Zahlreiche Zuschauer kommen per Bahn vom Halt Kainzenbad ins Olympia-Skistadion. foto: sehr

Neuer Bahnhof am Skistadion?

Garmisch-Partenkirchen - Die Ausnahmegenehmigung für alten Haltepunkt Kainzenbad ist wohl letztmals erteilt worden. Viele offene Fragen zur Zukunft sind offen.

Es gibt zwei Tage im Jahr, an denen der alte Bahnhof Kainzenbad zum Leben erwacht: der erste und der letzte. Nicht ohne Grund: Über den Jahreswechsel blickt die Wintersport-Welt aufs Olympia-Skistadion. Im Zeiten deutscher Skisprung-Erfolge wie heuer strömen bis zu 20 000 Fans am 1. Januar in die historische Freiluft-Arena. Nicht wenige nutzen die Chance, das Auto stehen lassen zu können. Sie reisen mit dem Zug an - bis 100 Meter vor den Eingang. Michael Maurer, Präsident des Neujahrsspringens, geht sogar von fast 50 Prozent aus, die diesen komfortablen Weg wählen. Vor allem auch, da die Parkmöglichkeiten in der Nähe in den vergangenen Jahren drastisch reduziert wurden. Doch: Es gibt Schwierigkeiten mit dem Haltepunkt. Er soll endgültig geschlossen werden - ohne Sonderregelungen. Dafür existieren Überlegungen, sogar einen neuen Bahnhalt nur wenige Meter weiter südostlich zu bauen. Noch aber ist alles in der Schwebe.

Der Stein des Anstoßes war der Unfall am Bahnübergang Wildenauer Straße mit einem Lkw im vergangenen Jahr. Der brachte Schäden an der technischen Anlage mit sich. „Die Beleuchtung genügte bisher schon nicht mehr den Ansprüchen“, durch den Unfall sei sie nun „komplett ausgefallen“, verrät Martin Bader, Sprecher im Rathaus Garmisch-Partenkirchen. Zusätzlich sei der Bahnsteig zu kurz, der Halt nicht behindertengerecht. Mankos, die nicht wegdiskutiert werden können.

„Wir sind in einer Zwangslage“, betont Franz Lindemair, Sprecher der Deutschen Bahn. Der Sonderhalt für das Springen 2015/16 wurde ausnahmsweise noch einmal genehmigt, weil die Veranstalter für eine temporäre Ausleuchtung der Anlage sorgen. Für die Zukunft aber sieht es erst einmal düster aus. Das bestätigt Lindemair: „Es muss sich etwas ändern.“

Daher nahm die Bahn im vergangenen Jahr bereits die Gespräche mit der Gemeinde auf. Das erste Angebot: „Die Deutsche Bahn bietet gegen eine fünf- bis sechsstellige Summe an, diese Haltestelle für das Neujahrsskispringen zu sanieren und weiterhin als Bedarfshalt aufrechtzuerhalten“, erläutert Bader. Darauf aber ging der Markt nicht ein. Alleine will er nicht zahlen. Im Rahmen des Austauschs kamen die Beteiligten auf „die Idee, nicht mehr an heutiger Stelle zu investieren, sondern den Haltepunkt zu verlegen und neu zu bauen“, sagt Lindemair. Möglicherweise als dauerhafte Lösung, will heißen als regulärer Bahnhof. „Es müsste natürlich geprüft werden, ob sich ein Ganzjahreshalt lohnt, aber Potenzial wäre wohl da“, meint Lindemair. Er verweist auf das Klinikum oder touristische Anziehungspunkte wie Skistadion, Schanze und Partnachklamm.

Ein Ansatz, der in der Gemeinde positiv aufgenommen wurde. „Der Markt hat natürlich ein grundsätzliches Interesse, dass dieser Halt nicht aufgegeben wird und würde es bedauern, wenn in den Folgejahren keine Lösung gefunden werden könnte“, betont Bader. Die Verwaltung könne es sich durchaus vorstellen, den Standort „für eine weitreichendere touristische Nutzung des Areals“ auszubauen und vermehrt zu nutzen.

Allerdings müsse man das Thema Bahnhalt auch in der Gesamt-Thematik Olympia-Skistadion sehen. Die Verwaltung plant bekanntlich eine Sanierung des Bestands ab, wozu die Fördermöglichkeiten jedoch noch nicht ausreichend ausgelotet sind. „Daher streben wir ein städtebauliches Entwicklungskonzept für den gesamten Bereich an“, stellt Bader klar. Und im Rahmen dessen sei auch die von Lindemair bereits ins Spiel gebrachte Verschiebung des Bahnhalts denkbar.

Freie Hand hat die Gemeinde in dieser Sache allerdings nicht. Das hebt der Bahnsprecher hervor. „Als Dritter kommt der Träger des Schienennetzes, die Bayerische Eisenbahn-Gesellschaft hinzu“, klärt er auf. Diese ist dem Innenministerium angegliedert und bestellt bei der Deutschen Bahn die Zugleistungen wie auch Bahnhalte. „Gespräche hat es über den Fall Kainzenbad bereits gegeben, sehr weit sind sie allerdings noch nicht gediehen“, sagt Lindemair. Hinsichtlich eines komplett neuen Haltepunkts gebe es „noch sehr viele offene Fragen“ - speziell wohl in puncto Rentabilität. Für das Springen 2017 könnte es also eng werden. Denn: Solange alles in der Schwebe ist, so Bader, „bietet sich nach unserer Ansicht eine Sanierung des bestehenden Haltes nicht an.“

Christian Fellner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bergbahn-Einbrecher auf frischer Tat gefasst
Innsbruck/Landkreis - Zahlreiche Bergbahnen, darunter auch vier im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, sind 2016 Ziel einer überregional agierenden Einbrecherbande …
Bergbahn-Einbrecher auf frischer Tat gefasst

Kommentare