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Grundstücke: Jetzt auch Streit um die Ski-WM

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Als Frühweide für die Weidengenossenschaft Garmisch unverzichtbar: der Stieranger. © Schwer

Garmisch-Partenkirchen - Die Weidegenossenschaft Garmisch verweigert den Stieranger als Parkfläche und beschädigt damit die Ski-Weltmeisterschaften 2011.

Viereinhalb Monate vor der Eröffnungsfeier der alpinen Ski-Weltmeisterschaft am 7. Februar 2011 in der Gudiberg-Arena haben die Vorbereitungen des WM-Organisationskomitees einen herben Rückschlag erhalten. Der Stieranger, mit ein zentrales Projekt im Verkehrskonzept, wird von der Weidegenossenschaft Garmisch nicht zur Nutzung als Parkfläche freigegeben. Die Wiesen am nördlichen Ortseingang von Garmisch waren schon Streitpunkt zwischen den Bauern und den Planern der Bewerbungsgesellschaft München 2018. „Wir werden mit Olympia in einen Topf geworfen“, klagt WM-OK-Chef Peter Fischer. „Ich bin entsetzt. Beide Veranstaltung haben nichts miteinander zu tun.“ Auch Garmisch-Partenkirchens Bürgermeister Thomas Schmid zeigte sich „schwer enttäuscht. Wir müssen jetzt Alternativen suchen“.

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Daran wollen sich die Weidegenossen mit ihrem Vorsitzenden Josef Glatz beteiligen. Er habe Fischer gestern in einem Telefongespräch seine Hilfe angeboten, sagt Glatz. Womöglich werde man eine Lösung finden. Für die Weidegenossen ist ihr Vorgehen nur konsequent. Man benötige die Wiesen als Frühjahrsweide, erklärt Glatz, weshalb er und sein Aufsichtsrat auf stur geschaltet haben. „Wir können darauf nicht verzichten.“ Er will seine Vereinigung nicht in die Ecke der Totalverweigerer drängen lassen, in der sie Fischer bereits sieht. „Wir haben für den Sport in der Vergangenheit schon genug getan“, meint Glatz. „Mehr als der Sport für die Landwirte.“ Dass ihre ablehnende Haltung das negative Stimmungsbild, das die überregionale Öffentlichkeit von Garmisch-Partenkirchen hat, noch steigern könnte, glaubt er nicht - ganz im Gegensatz zu Fischer: „Das Medieninteresse wird nicht regional begrenzt sein und das Image Garmisch-Partenkirchens mit Sicherheit leiden.“

Beschädigt sieht der 56-Jährige auch die Arbeit des Organisationskomitees, die in der Vergangenheit beim Internationalen Skiverband FIS großes Ansehen genoss. In der kommenden Woche kommt die FIS zur Schlussinspektion nach Garmisch-Partenkirchen. Fischer muss Präsident Gian-Franco Kasper und Generalsekretärin Sarah Lewis reinen Wein einschenken. Viele Fragen wird er beantworten und Lösungen aufzeigen müssen, Konsequenzen befürchtet er indes nicht: „Die WM ist sicher nicht in Gefahr.“

Das Verhältnis mit den Weidegenossen ist allerdings belastet - womöglich mehr als das. Seit 2009 verhandelte Fischer mit Glatz über den Stieranger. Danach glaubte er sich einig, weil man die Übereinkunft nach alter Landwirt-Sitte „per Handschlag besiegelt“ habe. „Ich war der Meinung, der gilt.“ Glatz bestreitet die mündliche Absprache. „Es hat auch keinen Handschlag gegeben“, sagt er. Am 21. Juli teilte Glatz dem WM-OK in einem formellen Schreiben mit, „dass der Stieranger für die Ski-WM nicht zur Verfügung gestellt wird“. Seitdem versuchte Fischer die Weidegenossenschaft Garmisch umzustimmen - wie man jetzt weiß, ohne Erfolg. Dabei hatte er immer wieder Kompromiss-Vorschläge gemacht. Die abspeckte Version hatte zuletzt nur noch 700 Pkw vorgesehen, anstatt 2500. Jetzt befürchtet er, dass die Autos im Februar 2011 vagabundierend durch den Ort auf der Suche nach Parkplätzen ziehen und ein Verkehrschaos verursachen.

Ein Szenario, das den Olympia-Gegnern in die Hände spielen könnte. Just zur Ski-Weltmeisterschaft hat sich die Evaluierungs-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) angekündigt. Unter Leitung des schwedischen IOC-Mitglieds Gunilla Lindberg wollen sich die zehn Männer und Frauen ein Bild von den Gegebenheiten in Garmisch-Partenkirchen ein Bild machen. Staus und verärgerte Besucher, die die Wettkampfstätten nur unter größten Mühen erreichen, wären der Bewerbung Münchens sicher nicht zuträglich. „Die WM ist schon beschädigt, die Olympia-Bewerbung wäre es damit auch“, sagt Fischer. Immerhin gilt eine optimal verlaufende Weltmeisterschaft als zusätzliches Bewerbungsschreiben für die Olympia-Entscheidung pro München am 6. Juni 2011 in Durban (Südafrika).

Peter Reinbold

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