Vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen wurde eine große Disko-Schlägerei aus dem Oktober 2007 verhandelt. Foto: dpa

Nach Disko-Schlägerei: Zwei Täter verurteilt

Garmisch-Partenkirchen - Ein 27- und ein 28-jähriger Garmisch-Partenkirchner werden nach einer Disko-Schlägerei zu Bewährungsstrafen verurteilt. Drei weitere Verdächtige spricht das Amtsgericht frei.

„Es war eine derartige Massenschlägerei, dass wir nur noch damit beschäftigt waren, Leute voneinander zu trennen und Namen zu notieren. Täter konnten wir bei diesem Chaos nicht ermitteln.“ Mit diesen Worten beschrieb ein Polizist vor dem Amtsgericht die wilde Rauferei vor einer Garmisch-Partenkirchner Diskothek, an der im Oktober 2007 15 bis 20 junge Männer beteiligt waren. Fünf von ihnen saßen nun vor Richter Paul Georg Pfluger. Allerdings wurden nach fünfstündiger Verhandlung nur zwei wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt, die anderen freigesprochen: Ein 27-Jähriger bekam ein Jahr, ein 28-Jähriger acht Monate Gefängnis, jeweils auf Bewährung.

Die Wahrheitsfindung über die wüste Auseinandersetzung war vor allem deshalb so schwierig, weil sie sich bereits vor zweieinhalb Jahren ereignet hatte - am 21. Oktober 2007 um 5 Uhr morgens. Weswegen die Angeklagten sich angeblich an fast nichts mehr erinnern konnten. „Früher zu verhandeln war aber leider nicht möglich“, sagte Staatsanwalt Konrad Veitenhansl, „weil einer der Verdächtigen ein Amerikaner ist und deshalb US-Dienststellen eingeschaltet werden mussten - das kostet viel Zeit.“ Das dauerte sogar so lange, dass der Mann, ein amerikanischer Soldat, nunmehr gar nicht mehr auf der Anklagebank saß - er ist unerreichbar irgendwo im fernen Amerika.

Die fünf beschuldigten Garmisch-Partenkirchner sollen seinerzeit erst mit anderen Gästen Streit begonnen haben und danach zur Sache gekommen sein: Der 27-Jährige habe zunächst einen Mann angesprungen und in den Schwitzkasten genommen. Als dann ein anderer helfen wollte, sei dieser umgeworfen und von den anderen vier Angeklagten getreten worden. Abschließend soll er auch noch von dem 27-Jährigen die Faust ins Gesicht zu bekommen haben, woraufhin seine Nase brach. Draußen vor dem Etablissement ging’s dann unverdrossen weiter: Der vorher schon Malträtierte sei von allen fünf Angeklagten dort erneut niedergeschlagen und von dem 27-Jährigen und seinem 28-jährigen Kumpel mit Fäusten und Füßen bearbeitet worden. Die Folge: eine Gehirnerschütterung und Schürfwunden.

Von den beiden Hauptangeklagten war jedoch nur der jüngere geständig. Der 28-Jährige bestritt die Tat: „Diesen Schuh ziehe ich mir nicht an“, sagte er. Die übrigen Beteiligten wiederum gaben an, sich schlichtend betätigt haben. Einer von ihnen wollte die Schuld gar anderen Männern in die Schuhe schieben, die längst geflüchtet waren, als schließlich die Polizei am Ort des Geschehens eintraf: „Eine Gruppe Österreicher hat geschlägert und ist danach abgehauen“, sagte er.

Trotz der Vernehmung von insgesamt neun Zeugen und drei Polizeibeamtem konnte nur die Schuld des geständigen 27-Jährigen nachgewiesen werden. Die Täterschaft seines 28-jährigen Spezis stufte der Richter aufgrund des Polizeiprotokolls sowie der Zeugenbefragung, die sich nicht mehr so recht daran erinnern wollten, lediglich als wahrscheinlich ein. Ihn verurteilte Pfluger deshalb zu acht Monaten, zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, und einer Geldstrafe von 3000 Euro, zu zahlen an die Caritas. Der geständige Schläger erhielt zwölf Monate, auf drei Jahre ausgesetzt. Zudem muss er an sein Opfer 2000 Euro Schmerzensgeld zahlen. (wk)

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