„Oben ohne“ ist out: Experte Peter Held (rechts) zeigte gestern an den Mittenwalder Luttensee-Liften der kleinen Sophie aus München im Beisein ihres Vaters, wie ein Skihelm sitzen muss. Foto: Klaus rosenberger

Nie mehr "oben ohne": Skihelme liegen voll im Trend

Mittenwald - Spätestens seit dem tragischen Skiunfall des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus, bei dem eine Frau ihr Leben verlor, sind sie mehr denn je in aller Munde: Skihelme.

„Da sind wir seit drei Jahren richtig im Trend“, freut sich Klaus Wurmer von den Mittenwalder Kranzberg-Skiliften. Und wenn man sich die Entwicklung zum Thema Sicherheit auf Skipisten näher betrachtet, ist dies in der Tat so. Gerade der Skihelm dürfte der meist diskutierte – und gekaufte – Gegenstand der vergangenen Zeit im Bereich Wintersportausrüstung sein.

Damals hatte man als Zugpferd für die „Safety Days“ die ehemalige Skirennläuferin Annemarie Gerg zu Gast. Durch den jüngsten schweren Unfall von CDU-Politiker Althaus wurde die Diskussion über die Sicherheit auf Skipisten zusätzlich angefacht. „Wir hatten ohnehin schon jährlich zweistellige Zuwachsraten, was die Verkaufszahlen von Skihelmen betrifft“, verrät Peter Held von einer weltbekannten Herstellerfirma, die am Samstag und Sonntag am Luttenseelift einen Informations- und Teststand eingerichtet hatte.

Aber die Kaufwelle seit Ende Dezember stelle alles bisher dagewesene in den Schatten, meint Held. „60 000 Helme gingen allein in den ersten beiden Januarwochen an die Fachhändler.“ Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum brachte das Unternehmen 2008 „nur“ 20 000 dieser lebensrettenden Kopfbedeckungen in die Läden.

Die Tendenz pro Helm wird auch auf dem Kranzberg offenkundig. „Bei uns fahren in diesem Winter deutlich mehr Leute mit Helm“, teilt Juniorchef Klaus Wurmer mit. Dabei sind es nicht mehr nur Kinder, die schon seit Jahren überwiegend mit Helm unterwegs sind – auch immer mehr Erwachsene fahren nicht mehr oben ohne.

Dieser Entwicklung tragen natürlich auch die Skischulen Rechnung: „Unsere Skilehrer fahren mit Helm und auch im Ausrüstungsverleih wird immer öfters nach der Kopfbedeckung gefragt“, berichtet Franz Schropp von der Vereinigten Skischule. „Das stellt uns schon zeitweise vor logistische Probleme.“ Denn die „Blauen“ müssen sich erst einmal mit der entsprechenden Anzahl an verschiedenen Helm-Größen ausstatten.

Und der Trend wird sich ähnlich wie bei der Entwicklung von Fahrrad-Helmen fortsetzen. „Es gibt Schulen, die im nächsten Winter nur noch zu Skikursen fahren dürfen, wenn die Verleiher vor Ort alle Teilnehmer mit Helmen ausstatten können“, weiß Claus Reiker von der Mittenwalder Jugendherberge. „Aber da die Entwicklung bereits jetzt klar erkennbar ist, kann man sich ja rechtzeitig darauf einstellen.“

Möglicherweise gilt dann ja auch schon eine derzeit diskutierte Gesetzesregelung, dass Wintersportler eine Mitschuld an Unfällen tragen, wenn sie sich nicht mit einem Helm schützen.

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