Kilian Thomas Semel vermisste den „Weg des mutigen Aufbruchs“. Foto: fkn

Pfarrer Semel verlässt den Pfarrverband: "Entmutigt und zermürbt"

Bad Kohlgrub - In den Pfarrverbandsnachrichten nennt der Seelsorger Gründe, die ihn zum Weggang im Sommer veranlasst hätten: Dabei stellt er seinen Schäfchen kein gutes Zeugnis aus.

Keine Frage: Das Tischtuch zwischen Pfarrer Kilian Thomas Semel, Leiter des Pfarrverbands Bad Kohlgrub, und den Gläubigen – hauptsächlich jenen in der Pfarrei St. Martin – ist zerschnitten. Zu diesem Schluss muss man kommen, wenn man die Erklärung des Geistlichen im jüngsten Pfarrbrief liest. Darin zeigt Semel die Gründe auf, die ihn letztlich zu seinem Weggang Mitte August dieses Jahres bewogen haben. Der gebürtige Saarländer nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

Einleitend versichert der 43-Jährige, dass er es als zuständiger Pfarrer im Pfarrverband mit den Gemeinden Bad Kohlgrub, Bad Bayersoien, Saulgrub und Altenau als vordringlichste Aufgabe angesehen habe, „die Seelsorgeeinheit aufzubauen und das Gemeinsame zu entwickeln und zu fördern“. Sein Bemühen sei es gewesen, „allen Gemeinden gerecht zu werden“. Doch diese Aufgabe sei ihm von Einzelpersonen und Vereinen immer wieder erschwert worden, was „mit einem hohen Energieverlust“ verbunden gewesen sei.

Wörtlich schreibt der Geistliche: „ . . . auch nach über zwei Jahrzehnten, seit es den Pfarrverband gibt, sind die Bereitschaft und Notwendigkeit, die vier Gemeinden als eine Einheit zu sehen, immer noch nicht da oder nur bei wenigen Gemeindemitgliedern wirklich entwickelt.“ Es fehle an der Bereitschaft, sich selbst in Bewegung zu setzen und die eigene Dorfgrenze zu überschreiten.

Offen erklärt Kilian Thomas Semel, dass ihn die ständigen Diskussionen und Auseinandersetzungen darüber, insbesondere über die „mit allen Pfarrgemeinderäten und Hauptverantwortlichen im Pfarrverband beschlossene Gottesdienstordnung“, zermürbt hätten. Hinzu gekommen sei „eine Vielzahl von nächtlichen, anonymen Anrufen, deren Inhalt zutiefst verletzend und weit unter der Gürtellinie war“. All dies hätte seinen Willen, den Pfarrverband Bad Kohlgrub zu leiten und voran zu bringen, „verändert und entmutigt“.

Mit seinem Weggang will Semel „alle vier Gemeinden aufrütteln und die Gemeindemitglieder herausfordern, endlich den engen Rand des eigenen Tellers zu überschauen“. Wenn der Pfarrverband eine Zukunft haben wolle, dann gehe es nur über den Weg des mutigen Aufbruchs und der ehrlichen Bereitschaft, die Einheit zu sehen. Ansichten wie „Das war scho immer so“ und „Des braucht’s ned“ seien hier wenig hilfreich. Die Aussage einer Kirchgängerin im Tagblatt („Wir wünschen uns einen Pfarrer, der von der Mentalität her zu uns passt“/Ausgabe 14. Januar) kontert der Kirchenmann in den Pfarrverbandsnachrichten mit der Bemerkung, „dass dieser wohl erst gebacken werden muss“.

Seit der Weggang Semels offiziell feststeht, gibt es in Bad Kohlgrub Befürchtungen, ob die Stelle überhaupt neu besetzt wird. Dazu stellt Pfarrer Semel fest, „dass der Pfarrverband in seiner Gesamtheit so bestehen bleibt“ und eine Angliederung an Oberammergau nicht zur Debatte stünde. Die Pfarrstelle würde vom Ordinariat „auf jeden Fall wieder ausgeschrieben“.

Ludwig Hutter

Auch interessant

Kommentare