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Spürt manchmal auch Vorbehalte: Pater John Madubuko, hier beim Leonhardiritt in Froschhausen.

Manchmal gibt es auch Vorbehalte

Nach Morddrohungen in Zorneding: So empfinden unsere Pfarrer

Landkreis - Was in Zorneding passiert ist, beschäftigt auch die Geistlichen im Landkreis. Vor allem die mit anderer Nationalität. Sie sind geschockt von dem Vorfall. 

Die Morddrohungen gegen den kongolesischen Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende, der inzwischen die Gemeinde Zorneding verlassen hat, erschüttern auch die Menschen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. In den hiesigen Pfarreien gibt es ebenfalls katholische Geistliche, die eine andere Hautfarbe haben. Wie fühlen sie sich nach den äußerst unschönen Vorkommnissen im Raum Ebersberg?

„Ich bin zutiefst geschockt, dass so etwas passieren konnte“, erklärt Pfarrvikar Dr. Francis Pazhoora. Der Inder wirkt im Pfarrverband Zugspitze, der Garmisch, Burgrain und Grainau umfasst. Das Umfeld, in dem Ndjimbi-Tshiende arbeitete, ist im nicht unbekannt. Nach 17-jähriger akademischer Tätigkeit in Innsbruck führte Pazhooras Weg als Seelsorger in die Zornedinger Nachbargemeinde Kirchseeon/Eglharting, bevor er in der katholischen Gemeinde Schliersee und später sieben Jahre in St. Augustinus München-Ost, zugehörig zum Pfarrverband München-Trudering, wirkte. Er kann sich erinnern, dass die Arbeit in der Zornedinger Gemeinde „immer schon schwierig war“. Auch der Amtsvorgänger des kongolesischen Pfarrers, ein Deutscher, „klagte über Probleme“. Ndjimbi-Tshiende war der Inder bei Dekanatsbesprechungen begegnet, sonst kannte er ihn nicht näher.

Pfarrvikar Pazhoora: Schuld hat die Politik

Einen Großteil Schuld an den Vorkommnissen gibt der Garmischer Geistliche der Politik, „weil sie die Menschen über das sensible Thema Flüchtlinge nur einseitig informiert, Ängste und Wut so geschürt werden“. Die jetzt einsetzende Welle der Solidarität aus der Bevölkerung freut ihn natürlich und auch, dass es ihm in der Garmisch, Burgrain, Grainauer Gemeinde so gut geht. „Ich fühle mich akzeptiert, meine Arbeit macht mir großen Spaß.“ Eine Situation wie in Zorneding kann er sich im Werdenfels nicht vorstellen.

Vorsichtiger mit seinem Urteil ist Dr. John Madubuko aus Nigeria, Pfarrvikar im Pfarrverband Murnau. Nach seinem Studium in Bonn kam der 44-Jährige im September 2014 ins Blaue Land. Er fühlt sich zwar in seiner Gemeinde angenommen, spürt aber auch Vorbehalte. „Manche Gläubige brauchen eben etwas Zeit, sich mit einem Priester anzufreunden, der eine dunkle Hautfarbe hat, andere verschließen sich. Aber das ist normal“, versucht er Verständnis aufzubringen. Es gebe aber auch in seinem Alltag „grenzwertige Situationen“. Näher erläutern möchte er diese nicht. Zur Situation in Zorneding meint er, „dass so etwas nicht von heute auf morgen passiert“. Dass es tatsächlich so weit kommen konnte, macht ihn traurig. Jetzt freut er sich erst einmal auf seine Reise nach Nigeria, wo er in der Osterwoche seine Familie besucht. In Afrika, auf Heimaturlaub, weilt zurzeit auch der im Oberen Isartal tätige Pfarrvikar Dr. Gerald Njoku. Er stand für ein Gespräch deshalb nicht zur Verfügung.

Margot Schäfer

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