Mittenwalder Fasching in der Sparversion

Mittenwald - Der traditionsreiche Mittenwalder Fasching fällt diesmal mehr oder weniger ins Wasser. Schuld daran sind Gelübde, an die sich die Isartaler Maschkera heute noch halten.

Mit Maria Lichtmeß ist es eigentlich schon wieder vorbei ­- abgesehen vom Unsinnigen Donnerstag am 31. Januar. Wenigstens dann platzt mit dem Auftritt der Schellenrührer, Jaklschutzer, Untersberger Manndl, Hexen und Bärentreiber pünktlich zum Zwölfuhr-Glockenschlag der Mittenwalder Obermarkt aus allen Nähten.

Doch dann kehrt Ruhe ein. "Nach alter Tradition werden an christlichen Feiertagen auf Maschkeratreiben und die Gungln unterm Karwendel seit jeher verzichtet", weiß Mittenwalds Chronist Fritz Löffler. Lichtmeß, "das Fest der Erleuchtung der Völker durch die Wahrheit, die in Christus der Welt erschienen ist", wie in der Baader-Chronik des Marktes Mittenwald nachzulesen ist und zu dem noch immer die Kerzenweihe gehört, fällt heuer auf Samstag, 2. Februar.

Zwar ist für diesen Tag keine öffentliche Veranstaltung geplant, doch auch ein "Maschkera" wird in keinem Gasthaus zu sehen sein. Noch schlimmer ist's am darauffolgenden Sonntag. Hier wurde der Faschingszug 2008 wegen des Festtags St. Blasius (3. Februar), dem Patron der Halskrankheiten, erst gar nicht eingeplant.

Ein Novum für Dekan Thomas Gröner: "Ich kann mich nicht erinnern, dass St. Blasius jemals auf einen Sonntag gefallen wäre", sinniert er. Gröner freut sich zwar, dass er endlich einmal während der beiden Sonntagsmessen den Blasiussegen spenden darf, sieht jedoch von Seiten der Kirche für diese beiden Termine kein generelles Maschkera-Verbot. "Das ist ein uraltes Versprechen der Einheimischen, und man kann es nur bewundern, dass sie sich bis heute daran halten."

Doch aller Dinge sind drei: Genau der Tag des größten Rummels, der Faschingsdienstag (5. Februar), fällt auf den "Oagatntog", wie der Einheimische das Namensfest der Heiligen Agathe auszusprechen pflegt.

Und damit hat es eine besondere Bewandtnis. Fritz Löffler kann die Schilderung der heimatlichen Stoffsammlung aus vielen Erzählungen nur bestätigen: Am 5. Februar 1830 fuhr ein junger Mann frühmorgens von seinem Elternhaus am Mittenwalder Untermarkt mit dem Schlitten nach Seefeld, um seine Tiroler Freundin zum Faschingfeiern abzuholen. Dabei vergaß er, in der Tenne der eng zusammengebauten Häuserzeile eine Kerze zu löschen. Eingefallen ist es ihm erst, als er nach Stunden in Seefeld angekommen war. Er kehrte um und fuhr heim, ohne bei seiner Hochzeiterin eingekehrt zu sein. Trotzdem war es zu spät: Nicht nur sein Vaterhaus, sondern der ganze Untermarkt waren inzwischen Ruß und Asche.

"Damals machten die Mittenwalder das Gelübde, nie mehr am Agathentag Maschkera zu gehen", weiß Löffler. Und die traditionsbewussten Isartaler werden es auch heuer am Faschingsdienstag so halten. Verheerende Großbrände hat es am Untermarkt seither noch einige gegeben, doch keiner fiel mehr in die Faschingszeit.

Dass die "Fasinacht" in Mittenwald trotzdem nicht ganz untergeht, dafür will "Stern"-Wirtin Christl Veit sorgen. Um die heuer eher rückläufige Tradition des "Vorglühens" der Maschkera in den Wirtschaften wieder anzukurbeln, verspricht sie: "Bis Rosenmontag bekommt jeder der närrischen Mannder bei mir täglich von 20 bis 22 Uhr seine Halbe Bier für nur einen Euro."

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