Lawinen-Verbauung am Karwendel - Mittenwald gibt Grünes Licht

Mittenwald - Die kostenträchtige Lawinen-Verbauung in der Rainlähne soll angepackt werden. Am Dienstagabend fasste der Mittenwalder Gemeinderat hierzu einen einstimmigen Grundsatzbeschluss.

Geht's nach den Verantwortlichen im Mittenwalder Rathaus, können die Arbeitstrupps und ­ - nötigenfalls ­- das Sprengkommando noch heuer unterm Karwendel anrücken. Mit 18:0 votierten die Volksvertreter für einen umfassenden Lawinenschutz in der Rainlähne. "Wir müssen Farbe bekennen, das sind wir unseren Bürgern schuldig", impfte Hans Klotz (Freie Wähler) seinen Kollegen während der Aussprache ein.

In der Tat: Seit dem Lawinenabgang im Frühjahr 1999 streitet der Gemeinderat mit den Fachbehörden, um zum einen die gefährdete Siedlung am Schwarzenfeld abzusichern, zum anderen die Bundesstraße 2 unterhalb der Karwendelbahn-Trasse auch an schneereichen Wintertagen geöffnet zu lassen.

Doch der geplante Umlenkdamm am Fuß der berüchtigten Karwendelrinne ist nicht gerade billig: Experten errechneten vor fünf Jahren Kosten von 1,7 Millionen Euro. Peter Frei, Sachgebietsleiter im Bayerischen Umweltministerium, geht aktuell sogar von eher zwei Millionen Euro aus. Die Hälfte davon muss der Freistaat zahlen, weitere 15 Prozent der Bund. Bleiben 35 Prozent für Mittenwald ­ also nach der Kalkulation von 2003 rund 600 000 Euro. Als Zeichen des guten Willens bewilligte der Marktgemeinderat für den laufenden Haushalt nun 250 000 Euro.

"Das ist gut, das ist sehr gut", freut sich Frei, der seit Monaten für einen weitreichenden Lawinenschutz plädiert. Während der ehemalige Chef des Weilheimer Wasserwirtschaftsamts bei der "Rainlähne" Konsens erzielt, stößt er beim zweiten strittigen Punkt, der "Marchklamm" an der Grenze, in Mittenwald weiter auf taube Ohren.

"Mehr als 100 000 Euro gibt's nicht", lautet die offizielle Sprachregelung. Laut Umweltministerium sollen die Mittenwalder aber 500 000 Euro für das Zwei-Millionen-Vorhaben hinblättern. Zwar wollen die Tiroler Anrainer-Kommunen einen Teil davon übernehmen, aber eben nicht alles. "Da werden wir noch Gespräche führen müssen", teilte gestern der Scharnitzer Bürgermeister Walter Lechthaler mit.

Ein wegweisendes Gespräch soll am 4. Februar auf Tiroler Seite stattfinden. Geben die Nachbarn in puncto Marchklamm wirklich Gas, wird's auch bei der Rainlähne höchste Zeit, betonte in der Gemeinderats-Sitzung Mittenwalds Zweiter Bürgermeister Georg Gschwendtner (CSU). Denn sei an der Grenze geöffnet, aber die Umgehungsstraße geschlossen, "dann haben wir den ganzen Durchgangsverklehr im Ort".

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