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Großaufgebot: Zum Gaufest in Partenkirchen kamen heuer im Sommer tausende Trachtler. Doch viele schwänzten dem Vernehmen nach den Gottesdienst – sehr zum Missfallen der Oberländer Trachtenvereinigung.

Trend bei großen Festlichkeiten

Junge Trachtler schwänzen Gottesdienste

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Landkreis - In der Oberländer Trachtenvereinigung herrscht dicke Luft. Der Grund: Vor allem unter den jüngeren Mitgliedern ist es offenbar in Mode gekommen, bei den großen Festlichkeiten die Gottesdienste zu schwänzen – und stattdessen Gaudi zu machen. Die Spitzenvertreter sind alarmiert.

Hans Jais, Gaupressewart der rund 8000 Mitglieder starken Oberländer Trachtenvereinigung, nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn ihm etwas nicht passt. Und mit einer Entwicklung in der heimischen Brautumspflege ist der Eschenloher überhaupt nicht einverstanden: Es scheint mittlerweile ein regelrechter Volkssport zu sein, sich bei den großen Trachtler-Treffen vor der Heiligen Messe zu drücken – obwohl diese eigentlich neben den Umzügen zum Pflichtprogramm zählt. Für Jais ist das keine Lappalie, sondern eine ernstzunehmende Bedrohung der ganzen Bewegung, denn: „Wer sich vom Gottesdienst entfernt, entfernt sich von der Heimat“, warnt das Urgestein. „Unser Ansehen wird beschädigt“, schimpft er.

Das Thema schlägt hohe Wellen und kam kürzlich auch auf der Gauherbstversammlung in Spatzenhausen zur Sprache. Mehrere Redner fanden deutliche Worte – auch Jais. Der Rentner sprach von einer „Beleidigung für den Gau“ – und meinte: „Wir bieten damit dem Islam den Nährboden, den er braucht.“ Auf Tagblatt-Nachfrage wird der Traditionspfleger, der auch Bataillonskommandant der Gebirgsschützen ist, konkreter: Er habe nichts gegen Muslime oder Anhänger anderer Religionen, betont er. Aber ihm gehe es darum, den christlichen Glauben zu erhalten und zu pflegen. Und da sei es nicht hilfreich, wenn Teile des Trachtennachwuchses – die Rede ist von Jugendlichen und jungen Erwachsenen – den Gottesdiensten keine oder weniger Aufmerksamkeit schenkten.

Besonders heftig muss es im vergangenen Hochsommer beim Gaufest in Partenkirchen gewesen sein. Angeblich seilten sich gleich Hunderte in die umliegenden Wirtschaften und Privathäuser ab – und während der Wandlung, dem Höhepunkt der Heiligen Messe, war ringsum lautes Gelächter und Gesang zu hören. Gauvorstand Josef Mayr war nach eigenen Angaben derart peinlich berührt, dass er sich gleich beim Pfarrer entschuldigte. Für Jais war die großangelegte Gottesdienst-Abstinenz kein einmaliger Ausrutscher: „Das war schon öfters der Fall. Das ist nur heuer sichtbar geworden.“

Der Vorstand des Dachverbandes, der in den drei Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Bad Tölz-Wolfratshausen 31 Ortsvereine vertritt, will dem Trend ein Ende setzen. „Das geht so nicht“, sagt der Schöffauer Landwirt Mayr energisch. Er vermutet, dass ein gewisser „Herdentrieb“ hinter der Unsitte steckt. „Das kommt öfters vor – aber noch nie in dem Ausmaß wie heuer.“ Nun seien die Ortsvereine gefordert, auf ihre Mitglieder einzuwirken – mit dem eindringlichen Appell, an den religiösen Zeremonien teilzunehmen.

Auf Jais’ Islam-Hinweis lässt sich Mayr nicht ein. „Wir sind tolerant“, sagt er. Laut Satzung sei die Vereinigung politisch und konfessionell neutral. Aber aufgrund ihrer Geschichte sei die Trachtenbewegung hierzulande eng mit der katholischen Kirche verbunden.

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