Soll Austragungsort für Biathlon- und Langlaufwettbewerbe sein: das Gelände des Staatsgestüts Schwaiganger. Foto: sehr

Neue Olympia-Pläne: Stimmung gespalten

Ohlstadt - Der „Plan B" der Bewerbungsgesellschaft für Olympia 2018, der das Gestüt Schwaiganger als Austragungsort für Wettkämpfe vorsieht, ruft gemischte Gefühle hervor.

Erst dachte so manch ein Ohlstädter an einen Aprilscherz. Doch jetzt wurde in München offiziell bestätigt, was bereits am Freitag durchgesickert war: Die Olympia-Bewerber ziehen eine Alternativ-Planung aus der Schublade. Wegen der massiven Widerstände von Grundbesitzern in Oberammergau sollen die Biathlon- und Langlauf-Wettbewerbe nicht im Ammertal, sondern auf dem Gelände des Haupt- und Landgestüts Schwaiganger stattfinden. Das weitläufige Areal liegt auf Ohlstadts Flur. Die Vorteile: Die Vorzeige-Einrichtung zur Pferdezucht gehört dem Freistaat, die Verkehrsanbindung mit der Autobahn vor der „Haustüre“ wäre ideal.

Die Stimmung im Dorf und in den umliegenden Gemeinden ist gespalten: Befürworter erhoffen sich von dem Mega-Event kräftige Investitionen und Impulse für die regionale Wirtschaft. Kritiker befürchten Umweltschäden und eine gewaltige Verkehrsbelastung.

Aus den Reihen der Ohlstädter Lokalpolitik waren überwiegend positive Stimmen zu vernehmen. Die Volksvertreter waren überrascht von dem plötzlichen Kurswechsel der Bewerbungsgesellschaft - damit hatte niemand gerechnet. „Olympia würde einen Aufschwung für die Wirtschaft und den Fremdenverkehr bringen“, meint Bürgermeister Anton Fischer (NLO). Natürlich müsse gewährleistet sein, dass - im Falle eines Zuschlags - alle Bauvorhaben „landschaftsverträglich“ umgesetzt werden. Zweiter Bürgermeister Michael Strauß (Parteifrei) spricht ebenfalls von einer „großartigen Sache“. Jedoch müsse darauf geachtet werden, dass der Freistaat im gleichen Umfang wie in Oberammergau Zugeständnisse macht. Dazu zähle die Garantie, das Gestüt zu erhalten und die Flächen nach den Wettbewerben wiederherzustellen. „Der Freistaat darf sich nicht aus seiner Verantwortung stehlen“, betont Strauß.

Rückendeckung erhalten Ohlstadts Politiker aus der Nachbargemeinde Großweil. Der Ort müsste wohl aufgrund seiner Autobahnanbindung und der verkehrsgünstigen Lage einen Großteil der Blechlawine bewältigen, wenn tausende Besucher zu den Sportstätten nach Schwaiganger wollen. Trotzdem erhofft sich Bürgermeister Manfred Sporer (CSU) von dem Ereignis „positive Effekte“ - für „seinen“ Ort und die gesamte Region. Die Verkehrsbelastung wäre zu verkraften, da sie nur einige Wochen bestehen würde.

Doch das neue Konzept stößt auch auf Kritik. Olympia in Schwaiganger - das wäre ein „riesiger finanzieller Aufwand und ein riesiger Eingriff in die Natur“, warnt Veronika Jones, Kreischefin der Bündnisgrünen, die in Ohlstadt lebt. „Die Bewohner müssten jahrelang auf einer Baustelle leben. Das ist der Wahnsinn“, sagt sie. An den erhofften Profit für den Tourismus glaubt sie nicht. Jones spricht sich dafür aus, für die Langlauf- und Biathlon-Wettkämpfe die vorhandenen Anlagen in Ruhpolding zu nutzen. Die Frage, ob sie wie ihr Oberammergauer Parteifreund Korbinian Freier eine Protestaktion startet, lässt Jones offen: „Mal schaun.“

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