Realschul-Konzept in der Kritik

Murnau - Die in Murnau geplante Knabenrealschule stößt bei einigen Kommunalpolitikern auf Kritik. Sie fordern, die Bildungseinrichtung auch für Mädchen zu öffnen.

Einige Murnauer Kommunalpolitiker sind nicht einverstanden mit der Einschränkung, dass die geplante zweizügige Realschule nur für Buben zugänglich sein soll. Aus den Reihen der Freien Wähler und des ÖDP/Bürgerforums wurde kürzlich in der Sitzung des Gemeinderats Kritik laut. Auch pochen die Volksvertreter auf eine möglichst rasche Einführung des neuen Bildungsangebots.

Wie bereits berichtet, hatte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) kurz vor den Weihnachtsfeiertagen mitgeteilt, dass in Murnau im Zuge eines Kooperationsmodells mit der Hauptschule eine Realschule, in der nur Buben unterrichtet werden, entstehen soll. Diese Regelung sei notwendig, heißt es, um die bestehenden Mädchen-Realschulen in Schlehdorf und Garmisch-Partenkirchen in ihrem Bestand nicht zu gefährden.

Mit dieser Begründung will sich Welf Probst von den Freien Wählern nicht zufrieden geben: „Dass hier Rücksicht auf andere Schulen genommen werden muss, kann ich nicht verstehen“, erklärt er. Bei der Gründung des Staffelsee-Gymnasiums sei dies auch nicht der Fall gewesen. In Murnau sollten alle Kinder eine Realschule besuchen können. Davon würde auch das Umland profitieren. Sonst müssten beispielsweise Realschülerinnen aus dem Ammertal weiterhin sehr lange Anfahrtswege in Kauf nehmen. Laut Probst müsste es möglich sein, dass der mittlere Bildungsweg noch heuer zum nächsten Schuljahr angeboten wird. „Wenn man will, kann man mit zwei fünften Klassen anfangen“, ist er überzeugt – beispielsweise im Rahmen einer provisorischen Lösung in der Max-Dingler-Hauptschule.

Holger Poczka vom ÖDP/Bürgerforum bezeichnet die vorgesehene Ansiedlung der Knabenrealschule als einen „Teilerfolg“. Seine Fraktion werde sich weiterhin für eine gemischtgeschlechtliche Realschule einsetzen. „Die von uns ausgewerteten Zahlen zeigen deutlich, dass durch solch eine Schule die Mädchenschulen in Schlehdorf und in Garmisch nicht in ihrer Existenz gefährdet werden“, erklärt Poczka in einer Stellungnahme. Das besondere Konzept einer Mädchen-Realschule sei für viele Schülerinnen und deren Eltern attraktiv. Nur könne es auf Dauer nicht „aufgezwungen werden, indem man andere Möglichkeiten verhindert“. Dann sollte man vielleicht darüber nachdenken, die Mädchenschulen für Buben zu öffnen, so Poczka.

Bürgermeister Michael Rapp (CSU) zeigte sich in der besagten Gemeinderatssitzung zuversichtlich, dass die Murnauer Knabenrealschule schnell umgesetzt wird. Jetzt seien das Ministerium, das Landratsamt und die Rathaus-Verwaltung gefordert, die Planung auf den Weg zu bringen.

Die Schulreferentin der SPD, Elisabeth Hoechner, appellierte an ihre Kollegen im Murnauer Gemeinderat, den „Prozess konstruktiv zu begleiten“. Wichtig sei es, den Kreistag von dem Vorhaben zu überzeugen. Sie könne sich vorstellen, dass eine provisorische Realschule mit ersten Klassen zum Schuljahr 2011/12 beginnt.

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