Vision Snow Village: Auf dem Gelände südlich des Eisstadions träumt die Olympia-Bewerbungsgesellschaft von einem Athletendorf, doch die meisten Grundstücksbesitzer spielen da nicht mit. Foto: Sehr

Olympia: Grundstücksverhandlungen kommen nicht voran

Garmisch-Partenkirchen - Jetzt verteilt sogar schon der FC Bayern Seitenhiebe Richtung Werdenfelser Land. „Mir gehen die Quertreiber aus dem Alpenland gegen den Strich", sagte Karl-Heinz Rummenigge.

'Die Äußerung tätigte der Vorstandvorsitzender des deutschen Fußball-Rekordmeisters am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in München, auf der eine Kooperation mit der Olympia-Bewerbungsgesellschaft verkündet wurde. Die Adressaten in Garmisch-Partenkirchen, die ihre Grundstücke für die Winterspiele 2018 bereitstellen sollen, wird diese Aussage sicher nicht beeindrucken. Im Gegenteil: Sie werden dadurch nur noch mehr provoziert und unter Druck gesetzt. Das ist in der aktuellen Situation eher kontraproduktiv - falls sie nicht ohnehin schon ausweglos verfahren ist.

78 Grundstücksbesitzer sollen in Garmisch-Partenkirchen Flächen für das kleine Athletendorf Snow Village, Sportstätten oder Parkplätze hergeben. Seit einer Woche versucht die Bewerbungsgesellschaft gemeinsam mit Bürgermeister Thomas Schmid und seinen Anwälten, ihnen eine Unterschrift abzuringen. Inzwischen sind auch die Vorsitzenden der beiden Skiclubs, Peter Fischer sowie Michael Maurer, in die Gespräche mit eingebunden.

Die Bereitschaft hält sich dennoch in Grenzen. Nach Tagblatt-Informationen hat bislang nur rund ein Drittel der Betroffenen die Verhandlungstermine wahrgenommen. Bei einem Treffen am Dienstagabend, zu dem die 18 Grundbesitzer rund um das Eisstadion geladen waren, wo das Snow Village entstehen soll, sind gar nur zwei erschienen. Und diese beiden würden bekanntlich sowieso mitspielen. Schmid wollte diese Zahl am Mittwoch nicht bestätigen. Er spricht weiter beharrlich von einem guten Stand der Verhandlungen, räumt jedoch ein: „Die Leute wollen nicht in großer Runde über ihr Land reden.“ Man müsse dennoch intensiv auf deren Belange eingehen und die Sorgen, die manche hätten, ernst nehmen und „einfach so positiv weiterverhandeln, wie wir das gerade tun“. Er baut nun voll auf Einzelgespräche, die in den kommenden Tagen stattfinden sollen. „Wir haben keinen Stress.“ Erst im Herbst muss der Gemeinderat über das endgültige Bewerbungskonzept entscheiden.

Ohnehin seien die Areale für die Athletenunterkünfte nicht zwingend notwendig, bekräftigt Schmid. „Das ist der Plan mit der Note eins mit Sternchen.“ Das Snow Village könnte auch auf der Bahnbrache und Flächen der Gemeinde entstehen. „Wir sind optimistisch, dass wir auch dort ein schönes Dorf zusammenbekommen“, sagt Schmid. Die Bewerbung werde an Garmisch-Partenkirchen nicht scheitern, versichert er. Ihm zufolge sind schon erste unterschriebene Verträge zur Regelung der Grundstücksübernahme eingegangen. Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei allerdings vor allem um die eher unproblematischen Wettkampfflächen, die alljährlich auch für die Weltcup-Veranstaltungen genutzt werden.

Aus Reihen der Grundstücksbesitzer ist zu hören, dass viele nicht grundsätzlich gegen Olympische Spiele sind. So lange der Bürgermeister am Tisch sitzt bleiben sie aber bei ihrer Ablehnung. Auch Bewerbungschef Willy Bogner hat mit seiner drastischen Haltung inzwischen einige vergrault.

Sogar in der Verwaltung macht sich inzwischen Unmut gegen den Olympia-Geschäftsführer breit. „Nicht wir, sondern die Gemeinde bewirbt sich um die Spiele“, hatte Bogner vor kurzem gesagt. „Sie ist bei den Grundstücken in der Bringschuld.“ Die Aufgabenverteilung interpretiert Schmid jedoch anders: „Vertragspartner ist die Bewerbungsgesellschaft, das sagt alles. Im Moment machen wir ihre Arbeit. Aber das ziehen wir jetzt durch, schließlich ist es in unserem Interesse.“ (lxs)

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