Reger Austausch: (v. l.) Christine Singer, Annemarie Biechl und Bürgermeister Martin Wohlketzetter.  

„Ohne Euch wär’s zappenduster“

Farchant - Beim diesjährigen Landfrauentag lobt Bauern-Kreisobmann Onnich den großen Einsatz der Bäuerinnen. Im Kurgästesaal in Farchant wurde am Freitag auch Martina Schmerold als neue Dorfhelferin vorgestellt.

Christine Singer stellt gleich mal eines klar: „Das ist nicht der einzige Tag, an dem wir Bäuerinnen frei haben. Wir lassen’s uns auch an anderen Tagen mal gut gehen.“ Dennoch ist der Landfrauentag für alle immer etwas Besonderes. Dann nämlich treffen sich die vielen Bäuerinnen aus dem Landkreis „über die Ortsgrenzen hinaus“ und tauschen sich über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen aus. Am Freitag fand der Landfrauentag im Gasthof Alter Wirt in Farchant statt.

Zuvor versammelten sich die Teilnehmer in der Pfarrkirche St. Andreas und feierten gemeinsam einen Gottesdienst. „Es tut schon gut, wenn man so einen Tag in der Kirche anfängt“, sagte Kreisbäuerin Singer in ihrer Begrüßung. „Das war eine wunderbare Einstimmung, und Pfarrer Andreas Lackermeier hat das wunderschön gemacht.“ Musikalisch umrahmt wurde die Heilige Messe vom Josefi-Gsang.

Der Glaube spielt für die Bäuerinnen eine wichtige Rolle. Und um diesen drehte sich auch der Festvortrag von Landesbäuerin Annemarie Biechl, der unter dem Motto „Von innen gestärkt - für Neues offen“ stand. „Wenn ich einen festen Glauben habe, schmeißt mich so schnell nichts um“, sagte Biechl, die für die CSU im Bayerischen Landtag sitzt. Denn auch vor der Landwirtschaft mache die Modernisierung und Globalisierung nicht halt, betonte die Landesbäuerin. Was sie dabei am meisten beschäftige, sei, dass „das Tempo der Veränderungen auch unser Lebens-Tempo verändert.“ Deshalb müsse man abwägen, was für einen selbst wichtig sei. „Ich bin todfroh, dass ich daheim keinen Handyempfang habe.“

Man dürfe sich Neuerungen aber auch nicht verschließen. Am besten sei es, sie als Chance zu sehen, etwas Neues zu gestalten, meinte Biechl. Die 62-Jährige hatte aber nicht für die Landfrauen Ratschläge, sondern auch für Harald Kühn (CSU): „Ohne die Landwirtschaft, Herr Landrat, ginge es Ihnen in Ihrem Landkreis - auch wenn ihn der Herrgott noch so schön gemacht hat - nicht so gut.“

Dieser stand zuvor mit Farchants Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) und Bauern-Kreisobmann Nikolaus Onnich in einer Interview-Runde Rede und Antwort. Auch die Kreisbäuerin warb bei den Politikern um Unterstützung. Onnich war indessen voll des Lobes für das Engagement der Bäuerinnen in ihren Betrieben und darüber hinaus. „Ohne Euch wär’s zappenduster.“ So ließen sich erst kürzlich wieder 55 Frauen aus den 29 Ortsverbänden im Landkreis für fünf Jahre zur Ortsbäuerin wählen (wir berichten noch).

Bereits seit Anfang August ist Martina Schmerold aus Steingaden im Einsatz. Die 22-Jährige ist als selbstständige Dorfhelferin im Landkreis unterwegs. Damit unterstützt Schmerold Antonie Ried aus Habach und den hauptamtlichen Betriebshelfer Jakob Gams aus Ascholding. Die drei werden vom Maschinenring Oberland in Peiting eingeteilt, wenn landwirtschaftliche Betriebe Unterstützung brauchen, erklärte Dagmar Kranisch, die für die Vermittlung zuständig ist. Schmerold ist momentan bei einer Familie, die Zuwachs bekommen hat. „Da bin ich für die anderen Kinder Mama-Ersatz und helfe in Haus und Stall mit.“

Bevor es für die zahlreichen Bäuerinnen wieder an die Arbeit ging, konnten sie noch schöne Stunden beim Landfrauentag verbringen. Das Trachtenhaus Grasegger hatte eine Modenschau vorbereitet, und Hannes Porer sorgte mit dem Stück „Besuch vom Landwirtschaftsminister“ für beste Unterhaltung.

Julia Pawlovsky

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