Nach dem Missbrauchsskandal: Kloster Ettal entschädigt auch bei verjährten Taten

Ettal - In intensiven Gesprächen bei der Aufarbeitung und Entschädigung der Fälle von Gewalt und sexuellem Missbrauch im Kloster Ettal befinden sich Vertreter der Abtei und Opfer.

Am Dienstag gaben die Abtei und der Verein der Ettaler Missbrauchsopfer eine gemeinsame Presseerklärung heraus, in der sie den inzwischen in Gang gekommenen Dialog herausstellten. Es sei in den vergangenen Wochen von beiden Seiten, heißt es darin, viel Grundlagenarbeit geleistet worden, die schon erste Früchte getragen habe. Michael Müller, Pressesprecher des Klosters, bestätigte gegenüber dem Münchner Merkur, dass man sich mit einzelnen Missbrauchs- und Gewaltopfern hinsichtlich einer Entschädigung für die begangenen Taten bereits geeinigt habe.

In Gesprächen kamen Vertreter der Ordensgemeinschaft sowie Betroffene überein, den Prozess der Aufarbeitung und Entschädigung im Rahmen des „modifizierten Täter-Opfer-Ausgleichs“ zu vollziehen, das heißt unter Hinzuziehung von professionellen, fachkundigen und unabhängigen Mediatoren. Im Falle von Ettal sind dies Ulrike Leimig und Jörg Puls von der „Nothilfe Birgitta Wolf e.V.“ in Murnau. Auch die Opferhilfeorganisation Weißer Ring und deren regionale Vertreterin Angelika Neugebauer (Bad Bayersoien) waren und sind nach wie vor intensiv in das umfangreiche Hilfskonzept des Klosters mit eingebunden.

Als „Zeichen des Respekts“, wie in der Pressemitteilung weiter ausgeführt, habe inzwischen das Kloster dem Verein der Ettaler Missbrauchsopfer als Unterstützung eine Spende zukommen lassen. Dabei soll es sich um einen Betrag in fünfstelliger Höhe handeln. Dieser Teil der von den Geschehnissen in Ettal Betroffenen wurde bisher von der Münchner Rechtsanwaltskanzlei Lang und Kollegen vertreten.

Die Gespräche zwischen der Leitung der Benediktinerabtei und den Opfern haben auch dazu geführt, den Dialog künftig „ohne direkte anwaltliche Beteiligung“ fortzusetzen. Im Klartext: Die juristischen Berater ziehen sich zurück, was Stephan Lang bestätigt: „Das ist jetzt auch nicht mehr unbedingt nötig. Bei Bedarf stehen wir aber zur Verfügung.“

Ettals Pressesprecher Michael Müller betonte, dass das Kloster bereit sei, auch bereits rechtlich verjährte Taten zu entschädigen. In welcher (auch materieller) Form dies passiere, da wolle man erst das Ergebnis der Verhandlungen der deutschen Bischofskonferenz abwarten, um hier nicht mit einer eigenen Regelung vorzupreschen. Unmittelbar notwendige Hilfe werde aber, wenn es geboten sei, schnell gewährleistet.

Ludwig Hutter

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