Die Oberammergauer Angst vor Olympia

Oberammergau - In Oberammergau sind Spieltage. Die Winter-Spiele 2018 sind kaum ein Thema, obwohl der Ort wohl nicht mehr Teil der Münchner Olympia-Bewerbung ist. Enttäuschung auf der einen, Erleichterung auf der anderen Seite ist zu hören.

Arno Nunn hatte gestern ein Kontrastprogramm. Während wieder tausende Gäste im Oberammergauer Passionstheater die Geschichte von Leiden und Sterben Jesu miterleben, steht der parteifreie Bürgermeister im Abstimmungslokal. Es ist der Sonntag des Volksentscheids über den Nichtraucherschutz. Ein bisserl Alltag nach den Turbulenzen der vergangenen Tage.

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Der Höhepunkt war der Freitag. Erst erhielt Nunn 773 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen Olympia, fast doppelt so viele wie nötig, und dann wurde auch noch öffentlich, wer seine Gemeinde als Teil Olympia-Bewerbung ablösen soll: das staatliche Gestüt Schwaiganger, jeweils gut 25 Kilometer von Oberammergau oder Garmisch-Partenkirchen entfernt. Bis zuletzt hatte Nunn noch versucht, mit den Fachleuten der Münchner Bewerbungsgesellschaft 190 Grundstücksbesitzer zu überzeugen, dass sie ihr Land an den Romanshöhen für die Biathlon- und Langlauf-Wettbewerbe bei möglichen Winterspielen 2018 bereitstellen. Es ist nicht gelungen. „Fakt ist, dass viele nicht unterschrieben haben“, räumt Nunn ein, obwohl ihnen ein Vertrag mit umfangreichen Garantien vorlag. „Es ist schade, dass trotzdem kein Vertrauen da ist“, meint er.

Ein letztes Mal wird die Bewerbungsgesellschaft heute mit der Gemeinde Bilanz ziehen, wie viele und welche Flächen zur Verfügung stehen, doch es sieht schlecht aus für den Ort. „Wir haben von Anfang an gewusst, dass das in Oberammergau nicht leicht wird“, betont Jürgen Bühl, der Prokurist der Bewerbungsgesellschaft. Deswegen habe die sich schon früh nach Alternativen umgesehen. „Das haben wir auch immer offen gesagt.“

Offiziell bestätigen will Bühl nicht, dass „Plan B“ zum Tragen kommen wird. Ruhpolding, Oberstdorf oder Bodenmais, die immer wieder ins Feld gezogen werden, konnten es nicht werden: Dagegen steht der Beschluss des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB); und das Beispiel von Mitbewerber Annecy in Frankreich zeigt, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu viele Standorte nicht akzeptiert. Die Zeit drängt. Das bedauert auch Bürgermeister Nunn. Mit einem Jahr mehr Zeit hätte die Gemeinde die Chancen und Möglichkeiten durch die Spiele stärker herausarbeiten können. Doch schon morgen in einem Jahr werden in Südafrika die Spiele 2018 vergeben. So siegten bei vielen die Ängste und Befürchtungen für das Dorf.

„Da ist vieles tot diskutiert worden“, meint Nunn und denkt etwa an die Debatte, ob die Kläranlage so viele Leute im Ort bewältige. Die Verwaltung habe sich auf die Eigentümer konzentriert, um ihnen „unsere Wertschätzung zu vermitteln“. Das Bürgerbegehren nimmt zudem all jene Grundstücksbesitzer in Schutz, die die Flächen nicht hergeben wollten. „Es ist sehr gut, dass das jetzt nicht die Buhmänner sind, sondern dass der Protest auf breiten Schultern getragen wird“, meint Korbinian Freier, der Sprecher der Bürgerinitiative. Er berichtet von vielen positiven Rückmeldungen auf die Unterschriftenaktion - und den Rückzug aus Oberammergau.

Arno Nunn hofft weiter auf einen Zuschlag für die deutsche Bewerbung - auch mit dem Gestüt Schwaiganger. „Wichtig ist, dass die Gesamtbewerbung nicht leidet, denn von den Spielen profitiert die ganze Region“, sagt er, „und damit sicher auch wir.“

Von Matthias Holzapfel

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