Pony-Rettung findet ein glückliches Ende

Saulgrub - Über Monate hinweg bewegte das Schicksal der Shetland-Ponys, die Ende August 2007 aus einem restlos überfüllten Schlachttiertransporter bei Nürnberg befreit wurden, die Öffentlichkeit. Jetzt sind die kleinen Pferde auf dem Weg in ein neues Leben.

Vier Wochen lang ­ im November letzten Jahres ­ schwebte das Damoklesschwert der Keulung über der gesamten Herde. Es bestand der Verdacht auf "Rotz", einer Pferdeseuche, die eigentlich seit 1950 als ausgerottet in Deutschland gilt. Erst nach einer Vielzahl von Laboruntersuchungen kam die "Entwarnung": Die 108 kleinen Shetland-Ponys von Acheleschwaig bei Saulgrub (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) durften weiterleben!

Dorthin, auf die ehemalige Außenstelle des Staatsgestüts Murnau-Schwaiganger, waren die kleinen Pferde gebracht worden, nachdem die Polizei am 30. August 2007 auf der Rastanlage Feucht der Nürnberger Autobahn einen restlos überfüllten Schlachttiertransporter, der von Holland in Richtung Italien unterwegs war, aus dem Verkehr gezogen hatte. Ohne Futter, ohne Wasser, zusammengepfercht, waren die Ponys zum Zeitpunkt der Kontrolle schon 20 Stunden lang unterwegs gewesen. Dieser Fall von Tierquälerei sorgte seinerzeit bundesweit für Empörung. Heute, viereinhalb Monate später, blicken die Tiere einer neuen, hoffnungsvollen Zukunft entgegen. Nachdem sie unter immensem Aufwand gesund gepflegt wurden, verlassen nun in der kommenden Woche die letzten Ponys den Gutshof Acheleschwaig und kommen in die Obhut neuer, ausgewählter Pferdefreunde. Damit findet eine der größten Tierrettungsaktionen Bayerns in den letzten Jahrzehnten ein glückliches Ende.

"Ein wahres Happy End" ist es vor allem für Tessy Lödermann, Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen und zugleich Vizepräsidentin im Landesverband Bayern beim Deutschen Tierschutzbund, die an vorderster Front für die Shetland-Pferde kämpfte: "Ich bin so froh, dass alles so gut ausgegangen ist. Wir haben alle Ponys bestens unterbringen können." Insgesamt 500 Kauf-Anfragen aus ganz Deutschland waren eingegangen. Unter den Glücklichen, die nach einer intensiven Prüfung durch den Tierschutzverein zum Zuge kamen, war gestern auch Susanne Fischbach (40) aus Reisen bei Erding und ihre Kinder Jakob (5) und Antonia (2): Ihnen wurden zwei Ponys, die "Ben" und "Pepino" heißen sollen, zugesprochen: "Wir haben daheim einen großen Stall auf einem ehemaligen Bauernhof. Dort stehen den Tieren auch ein paar Tausend Quadratmeter Wiese als Auslauf zur Verfügung." Zwar haben die Fischbachs bisher noch keine Pferde, aber "mit viel Liebe, Pflege und Hingabe" wollen sie sich nun ihren neuen Lieblingen widmen: "Sie werden es gut bei uns haben. Auch für unsere Kinder ist die Beschäftigung mit Tieren wesentlich sinnvoller, als dass sie ihre Zeit vor dem Fernseher oder vor dem Computer verbringen." In einem "Schutzvertrag" ist unter anderem geregelt, dass die neuen Besitzer die Ponys nicht verkaufen dürfen, solange sie leben. Und das können bis zu 35 Jahre werden.

Die Pony-Rettungsaktion hat die Tierschützer 60 000 Euro für Stallmiete, Futter, Tierarzt, Mistentsorgung und Betreuung gekostet. An Spenden gingen insgesamt 64 000 Euro ein.

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