Neue Regelung ab 1. Juli

Ein Bärendienst für die Müll-Moral?

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Landkreis - Der geplante Umstieg auf den Volumen-Tarif im Müllsystem ist Bruno Engler ein Dorn im Auge. Der Umweltschützer hält die nue Abrechnung für kontraproduktiv.

Würde der Landkreis einen Umweltpreis für den besten Müllvermeider vergeben, Bruno Engler hätte beste Chancen, ihn zu bekommen. Denn der 69-jährige Rentner ist ein Überzeugungstäter: Er produziert so wenig Abfall wie möglich – und wenn, dann entsorgt er diesen äußerst gewissenhaft. Die Folge: Engler, der mit seiner Familie in einem Haus in Ohlstadt wohnt, verursacht so gut wie keinen Restmüll.

Das neue Müllsystem, das der Kreis heuer zum 1. Juli in allen Gemeinden (mit Ausnahme des Marktes Garmisch-Partenkirchen) einführt, ist ihm daher ein Dorn im Auge. Denn der damit verbundene Umstieg vom bisherigen Verwiege- auf den Volumen-Tarif ist seiner Ansicht nach „ungerecht“, weil all diejenigen bestraft würden, die die Überreste des Haushalts strikt trennten und gering hielten. „Mit dem bisherigen Restmüll-Wiegesystem sollten die Bürger bewusst zur Mülltrennung, Müllvermeidung angehalten werden. Das neue Müllsystem geht genau in die entgegengesetzte Richtung“, ärgert sich Engler. Er befürchtet, dass künftig die Tonnen gedankenlos vollgestopft werden, weil man ohnehin dafür bezahlt hat. Und Plastik, prophezeit er, werde dann nicht mehr so gründlich für die dafür vorgesehenen Gelben Säcke aussortiert.

„Ich bin der Meinung, die Umwelt muss geschont werden“, fasst der Ohlstädter seine Überzeugung zusammen. Er hat ein ausgeklügeltes System entwickelt, das sein Aufkommen an Restmüll gegen Null laufen lässt. „Im letzten Jahr hatte ich gar nichts“, erinnert sich Engler. Alles Organische wie etwa Küchenabfälle wird bei ihm kompostiert. Wertstoffe und Sonderabfälle, von der Dose bis zum Bauschutt, bringt er zu den Deponien und Wertstoffhöfen. Und etliche Verpackungen lässt Engler gleich im Supermarkt zurück.

Landratsamt läutet neues Müllzeitalter ein

Dieser Eifer führt dazu, dass der Rentner bislang beim Restmüll meistens nur die Grundgebühr bezahlte: 160 Euro pro Jahr. Künftig werden es für den kleinsten Behälter mit einem Fassungsvermögen von 80 Litern 186 Euro (bei Eigenkompostierung) sein – auch wenn dieser leer bleibt. Engler geht es nicht um die paar Euro Mehrbelastung, sondern ums Prinzip. Am liebsten hätte er als Kompromiss einen kleineren 40-Liter-Einsatz. Doch diesen Wunsch kann ihm das Landratsamt nicht erfüllen – obwohl sich Engler schriftlich an die Behörde gewandt hat. Besonders wurmt es den Schreiner- und Drechslermeister, dass sich die Bewohner eines Mehrparteienhauses, zumindest theoretisch, künftig eine 80-Liter-Tonne teilen können – und das Gleiche zahlen müssen wie ein Ein-Personen-Haushalt. „Ich denke, hier haben Ihre Mitarbeiter-Müllexperten ihre Hausaufgaben nicht ordentlich gemacht“, kritisiert der Handwerker in einem Schreiben das Landratsamt.

Doch dieses verteidigt die Entscheidung, ein neues Müllzeitalter – jetzt im Frühling werden schon mal die Tonnen ausgetauscht – einzuläuten. Der landkreisweite Umstieg auf den Volumen-Tarif, nach dem bereits im Kreisort abgerechnet wird, bringt nach Behördenmeinung eine Reihe von Vorteilen mit sich. Dazu zählten, so Pressesprecher Stephan Scharf auf Nachfrage, die Anpassung an das Gebührenmodell des Marktes Garmisch-Partenkirchen, stabile Einnahmen, eine stärkere Beteiligung der Gewerbebetriebe an den Gesamtkosten sowie die Abschaffung der fehleranfälligen und kostenintensiven Wiegetechnik. Außerdem hofft man, die illegale Müllentsorgung, zu der die Verwiegung verleitet, einzudämmen.

Englers 40-Liter-Einsatz macht nach Einschätzung der Kreisbehörde aus kalkulatorischen Gründen wenig Sinn. Und seine zentrale Befürchtung, die Müll-Moral könnte leiden, wird auch nicht geteilt. Dazu Scharf: „Das Bewusstsein bei den Bürgern, Wertstoffe aus dem Hausmüll zu trennen, konnte in der Zeit der Verwiegung gestärkt werden, so dass auch künftig die gesetzlich bestehende Pflicht zur Mülltrennung – auch ohne finanzielle Anreize – vor allem der Umwelt zuliebe beachtet wird.“

Rubriklistenbild: © dpa

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