Nach Attacke am Rathausplatz: Gewalt im Nachtleben hält sich in Grenzen

Landkreis - Die brutale Attacke am Freitag überschattet das vergangene Party-Wochenende in Garmisch-Partenkirchen: Diese massive Gewalt ist bei Partys eine Ausnahme, doch Ausschreitungen halten die Polizei jedes Wochenende auf Trab.

Ein 33-jähriger Amerikaner hatte am Garmisch-Partenkirchner Rathausplatz dermaßen brutal auf sein am Boden liegendes, bewusstloses Opfer eingeschlagen, dass dieses mit schwersten Kopfverletzungen in die Unfallklinik Murnau gebracht werden musste. Ist diese drastische Art von Gewalt eine Ausnahme oder an der Tagesordnung im Nachtleben?

„Sowas gibt es hier normalerweise nie“, sagt Birgit Martin. Sie führt das Irish Pub am Rathausplatz. Dem kann sich Steffen Koch, dem der benachbarte John’s Club gehört, nur anschließen: „Es ist nicht nachvollziehbar, wie ein Mensch so ausrasten kann.“ Auch für Thomas Rappensberger von der Garmisch-Partenkirchner Polizei-Inspektion ist so ein Vorfall „die absolute Ausnahme“.

Und nach Meinung von Koch ist das Konfliktpotenzial nicht höher als schon vor 20 Jahren. Das sieht Martin anders: „Die Ausschreitungen haben in den vergangenen Monaten zugenommen.“ Nach 4 Uhr morgens komme es häufig zu Schlägereien.

Auch Pana Christakakis, Geschäftsführer vom Peaches am Marienplatz, hat festgestellt, dass die Gewaltbereitschaft zu fortschreitender Stunde steigt. „Je später der Abend, desto mehr Potenzial.“ Da er um 3 Uhr die Türen schließt, halten sich die Probleme bei ihm aber in Grenzen. „Bei 1500 Gästen, die wir pro Abend an Durchlaufverkehr haben, ist der Stress wirklich minimal.“

Doch der Marienplatz zählt ebenso wie der Rathausplatz bei der Polizei zu den bekannten Schauplätzen mit Konflikt-Potenzial. „Das sind schon die Haupt-Anlaufpunkte“, bestätigt Rappensberger. Nahezu jedes Wochenende gebe es im Zuständigkeitsbereich der Inspektion Streitigkeiten, „immer wieder kommt es auch zu Körperverletzungen“.

Seltener als in der Vergangenheit müssen seine Mittenwalder Kollegen ausrücken. „Bei uns war ewig nichts mehr. Wir haben kein Problem mit Gewalt“, sagt der derzeitige Polizei-Chef Hubert Hohenleitner. „Ruhige Verhältnisse“ herrschen vor allem, seitdem sich die Beamten öfter vor einem Nachtlokal an der Hochstraße sehen lassen, vor deren Tür es früher häufiger zu handfesten Streits gekommen war.

Mehr Präsenz zeigt auch die Murnauer Polizei vor einer Disko im Gewerbegebiet. Diese ist nach Angaben von Anton Rager von der Inspektion Murnau ein zentraler Einsatzort. Seiner Meinung nach nehmen die Vorfälle zu: „Gefühlsmäßig kommt es häufiger zu Streits, die Leute greifen schneller zu Gewalt.“

Janine Tokarski

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