Passionsspiele 2010: Gemeinderat legt Honorare fest

Oberammergau - Was bekommt Jesus? Wieviel erhält "eine einfache Frau" im Volk? Knapp 20 Millionen Euro gibt die Gemeinde Oberammergau für die 2400 Mitwirkenden bei den Passionsspielen sowie für weitere Personalkosten aus.

Das Rätselraten hat ein Ende, die Zeit des Spekulierens ist vorbei: Im zweiten Anlauf hat der Gemeinderat von Oberammergau in nichtöffentlicher Sitzung am vergangenen Montag – mit einer Gegenstimme – das Honorargefüge für die Mitwirkenden bei den Passionsspielen in diesem Jahr beschlossen. Danach liegt der 100-Prozent-Satz bei 17 000 Euro, der in einer vorangegangenen Sitzung noch 500 Euro mehr betragen hatte. Auch hier hat sich offenbar der Sparzwang bemerkbar gemacht.

Gegenüber 2000 erhöht sich das Honorar der Darsteller im Durchschnitt um 16,6 Prozent. Zum Vergleich: Die Preise für die Eintrittskarten wurden im Schnitt im Verhältnis zur Staffelung vor zehn Jahren um 80 (!) Prozent angehoben. Im Einklang mit dem Passions-Budget befindet sich die neue Honorarregelung: Im Haushalt des Spiels waren Honorare, Probengelder und sonstige Personalkosten auf 22,75 Millionen Euro kalkuliert worden, jetzt will man mit 19,5 Millionen hinkommen. Auf den ersten Blick eine stolze Summe, doch bei der Anzahl der Mitwirkenden (2400 Erwachsene, darunter 630 Kinder) relativiert sich das Ganze. Hinzu kommt, dass das Honorar auf einer zweiten Lohnsteuerkarte versteuert werden muss. Und schließlich können gerade die Hauptdarsteller während der Passion ihrem Beruf nicht nachgehen, und sind daher auf eine adäquate Entlohnung während der Aufführungen angewiesen.

Die Entscheidung über die Honorare umfasst alle Personen, die sich bei der Passion mit einbringen: Rollenträger, Orchester, Chor, Einlasser, Volk, Lebende Bilder, Feuerwehr, Sanitätdienst, und so weiter. Wer nun wie eingestuft ist bzw. mit welchem Honorar rechnen kann, das erfahren die Mitwirkenden in nächster Zeit in einem Schreiben der Gemeindeverwaltung. Um Geduld wird jedoch gebeten, da die Berechnung der Einzelhonorare bei der Vielzahl der Beteiligten mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden ist.

Den Ausgangssatz legten die Gemeinderäte auf 17 000 Euro für 100 Prozent fest. Die Hauptrollenträger werden natürlich mit einem höheren Prozentsatz bedacht. Insgesamt reicht die Skala von 180 Prozent bei den größten Rollen bis zu 30 Prozent – soviel erhalten Mitspieler im Volk, die nur in einer Szene dabei sind. Die Kommunalpolitiker bewerteten in der Festlegung des jeweiligen Prozentsatzes verschiedene Gesichtspunkte – zum Beispiel: Mit wieviel (zeitlichem) Aufwand ist die Rolle verbunden? Wie häufig müssen sie auftreten? Oder: Gibt es Zusatzaufgaben?

Ludwig Hutter

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