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Dicht an dicht, mit Wagen, Wohnwagen und Zelt: So war das Campen 1961.

„Fünf Sterne Resort“ an der Zugspitze

Luxus-Camper auf dem Vormarsch

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    Tanja Brinkmann
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Grainau - In Badelatschen und Unterhemd zur Gemeinschaftsdusche trotten – das war einmal. Der Camper von heute legt Wert auf Luxus. In Grainau soll ein Fünf-Sterne-„Camping Resort“ entstehen – Einzelwaschkabinen und Zugspitzblick inklusive.

Früher, in den 1960er Jahren, da reiste man mit dem legendären „Schwalbennest“ der Wohnwagen-Firma Knaus-Tabbert an den Gardasee. Klein war’s, eng war’s, gemütlich war’s. Fernsehempfang, eigene Dusche, das musste nicht sein. Und vom eigenen WLAN-Anschluss war sowieso noch keine Rede.

Vorbei, vorbei. Der heutige Camping-Trend ist ganz anders. Im Zugspitzdorf Grainau plant der Unternehmer Wilhelm Lieser ein Camping-Resort der Extraklasse. 131 Stellplätze soll der Platz haben, jeder mit eigener Versorgungshütte. Eigene Dusche, eigenes Waschbecken, eigene Toilette sowieso. Saunalandschaft, schicke Blockhütten und ein Steakhaus mit offenem Holzofengrill gibt’s auch. Dauer-Camper, die es sich in ihren Badelatschen gemütlich einrichten, sind nicht erwünscht. So zumindest die aktuelle Planung. Der Gemeinderat hat den Bauantrag am Mittwochabend genehmigt. „Das war die entscheidende Weichenstellung“, freut sich Bürgermeister Andreas Hildebrandt. Vorausgegangen war ein langer Streit mit Anliegern über Zufahrtswege, aber der scheint ad acta gelegt zu sein. Jetzt muss das Landratsamt den Plänen noch zustimmen. Baubeginn könnte nach Einschätzung des Grainauer Bauamts noch im Spätsommer sein.

Das Grainauer Projekt ist nicht das erste seiner Art. Auch am Tennsee nahe Mittenwald gibt es einen Camping-Platz, der nach den Kriterien des Bundesverbands der Campingunternehmer in Deutschland offiziell fünf Sterne ausweisen darf. „Natürlich ist ein Fünf-Sterne-Hotel noch einmal eine ganz andere Schuhnummer“, sagt Jutta Griess, Kreischefin des Garmischer Hotel- und Gaststättenverbands. Aber nun denn: „Der heutige Camper“, so Griess, „ist auf seine Privatsphäre bedacht.“ Camping sei heute „eine eigene Philosophie“ und habe nichts mehr mit einer klammen Urlaubskasse zu tun. „Billigurlaub im Zelt ist kein Trend mehr“, sagt Georg Spätling, Chef des Camping-Verbands Bayern, der in der Fränkischen Schweiz selber einen Campingplatz betreibt.

Im Gegenteil: „Camper sind heute keine armen Leute mehr, es geht doch heute darum, sich für viel Geld ein Haus auf Reisen zu sichern“, sagt Hotellerie-Sprecherin Jutta Griess. Das Projekt in Grainau findet sie gut, auch wenn es in Grainau schon einen Campingplatz gibt. „Da kommt eine Gästeklientel, die zu uns passt.“

Oder zumindest so tut. So ein Straßenschiff kann schon einmal über 100 000 Euro kosten – was sich dann nicht jeder leisten kann. Das zählt oft mehr der Schein als das Sein. Denn: „Die meisten Wohnmobile sind Mietfahrzeuge“, weiß Bayerns Chef-Camper Georg Spätling.

Dirk Walter und Tanja Brinkmann

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