Neonazi-Gegner sehen sich Attacken ausgesetzt

In der Region Murnau kursieren Flugblätter, auf denen örtliche Neonazi-Gegner an den Pranger gestellt werden. Die Polizei geht davon aus, dass Rechtsextremisten dahinter stecken.

Die Polizei ermittelt nun wegen des Verdachts auf üble Nachrede oder Verleumdung.

"Achtung, Ihr Nachbar ist ein Linksextremist" steht in großen Lettern auf einem der Flugblätter, das dem Tagblatt vorliegt. Genannt werden Name, Adresse, Telefonnummer, aber auch Porträtfotos sind auf dem Pamphlet abgebildet, das vor kurzem in einem Dorf bei Murnau verteilt wurde. Die Autoren, die sich als "anständige und unbescholtene Bürger" hinstellen, hetzen: "Wir werden das Oberland nicht den Feinden unseres Volkes überlassen!" Ein Betroffener, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, um seine Familie zu schützen, wird in dem Flugblatt als "unbelehrbarer Kommunist und Deutschenhasser" beschimpft. Er war bereits vorher Opfer einer Attacke geworden: Unbekannte hatten sein Elternhaus mit Farbeiern beworfen. Der junge Mann ist Mitglied der "Linken" und engagiert sich beim "Werdenfelser Bündnis". Er erklärt offen: "Ich fühle mich bedroht."

Die Angriffe ließ er indes nicht unkommentiert stehen. Er verteilte in seiner Nachbarschaft eine "Gegendarstellung". Darin verwahrt er sich gegen den Vorwurf, "Linksextremist" und "Deutschenhasser" zu. Die Flugblätter sind nicht namentlich gekennzeichnet, allerdings wird darauf auf eine Internet-Seite der "Anti-Antifa" verwiesen. Dahinter stecken Neonazis, die auch im Netz ihre Attacken gegen Gegner fahren.

"Diese Gruppe ruft selbst zu Straftaten auf, verletzt Persönlichkeitsrechte und gilt als ausländerfeindlich, antisemitisch, antidemokratisch, kurz: rechtsextremistisch", erklärt der Betroffene. "Sie macht sich selbst lächerlich, weil sie mich als politisch legal arbeitenden Menschen zum Extremisten machen, während sie selbst politisch motivierte Straftaten begeht."

Er ist jedoch nicht der einzige, den die Flugblattschreiber attackieren. Nach Angaben von Murnaus Polizei-Chef Joachim Loy gibt es weitere derartige Pamphlete, die sich gegen zwei Personen aus dem nördlichen Landkreis richten und zum Teil in deren direkter Nachbarschaft verteilt wurden. Man ermittle, erklärt Loy. "Bisher haben wir aber noch keine heiße Spur."

Unter den "Zielpersonen", die auf der neonazistischen Internetseite verbal angegangen werden, befinden sich weitere Mitglieder des Werdenfelser Bündnisses gegen Rechts - wie Sprecher Manfred Neupfleger. Er hat seinen Anwalt eingeschaltet.

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion