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Rückstau bis nach Partenkirchen: Wenn der Verkehr Richtung Norden in Oberau zum Stocken kommt, reicht der Stau bis in die Marktgemeinde hinein. Tunnel sollen das Verkehrs-Chaos endlich beheben.

Oberau: Anwohner können Tunnel kaum erwarten

Oberau - Smog, Lärm, Stau: Das Nadelöhr B 2 macht den Weg Richtung Garmisch-Partenkirchen zur Geduldsprobe. Die Autos sollen endlich durch den Berg rollen. Die Anwohner können es kaum erwarten.

Oberau – Die schalldichten Fenster von Heinz Scheller sind fest verschlossen – auch im Sommer. Der 72-Jährige lebt in Oberau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) höchsten vier Meter von der B 2 entfernt, die den Ort in zwei Hälften zerschneidet. Bis zu 35 000 Autos fahren an Schellers Haustür vorbei – Tag für Tag. Der zähe Stau bringt Lärm, Dreck und Ruß in die kleine Gemeinde. „Ich habe einen wunderschönen Balkon mit Blick auf die Zugspitze“, erzählt Scheller. Doch draußen sitzen, „das ist völlig unmöglich“.

Noch – denn in ein paar Jahren könnte sich die lang ersehnte Stille über den Ort legen. Oberau liegt auf der Strecke zwischen München und Garmisch-Partenkirchen, ist das Nadelöhr auf dem Weg in die Berge. Rechtzeitig vor Olympia 2018, vielleicht schon im Jahr 2015, soll die unterirdische West-Umfahrung fertig sein (siehe Kasten). Der Tunnel ist einer von insgesamt fünf, die den Dauer-Stau Richtung Süden beheben sollen. Dann kann Heinz Scheller auch endlich auf seinem Balkon sitzen. Doch was ist, wenn Olympia 2018 nicht nach Bayern kommt?

„Für die Westumfahrung spielt das keine Rolle“, glaubt Oberaus Bürgermeister Peter Imminger (CSU). Die Belastung, der Druck sei einfach zu groß. Feinstaub, Smog, Krankheiten, Verschmutzung, schwere Unfälle – „Schon mein Vater hat in den 70er Jahren für eine Umfahrung gekämpft“, sagt Josef Bobinger, dessen Haus zehn Meter von der Straße entfernt steht. 40 Jahre ist das jetzt her. „Wir waren noch nie so nah dran an einer Lösung.“

Wird der Stau in Oberau aufgelöst, könnte sich das Problem nach Garmisch-Partenkirchen verlagern. „Je schneller man zu uns kommt, desto besser“, scherzt Bürgermeister Thomas Schmid. In Wahrheit verdankt er seine gute Laune aber dem geplanten Kramertunnel unter dem gleichnamigen Berg. „Wenn der steht, haben wir das Problem nicht“, sagt Schmid. Noch ist die Finanzierung nicht gesichert, doch das sei nur eine Frage der Zeit.

Keine Frage der Zeit, sondern wohl eher eine olympische Frage ist der Auerbergtunnel ab Eschenlohe. Oberaus Bürgermeister Imminger glaubt nicht daran, dass die Röhre auch ohne die Spiele 2018 gebaut würde. Für den Balkon von Heinz Scheller spielt das keine Rolle. Für die Naturschützer aber schon.

Axel Doering vom Bund Naturschutz hat ein grundsätzliches Problem mit der Verkehrspolitik. „Zu wenig Schiene, zu viel Straße“, findet der Kreisvorsitzende von Garmisch-Partenkirchen. Je besser die Infrastruktur sei, desto mehr Menschen würden die Straßen auch nutzen. In Wahrheit werde der Verkehr durch die Tunnel also nicht weniger, sondern mehr.

Josef Bobinger aber sehnt sich nach dem Tunnel, vor allem nach dem im Westen Oberaus. Damit endlich Ruhe einkehrt in seinem Heim. Seine Eltern, erzählt er, hätten sich schon vor Jahren eine Schallschutzwand vor das Haus gebaut.

Thomas Schmidt

Fünf Röhren für die Fahrt in den Süden

Ab Eschenlohe wird die A 95 zur B 2 – von hier an geht es nur noch zäh weiter bis nach Garmisch-Partenkirchen. Es sind nur 15 Kilometer, doch die können Autofahrer in den Wahnsinn treiben. Fünf Tunnel sollen den Dauer-Stau auflösen:

-Auerbergtunnel: Die rund 1,9 Kilometer lange Röhre von Eschenlohe bis Oberau soll über 100 Millionen Euro kosten. Im Herbst 2013 könnte der Bau beginnen, Mitte 2017 wäre der Tunnel dann fertig.

-West-Umfahrung Oberau: Direkt im Anschluss an den Auerbergtunnel soll der Verkehr 2,9 Kilometer weit unterirdisch an Oberau vorbei geführt werden. Mit der Fertigstellung ist frühestens 2015 zu rechnen. Geschätzte Kosten: 137 Millionen Euro.

-Farchanter Tunnel: Hinter Oberau fahren die Autos durch die 2,4 Kilometer lange Röhre, die bereits im Mai 2000 freigegeben wurde. Er ist der einzige der fünf Tunnel, der schon fertig ist.

-Kramertunnel: 5,8 Kilometer lang und 133 Millionen Euro teuer. Baurecht für den Tunnel besteht bereits. Laut dem Garmisch-Partenkirchner Bürgermeister Thomas Schmid könnte, „wenn alles gut läuft“, noch heuer mit dem Bau begonnen werden.

-Wanktunnel: Die Planungen für die Strecke unter dem Partenkirchner Sonnenberg begannen im Herbst. Auf konkrete Ergebnisse müssen die Verkehrs-Geplagten aber noch etwas warten.

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