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Vielen ein Dorn im Auge: Die dünnen Gelben Säcke.

Ärger um Gelben Sack und Flaschencontainer

Mehr Kosten und Probleme beim Müll

Der Landkreis-Bürger wird beim Thema Müll mehr zur Kasse gebeten: Dann, wenn er ihn abgibt. Und dann, wenn er sparen will. Dabei läuft längst nicht alles rund. Die Politik will die großen Probleme zumindest besprechen.

Landkreis – Eigentlich ging es im Kreisausschuss „nur“ um eine Änderung im Eichgesetz. Doch diese werden die Bürger im Landkreis zu spüren bekommen, wenn sie Müll abgeben. Wer weniger als 100 Kilogramm zu einer Umladestation bringt, muss künftig Mindestgebühren zahlen (siehe Anhang). Und die sind zum Beispiel bei Wurzelstöcken mit einer Pauschale von 35 Euro recht happig.

Ordentlich an der Preisschraube dreht der Landkreis auch bei der Abfuhr des Mülls, der seit 2015 nicht mehr gewogen, sondern nach Tonnengröße berechnet wird. Wer Müll sparen will und auf einen kleineren Behälter wechseln möchte, musste bislang 6 Euro zahlen. Dieser Betrag wird mehr als verdoppelt – auf 15 Euro. Eine Steigerung, die Markus Hörmann (CSU) nicht genug war. Angesichts der Kosten, die bei einem Tonnenwechsel mit 28 Euro für den Landkreis anfallen, sprach er sich für einen drastischeren Schritt aus. „Warum setzen wir das nicht 1:1 um?“, fragte Seehausens Bürgermeister. Jedoch ohne eine Antwort seiner Gremiumskollegen zu bekommen.

In der Kreispolitik war der Tarifwechsel bei der Müllabfuhr im Jahr 2015 nicht unumstritten. Damals wurde zum einen, wie berichtet, die Ungerechtigkeit moniert. Die kleinste Restmüll-Tonne umfasst 80 Liter und kostet 245 Euro im Jahr. Ein Betrag, den eine Seniorin, die allein lebt, genauso zahlen muss wie die Parteien in einem Mehrfamilienhaus. Zudem wurde von den Grünen kritisiert, dass mit einer derart großen Tonne kein Anreiz zur Müllvermeidung geliefert wird. Eine deutliche Zunahme der anfallenden Mengen wurde befürchtet. Zurecht. Von 2015 bis 2017 stieg der Restmüll um 20 Prozent auf 6300 Tonnen. Seitdem ging die Zahl laut Landkreis um weitere 200 Tonnen hinauf.

Für die Behörde ist der Volumentarif mit dieser Behältergröße trotzdem eine gute Wahl. Wie Sprecher Stephan Scharf erklärt, hätten finanzielle Anreize zur Müllvermeidung – etwa durch das Wiegesystem oder kleinere Tonnen – in der Vergangenheit einen gegenteiligen Effekt gehabt. Demnach sei nicht weniger Unrat angefallen, „sondern der Müll nicht ordnungsgemäß entsorgt worden – zum Beispiel in andere Sammelsysteme verschwunden oder wild abgelagert worden“. 

Probleme mit „normalen“ Urlaubern und Autofahrern bekommt Oberau dann, wenn die Menschen vermehrt die Flaschencontainer an den Durchgangsstraßen benutzen. Diese aber nicht regelmäßig von der durch den Landkreis beauftragten Firma geleert werden. Über die Zustände an den überfüllten Containern wurde bereits im Oberauer Gemeinderat diskutiert. Bürgermeister Peter Imminger (CSU) brachte das Problem nun aber auch im Kreisausschuss auf den Tisch. „Da muss etwas bei uns passieren“, forderte er. Es könne nicht sein, dass sich aufgrund von personellen Problemen – etwa bei Krankheitsausfällen – Abholungen verzögern. Und die Kommunen unter den Folgen leiden.

Ein zweites Thema, bei dem es im ganzen Landkreis Probleme gibt, sprach sein Fraktionskollege und Vize-Landrat Dr. Michael Rapp an: den gelben Sack. Dieser sei so dünn, dass viele Bürger mehrere Säcke verwenden. Um zu vermeiden, dass die Tüten reißen und sich der Müll auf der ganzen Straße verteilt. „Die Qualität ist untragbar.“

Dass er die Probleme kenne, sagte Landratsamt-Jurist Jan Knoop. „Vieles passt uns auch nicht.“ Zugleich sei die Behörde an die laufenden Verträge mit den beauftragten Firmen – die Wittmann Entsorgungswirtschaft (Gräfelfing) beim Gelben Sack und Oberland Recycling (Weilheim) beim Glas – gebunden. Angesichts dessen sprach Rolf Beuting (ÖDP) von einer „unguten Sandwich-Situation“ für den Landkreis. Auf seine Anregung soll es zum Jahresanfang einen Runden Tisch geben. Mit allen Interessierten, Betroffenen und Beteiligten. „Wir müssen am Ball bleiben“, sagt Landrat Anton Speer (Freie Wähler).

Neue Mindestgebühren:

Wer Müll selbst anliefert, muss folgende Mindestgebühren für Mengen unter 100 Kilogramm zahlen. Flachglas, Eisen und Schrott aus Gewerbe, Altholz, kompostierbare Grünabfälle (alle 5 Euro), Wurzelstöcke 35 Euro, sonstige Abfälle 15 Euro, künstliche Mineralfasern 10 Euro, asbesthaltige Abfälle 10 Euro, Gipskartonplatten 6 Euro und Bauschutt 6 Euro.

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