95 Meter misst dieses Windrad bei Peiting, die Bad Kohlgruber Anlage wäre noch geringfügig höher. Foto: Lory

Landratsamt sagt Nein zu erster Windkraftanlage im Landkreis

Bad Kohlgrub - Mit der Ablehnung schließt sich die Behörde dem Bad Kohlgruber Gemeinderat an, doch Antragsteller Michael Reichlmayr gibt nicht auf: Er zieht vor Gericht.

Wie berichtet, beabsichtigt der Münchner nahe Hinterkehr ein knapp 100 Meter hohes Windrad zu errichten. Der Generator wäre der erste seiner Art hier im Landkreis. Doch der Gemeinderat hatte aus unterschiedlichen Gründen große Bedenken und verweigerte dem Antrag im November seine Zustimmung.

Nach längerer Prüfung sind nun auch im Landratsamt die Würfel gefallen. Gegen das Projekt. Sprecher Albrecht Ott begründet dies wie folgt: Die Regierung von Oberbayern habe „festgestellt, dass die Anlage nur etwa 100 bis 150 Meter von einem internationalen Vogelschutzgebiet entfernt liegt und deshalb den verbindlichen Vorgaben des Regionalplanes widerspricht“. Danach müssten solche Konstruktionen einen Abstand von mindestens 2000 Metern einhalten.

„Darüber hinaus lag das erforderliche Einvernehmen der Gemeinde nicht vor“, erläutert Ott. Der Vertreter des Antragstellers habe zwischenzeitlich gegen die Ablehnung fristgerecht eine Klage beim Verwaltungsgericht in München eingereicht. Darüber sei noch nicht entschieden worden. Beteiligt wird auch die Gemeinde. Bürgermeister Gerald Tretter hat das Gefühl, dass im Ort 95 Prozent der Menschen gegen das Windrad seien. „Die meisten sagen, dass es nicht in die Landschaft passt und für den Fremdenverkehr schädlich ist.“

Reichlmayr, der das eine Million Euro teure Projekt mit einem Partner realisieren will, widerspricht. „Es gibt im Ort genügend Unterstützer.“ Vor Gericht rechnet er sich „gute Chancen“ aus, betonte er gestern nachmittag.

Kritisch sieht die Windkraft auch Bezirksheimatpfleger Stefan Hirsch. In den einschlägigen Internetseiten der Firmen, die Windräder herstellen, würden bereits Konstruktionen bis zu 200 Metern Höhe angekündigt, die man dann noch in 50 Kilometer Entfernung und mehr sehen würde, machte er kürzlich bei einer Tagung in Eschenlohe deutlich. „Das Oberland als Barocklandschaft wäre damit ein- und für allemal erledigt.“

Hirsch sieht im Hintergrund eine „riesige Subventionsmaschinerie“ am Werke. Gäbe es diese nicht, „käme wohl niemand auf die Idee, Windräder gerade im oberbayerischen Voralpenland aufzustellen“. Dies sei ein Gebiet, das im europäischen Windatlas eindeutig als blaue Zone ausgewiesen sei. In diesen sei die Windausbeute nahezu am magersten, legte der Benediktbeurer dar. Biwi Rehm, Kreisheimatpfleger für Volksmusik und Brauchtum, verwies auf Vogelschwärme, die in die Windräder flögen. „Mehrere hundert Vögel kommen da ständig ums Leben.“

Roland Lory

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