Neunjährige wochenlang gequält: Murnauer verurteilt

Landkreis - Schläge und Tritte für ein kleines Mädchen: Ein Murnauer (40) muss wegen Kindesmisshandelung in Haft. Er zeigt keinerlei Reue.

Vor dem Garmisch-Partenkirchner Schöffengericht musste sich ein Mann verantworten, der einer Neunjährigen des Leben zur Hölle gemacht hat. Mit auf der Anklagebank saß seine ehemalige Lebensgefährtin (33). Die Murnauerin war 2010 mit ihrer Tochter bei dem 40-Jährigen eingezogen. Zu dritt lebten sie auf engen 25 Quadratmetern und teilten sich auch ein Bett. Nähe, die für die Neunjährige wohl unerträglich war. Denn in der Zeit vom 13. September bis 18. November 2010 musste das Mädchen, wie Staatsanwalt Dr. Erik Sommer erklärte, Schlimmes durchmachen. Der Ankläger warf dem heute getrennt lebenden Paar verschiedene Misshandlungen vor: Sie sollen der Neunjährigen mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Als sie ihnen nicht gleich in die Augen blicken wollte, wurde dem Kind der Unterkiefer zusammengedrückt, um den Kopf nach oben zu bewegen. Auch soll der Mann sie grundlos auf den Boden geworfen, ans Schienbein getreten und in den Hinter gezwickt haben. Nachts, wenn sie aus Sehnsucht nach ihrem eigenen Vater weinen musste, wurde ihr ein Kissen auf den Kopf gedrückt. Die Brutalitäten führten dazu, dass der Körper des kleinen Mädchens voller blauer Flecken war - was wiederum den Lehrern in ihrer Schule auffiel. Polizei und Jugendamt wurden eingeschaltet.

Was der Murnauer vor Gericht zu seiner Verteidigung zu sagen hatte, war denkbar schwach: Für fast alle Vorwürfe hatte er seine eigenen Erklärungen. Zusammen mit der Frau bezeichnete er das Kind zudem als gute Schauspielerin und redete die vielen blauen Flecken schön.

Unberührt davon verhängte das Schöffengericht wegen Misshandlung Schutzbefohlener und gefährlicher Körperverletzung für den Mann zwei Jahre und drei Monate Haft und für die Frau lediglich wegen Misshandlung Schutzbefohlener acht Monate Bewährungsstrafe, obendrein 80 Sozialstunden.

„Das Kind wurde von beiden Angeklagten gequält“, sagte Vorsitzender Richter Stefan Lindig. Sie hätten ein lang andauerndes Klima der Angst für das Mädchen geschaffen. Zudem habe der Mann nicht einmal sein Bedauern über seine Verfehlungen geäußert. Rechtsanwalt Zoepf will, wie er nach dem Urteil ankündigte, Rechtsmittel einlegen.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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