprochen worden. Dann habe ich in der laufenden Periode als Stellvertretender Landrat viele wertvolle Erfahrungen sammeln können, und schließlich sind die Freien Wähler der Landkreisgemeinden eine derart starke Kraft, dass es fast eine Verpflichtung ist, mit einem eigenen Bewerber ins Rennen zu gehen. Das erwarten die vielen Sympathisanten irgendwie auch. Zurecht. “

Eine sechsmonatige „Übungszeit“ für das Amt des Landrats beginnt für Anton Speer schon am morgigen Dienstag, 8. Oktober: Der Bayerische Landtag trifft sich heute zu seiner konstituierenden Sitzung, mit Harald Kühn (CSU), für den nun sein politisches Tätigkeitsfeld in München liegt. Der Unterammergauer übernimmt die Amtsgeschäfte im Landkreis, bis zur Kommunalwahl am 16. März 2014: „Das halbe Jahr ist eine riesige Herausforderung und eine verantwortungsvolle Aufgabe, darüber bin ich mir im Klaren. Ich traue mir dies aber schon zu, weil ich in der Vergangenheit als Stellvertreter viele Termine wahrgenommen habe.“ Neben der Tätigkeit als Landrat ist Speer kraft des Amtes auch noch Verwaltungsratsvorsitzender der Kreissparkasse und Aufsichtsratsvorsitzender am Klinikum; bisher war Toni Speer hier jeweils Stellvertretender Vorsitzender.

Ob der Ammertaler sein Amt als Landrat über das Frühjahr hinaus ausüben darf, wird die Wahl ans Tageslicht bringen. Illusionen gibt er sich nicht hin: „Die beiden Mitbewerber legen die Messlatte sehr hoch, sie sind die Favoriten. Aber ich bin ja auch kein Frischling mehr im politischen Geschäft.“ In die Lokalpolitik stieg der Nebenerwerbslandwirt und Vertriebsleiter der Schaukäserei Ettal (dort werden bis März Speers Aufgaben verteilt) im Jahr 1990 ein, als er für die Freie Wählergemeinschaft „Für Unterammergaus Zukunft“ in den Gemeinderat seines Heimatdorfes gewählt wurde. Seit 2008 wirkt er hier als Zweiter Bürgermeister sowie als Stellvertretender Landrat. Im Kreistag sitzt Speer seit 1996 und Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler ist er seit 2002.

Das nächste halbe Jahr geht der Ammertaler (verheiratet mit seiner Frau Maria, eine Tochter/20, einen Sohn/18) nach eigenen Worten mit Respekt, Zuversicht und Mut an. Außerdem kündigt er schon jetzt an: „Ich werde vollen Einsatz zeigen!“

Ludwig Hutter

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