Mahnmal-Enthüllung: „Aussöhnung inakzeptabel“

Mittenwald - Ausschwitz- und Dachau-Überlebender Maurice Cling geht mit dem Kameradenkreis der Gebirgstruppe scharf ins Gericht.

Er hat das Nazi-Vernichtungslager Auschwitz, das KZ Dachau und den Todesmarsch kurz vor Kriegsende überlebt. Nun meldet sich Maurice Cling, der in Mittenwald das Ende seines Martyriums erlebte, zu Wort.

Nach der feierlichen Enthüllung des Mahnmals vor elf Tagen im Geigenbauort (wir berichteten), an der auch der Franzose teilgenommen hatte, möchte er in einer Erklärung einige Punkte klarstellen. „Erstens habe ich sehr klar gesagt, dass für mich jede Aussöhnung zwischen Tätern und Opfern inakzeptabel ist.“

Zuallererst gehe es darum, die Verbrechen der Wehrmacht und der SS, „die Europa in Blut getaucht haben“, als Verbrechen anzuerkennen, insbesondere in Mittenwald noch in den letzten Stunden des Krieges. „Ich sage dies im Namen meiner Kameraden, die in der Umgebung von Mittenwald ermordet worden sind.“

Zweitens weist Cling eine Aussage des Präsidenten des Kameradenkreises der Gebirgstruppe, Oberst a. D. Manfred Benkel, gegenüber dem Tagblatt, er sei von Clings Rede während der Mahnmal-Zeremonie „innerlich bewegt“ gewesen, zurück.

„Diese ,innere Bewegtheit‘ verträgt sich schlecht mit der Feier auf dem Brendten, die ja der Tradition der Gebirgsjäger gewidmet ist. Dass Herr Benkel in Anlehnung an meine Rede dieses Treffen zudem als ,Mahnung‘ verstanden haben will, ist ein schockierender Versuch der Vereinnahmung der Opfer durch die Täter und eine unglaubliche Entstellung des Gedenkens an die Opfer.“

Des Weiteren fordert Nazi-Opfer Cling: „Wenn der Kameradenkreis seine ,Mahnung‘ ernst machen will, muss er öffentlich über die Verbrechen der Gebirgsjäger sprechen.“ Er habe mehrmals zusammen mit dem Arbeitskreis (AK) Angreifbare Traditionspflege, „der das Gedenken an die Opfer verteidigt“, demonstriert, und „ich solidarisiere mich vollständig mit dem AK und seiner Aktion der Denkmal-Aufstellung“. (cs)

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