Landwirt erbost: "Keinen Quadratmeter für Olympia"

Oberammergau - Die Würfel sind gefallen: Die Gemeinde Oberammergau spielt ab sofort bei der Bewerbung Münchens für die Olympischen Winterspiele 2018 keine Rolle mehr.

Zwar hoffte Bürgermeister Arno Nunn Montag Mittag, „dass uns noch eine kleine Restchance eingeräumt wird“, doch ob er wirklich daran geglaubt hat? Bis dahin waren im Rathaus erst 84 Rückmeldungen von den 188 Grundeigentümer eingegangen.

Am Ende des Tages lautete die Bilanz: Ohne Rückmeldung 81 Eigentümer, mit Rückmeldung 107, mit Nein stimmten 50, mit Ja ebenfalls 50, unentschlossen waren noch 7. Somit wären nur 50 von 188 Eignern ein Vertragsverhältnis eingegangen.

Ingesamt hätte die Bewerbungsgesellschaft mit Parkplätzen und sämtlichen Nebenanlagen 97 Hektar an Wiesen unterhalb der Romanshöhe benötigt.

Einer der Bauern, der hier seine Felder als einer der nur noch wenigen Landwirte in Oberammergau bewirtschaftet, ist Toni Mangold. 35 Hektar wären von den olympischen Wettkampfstätten, darunter ein Teil eines Stadions und Parkplätze, betroffen gewesen. Zunächst konnte es sich der Toni durchaus vorstellen, „hier vielleicht mitzumachen, wenn die Bewerbungsgesellschaft zum Beispiel auf das Konzept unserer Regionalvermarktung eingegangen wäre“. Das aber sei nie der Fall gewesen: „Die haben ihre festen Verträge mit Coca Cola oder McDonalds, da ist kein Platz mehr für einen kleinen Metzger, der seine eigenen Würscht’ verkaufen möchte.“

Mangold will etwas geraderücken: „Wir Bauern sind keine Gegner von Olympia, aber das Ganze ist immer auch ein Geben und Nehmen.“ In vielen Gesprächen und Sitzungen mit der Bewerbungsgesellschaft hätte er den Eindruck gewonnen, „dass die einfach nur unseren Grund und Boden wollen, und erst nach und nach mit der Sprache rausgerückt sind, was alles noch dazu kommt“. Über Wochen habe man sich das angehört, ehe für Toni Mangold feststand: „Keinen Quadratmeter geb’ ich her.“

Hinzu kam die große Sorge, ob die landwirtschaftlichen Flächen tatsächlich wieder so hergestellt werden würden, wie sie vorher waren: „Bis man eine Blumenwiese wieder so hinbringt, das dauert Jahre. Ich hab schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht, als ich Flächen an der Umgehungsstraße zur Verfügung gestellt hab’. Dort ist dann nur noch das japanische Springkraut gewachsen.“ Er müsse schließlich noch länger von der Landwirtschaft leben, „und auf da Brennsupp’n san mir a ned dahergschwumma.“

Am „Aus für Oberammergau“ hat Bürgermeister Arno Nunn „schon zu knabbern“. Auf die Frage, ob er es als persönliche Niederlage empfinde, womöglich auch für den Gemeinderat (der komplett bis auf Christl Freier für Olympia gestimmt hatte), antwortete der Rathauschef: „Ich muss sagen, das trifft mich schon. Was soll’s: Wir haben diese Chance eben nicht genutzt.“ Es sei für die Gemeinde immer wichtig gewesen, „das Gespräch mit den Grundeigentümern zu suchen und von einer möglichen finanziellen Haftung wegzukommen“.

Ein Grund für das Scheitern Oberammergaus war für Nunn auch, „dass Ängste und Bedenken von den Bildern her eher greifbar waren als die Chancen und Möglichkeiten, die uns solch’ ein Welt-Ereignis geboten hätte“. Deswegen sei es wohl auch zu einem Bürgerbegehren gekommen. Und jetzt? Wenn es denn so käme, so der Bürgermeister, dass München den Zuschlag für 2018 erhalte, „werden wir sicher ein wenig neidisch nach Ohlstadt hinüberblicken . . .“

Ludwig Hutter

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