Geht’s um Olympia, finden Axel Doering (l.) und Heinz Mohr keinen gemeinsamen Nenner. foto: sehr-Archiv

Olympia-Reformen kommen zu spät

Garmisch-Partenkirchen - Die Neuausrichtung des IOC beschäftigt auch die Befürworter und Gegner der bayerischen Bewerbung um Winterspiele. Wäre diese früher gekommen, hätte es möglichweise weniger Gegenwind gegeben.

Thomas Bach und sein Internationales Olympisches Komitee feiern sich und ihre Reform. In 40 Punkten will sich das IOC neu ausrichten, einstimmig in Monte Carlo beschlossen. Für Garmisch-Partenkirchen kommt das zu spät. Zweimal hat sich München mit dem Markt als Austragungsort um die Olympischen Winterspiele beworben. Zweimal sind die Verantwortlichen gescheitert. Am IOC und am Widerstand der Bevölkerung.

Es darf spekuliert werden: Hätten die Bewerbungen eine Chance gehabt, hätte sich das Komitee schon viel früher für die Änderungen entschieden? Wären die Gegner in Garmisch-Partenkirchen weniger massiv, zahlenmäßig weniger stark aufgetreten, wäre das Gremium schon früher zu dieser Reform bereit gewesen?

Reform...? Axel Doering platzt schon allein bei diesem Wort der Kragen. Bevor der Frontmann der Olympiagegner „NOlympia“ sich auf eine Was-wäre-wenn-Diskussion einlässt, stellt er klar: „Das war keine Reform, maximal ein Reförmchen.“ Damit beantwortet er indirekt gleich die Fragen, ob der Bach-Vorstoß für Garmisch-Partenkirchen etwas geändert hätte: „Nein.“

Die ablehnende Haltung dieses „Ewig-Verweigerers“ ärgert Heinz Mohr, den damaligen Vorsitzenden von OlympiJa. „Den Gegnern ging’s ja nie um Fakten, sondern um persönliche und fundamentale Gründe.“ Deshalb glaubt er nicht an eine 180-Grad-Wende in seiner Heimat. „Es ist schwer vorzustellen, dass die Abstimmung komplett anders gelaufen wäre.“ Aber: „Es hätte uns die Argumentation auf jeden Fall erleichtert.“

An der Bewerbung von München mit Königssee und Garmisch-Partenkirchen für 2018 - die im Juli 2011 im ersten Wahlgang beim IOC durchgefallen war - hatten die Gegner wiederholt kritisiert, dass bestehende Sportstätten wie in Ruhpolding nicht genutzt wurden und die Verantwortlichen stattdessen die Langlauf- und Biathlonwettbewerb in Schwaiganger austragen wollten. Das Argument für diese Konstellation: Die Wettbewerbe sollten nicht überall im Land verstreut stattfinden, das gefalle dem IOC nicht.

Diese Haltung führt das Gremium nun selbst ad absurdum: Das IOC legte den Köpfen der Winterspiele 2018 in Pyeongchang nahe, die Bob- und Rodelwettbewerbe außerhalb Südkoreas auszutragen, um die Kosten zu senken. Dies entspricht einem zentralen Punkt der Bach-Reform: Aus Gründen der Nachhaltigkeit soll „die Austragung ganzer Sportarten oder einzelner Disziplinen außerhalb der Gastgeber-Stadt oder in Ausnahmefällen außerhalb des Landes“ erlaubt werden. „Das ist schon irgendwie schizophren“, sagt Mohr. „Jetzt empfehlen sie das auf einmal.“ Für 2022 hatte die Bewerbungsgesellschaft hier ohnehin schon nachgebessert und Ruhpolding für die Langlauf- und Biathlon-Rennen einbezogen. Genützt hat es nichts: In einem Bürgerentscheid in München, Garmisch-Partenkirchen und den Landkreisen Traunstein (Ruhpolding) sowie Berchtesgaden (Königssee) stimmte eine Mehrheit gegen Winterspiele in Bayern.

Für Doering nach wie vor ein logisches Ergebnis. „Olympia hat sich überlebt.“ Er sieht das IOC-Reförmchen als verzweifelten Versuch, das Produkt wieder besser zu verkaufen. Auch im schweizerischen Kanton Graubünden und im norwegischen Oslo hatten sich die Bürger jüngst gegen eine Kandidatur für 2022 ausgesprochen. „Die müssen ja etwas tun, wenn es keiner mehr haben möchte.“

Mohr dagegen tippt: Drei Viertel der Bevölkerung würden sich bundesweit für die Spiele aussprechen. „Olympia muss man nicht besser verkaufen, es ist das beste Produkt der Welt.“ Für einen Sportler gebe es nichts Besserers.

Doch auch er vertritt die Ansicht: Ändern muss sich etwas beim IOC, beim Bewerbungsverfahren und bei den Spielen selbst. Mehr Eigenständigkeit fordert er für die Veranstalter. Gelten müsse: Weg vom Gigantismus. Ein Motto, das die bayerische Bewerbung bereits verkörpert habe. „Der Sport muss wieder im Zentrum stehen.“ Und dafür war die Bach-Reform in seinen Augen ein guter Anfang. Gerade die Offenlegung des Host-City-Contracts, des viel kritisierten Vertrags zwischen Gastgeber und IOC, hält er für einen „wesentlichen Schritt. Transparenz hilft weiter“. Dieses Wort passt in Doerings Augen nicht zu den IOC-Oberen, ebenso wenig wie Ehrlichkeit. „Wenn es darauf ankommt, können die doch gar nicht mit offenen Karten spielen.“ Es werde immer nur ein Teil genannt, das Wesentliche bleibe verborgen.

Ein Zugeständnis macht Doering: Die Ankündigung, wonach das IOC Bewerbungskosten reduzieren und die Städte unterstützen möchte, klingt gut in seinen Ohren. „Allerdings“, schränkt er ein, „muss ich die Kosten ja übernehmen, wenn ich keinen mehr finde, der sich bewirbt.“ Er bleibt dabei: Olympia ist zu groß. „Winterspiele gehören abgeschafft.“ Weltmeisterschaften reichen ihm.

Von Katharina Bromberger

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