Besprechung an der Baustelle: (v. l.) Bürgermeister Thomas Schwarzenberger und Statiker Wolfgang Schwind.

Millimeterarbeit an der Isar: Brückenschlag geglückt

Krün - Eine neues touristisches Angebot ist in der Alpenwelt Karwendel am Entstehen: Gestern begannen die Arbeiten an der künftigen Fußgängerbrücke über die Isar.

Kurz nach 13 Uhr wird die Ruhe an der sanft dahin fließenden Isar auf Höhe des Krüner Stausees unterbrochen. Denn urplötzlich wirft Thomas Kersten den Motor seines 70-Tonnen-Autokrans an. Vorsichtig nimmt seine kraftstrotzende Maschine ein zwei Tonnen schweres Brückenteil an den Haken. Gemäß Anweisung von Firmenchef Michael Will von der gleichnamigen Stahlbaufirma aus Königsdorf soll das Mittelteil passgenau zwischen die in die Isar hereinragenden und von der einheimischen Firma Achner betonierten Brückenträger eingesetzt werden.

Am anderen Ufer warten zwei auf den Trägern sitzende Mitarbeiter. Kommandos gehen hin und her. Dann ist es geschafft: Will und sein Helfer Toni Heilinglechner können in luftiger Höh’ das Brückenteil mit dem seitlichen Träger verschrauben. Das klappt wenig später auch mit dem zweiten. Das Grundgerippe für die vom Mittenwalder Statiker Wolfgang Schwind konzipierte Krüner Isarbrücke ist fertig.

Vor dem Einsetzen müssen die beiden Träger noch ins Lot gebracht und in der Flucht ausgerichtet werden. „Wir mussten einen geringfügig anheben und leicht nach links schieben“, teilt Experte Will mit. „Jetzt montieren wir noch die Querträger.“

Nach der Fertigstellung verbindet die 50 Meter lange Brücke den beiderseits der Isar angelegten Natur-Erlebnispfad zu einem Rundweg. Dieser führt vom Ortsteil Gries über die Forstwegbrücke nach Süden über den neuen Isarsteg am westlichen Bereich des Stausees entlang durch das Gewerbegebiet zurück nach Krün (siehe Daten und Fakten).

Bürgermeister Thomas Schwarzenberger verfolgte am Donnerstag den Brückenschlag aufmerksam. „Von den veranschlagten 175 000 Euro erhalten wir 60 Prozent EU-Förderung über das Interreg-Projekt und 20 Prozent von der Regierung von Oberbayern“, schlüsselt er die Kosten auf. Am Rest von 35 000 Euro beteilige sich zudem Energieriese Eon mit einem fünfstelligen Betrag.

Der neue Übergang soll sich harmonisch in die Landschaft einfügen. „Zum Glück hat die Gemeinde Krün meine Idee angenommen“, zeigt sich Statiker Schwind erleichtert. Demnach wurden im Hinblick auf die historische Flößerei im Isartal die Brückenträger rechts und links so mit Baumstämmen verkleidet, „dass sie wie zwei Flöße aussehen, die nur durch einen Steg verbunden sind“.

Der ursprüngliche Gedanke, die Brücke komplett aus Holz zu bauen, wurde schnell fallen gelassen. „Das schien uns nicht langlebig genug“, sagt Schwarzenberger. „Da wären die Folgekosten zu hoch gewesen.“ In zwei Wochen soll das stählerne Konstrukt fertig sein. Dann müssen nur noch die Uferdämme aufgeschüttet und neu begrünt werden.

Daten & Fakten

Der Fußgängersteg bringt es auf eine Stützweite von insgesamt 49,65 Metern. – Davon: zwei Brückenträger à 9 Meter und ein freischwebendes Mittelteil mit 25,5 Metern. – Breite: zwei Meter; lichte Höhe in der Flussmitte: 3,50 Meter. – Belastung: Kann mit einem Räumfahrzeug befahren werden. – Baustoffe: 22 Tonnen Konstruktionsstahl und 30 Kubikmeter Beton. – Verkleidung der Brückenträger: Acht Bäume à 9 Meter.

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