Besuchte vergangenes Jahr im September den Landkreis: Bischof Walter Mixa bei der Segnung der renovierten Eschenloher Kirche St. Clemens, die zur Pfarreiengemeinschaft Murnau gehört. Foto: Archiv Herpen

Mixa sagt Truppenbesuch in Murnau ab

Murnau - Der umstrittene Augsburger Bischof Walter Mixa, der beim Papst seinen Rücktritt eingereicht hat, wird nicht nach Murnau kommen, um die Bundeswehr-Kaserne zu besuchen.

Eigentlich wollte der Oberhirte am 6. Mai in seiner Funktion als Militärbischof der Bundeswehr die Werdenfelser Kaserne besuchen, mit Soldaten ins Gespräch kommen und in der Pfarrkirche St. Nikolaus zusammen mit den Gläubigen einen Gottesdienst feiern. Doch daraus wird nichts. „Der Termin wurde abgesagt“, erklärte gestern auf Tagblatt-Nachfrage Marlene Beyel, Pressesprecherin des Katholischen Militärbischofsamts in Berlin. Der Grund: Mixa will auch sein Amt als oberster Seelsorger der Soldaten aufgeben. „Wir bedauern sehr, dass die Soldatinnen und Soldaten in dieser schwierigen Zeit keinen Militärbischof haben“, erklärt Beyel. Der Heilige Stuhl müsse einen Nachfolger benennen - wenn das Rücktrittsgesuch anngenommen wird. Mixas Rückzug erfolgte nach tagelangen Diskussionen um Misshandlungen von Heimkindern, die der Geistliche zunächst geleugnet und dann eingestanden hatte.

Dass aus dem hohen Besuch in der Murnauer Kaserne nichts wird, ist nach Ansicht von Marc Cremer, Pressesprecher des dort beheimateten Führungsunterstützungsbataillons 293, „sehr schade“. Es wäre für die Soldaten sehr wichtig gewesen, den Würdenträger einmal persönlich kennenzulernen. Die Seelsorge in der Truppe nehme einen hohen Stellenwert ein, vor allem mit Blick auf die Auslandseinsätze. Mixas Rücktritt wollte Cremer nicht kommentieren.

Die Kirchenbasis im Staffelsee-Gebiet atmet indessen auf und reagiert erleichtert auf den Abschied des Oberhirten, der in Glaubensfragen als Hardliner gilt. Der Tenor: Mixa habe sich mit seinen widersprüchlichen Aussagen zu den Vorwürfen unglaubwürdig gemacht, der Rücktritt sei nur konsequent. Zum Bistum Augsburg gehört ein Teil des nördlichen Landkreises Garmisch-Partenkirchen: die beiden Pfarreiengemeinschaften Murnau und Staffelsee.

„Der Rücktritt war längst überfällig. Das ist der einzig sinnvolle Schritt“, sagt Murnaus Pfarrer Helmut Enemoser. Mixa habe die Öffentlichkeit belogen. „Die Ohrfeigen sind passiert. Das sind körperliche Misshandlungen von Kindern.“ Im gleichen Sinne äußert sich sein Uffinger Amtskollege Robert Walter. Mixa hätte von Anfang an zu seinen Verfehlungen stehen müssen. Stattdessen habe er die Vertrauensbasis zerstört. Nun müsse ein „Neuanfang“ geschafft werden.

„Ich hoffe, es wird ein guter Nachfolger gefunden“, sagt Katharina Diener, die sich in Uffing als Vorsitzende des Pfarrgemeinderats engagiert. Entscheidend sei, dass dieser die „Belange der Basis wahrnimmt“. Dies sei Mixa nicht gelungen. „Er war mit dem Amt überfordert“, meint Diener. Der Murnauer Pfarrgemeinderatsvorsitzende Johannes Unterstein sieht es genauso. „Das Vertrauen war zu sehr beschädigt“, sagt er. Am meisten habe ihn das Taktieren des Augsburger Bischofs gestört. Ein Geistlicher müsse glaubwürdig und authentisch sein. „Dies ist bei Mixa verloren gegangen“, kritisiert Unterstein. Dieser Fall fördert in seinen Augen leider die Trennung von Kirche und Glaube. Dabei sei es enorm wichtig, diesen in der Gemeinschaft zu leben.

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