Weniger Krankenwagen?

Rettungssystem kurz vor dem Kollaps

Garmisch-Partenkirchen - Die Zahl der Krankenwagen soll verringert werden. Dabei kommt das Rettungssystem schon jetzt an seine Grenzen: Es stand kurz davor zusammenzubrechen.

Christoph Sörgel ist seit 25 Jahren beim Bayerischen Roten Kreuz. Der Stellvertretende Bereitschaftsleiter im Landkreis hat schon einiges mitgemacht. Das, was sich über die Feiertage abgespielt hat, kannte er so aber noch nicht. Es war „ein neuer Tiefpunkt“. In Garmisch-Partenkirchen, Grainau und Mittenwald waren am zweiten Weihnachtsfeiertag so viele Rettungseinsätze nötig, dass alle Kapazitäten ausgeschöpft werden mussten. Es gab weder freie Fahrzeuge noch Helfer, die im Fall eines Notfalls hätten kommen können. „Das Ganze wäre fast kollabiert“, sagt Sörgel über das Rettungssystem. Am Leben gehalten wurde es aufgrund der massiven ehrenamtlichen Unterstützung. „Doch sogar die kam an ihre Grenzen.“

Die Situation habe sich derart zugespitzt, dass die Integrierte Rettungsleitstelle Fahrzeuge aus Österreich anfordern musste. Auch die Feuerwehr sei unterwegs gewesen, um Notärzte zu Patienten zu bringen. Beides sei kein Novum, komme aber eher selten vor.

Rund um Weihnachten und den Jahreswechsel waren die Orte im südlichen Landkreis voll mit (Tages)-Touristen. Es gab Ski- und Verkehrsunfälle und die ganz „normalen“ Einsätze. Die Folge: Am 26. Dezember waren die hauptamtlichen Retter pausenlos unterwegs. Gleiches galt für die freiwilligen Helfer vor Ort: Sie mussten an diesem Tag 18 Mal ausrücken. Wie BRK-Kreisgeschäftsführer Arnd Hansen erklärt, gehe es in solchen Momenten oft nicht mehr darum, wie schnell jemand einen Notfall-Patienten erreicht. Wichtig sei nur noch, dass sich überhaupt jemand auf den Weg macht. „Mann und Maus waren unterwegs im Einsatz.“ Wer einen normalen Patiententransport benötigte, etwa von einem Krankenhaus in ein anderes, der musste warten. Und diese Situation könnte sich in Zukunft massiv verschlimmern.

Wie berichtet, wollen die Kassen drei der fünf Krankenwagen - die nicht bei einem Notfall mit Blaulicht ausrücken - aus dem Landkreis abziehen (siehe Kasten). Das würde bedeuten, dass die Rettungswagen, die eigentlich für Notfälle bereitstehen sollten, auch für normale Transporte hergenommen werden müssten. Wenn jemand dann beispielsweise im Ammertal einen Herzinfarkt hat, könnte es dauern, bis ein Wagen bei ihm ist. Vielleicht zu lange. Davor warnen die Verantwortlichen beim BRK schon lange. Doch nach dem G7-Gipfel Anfang Juni soll die Umverteilung der Wagen durchgezogen werden.

„Es wird auf jeden Fall nicht einfacher“, sagt Hansen. Sein Kollege Sörgel mag sich nicht ausmalen, was an den Feiertagen passiert wäre, hätten schon jetzt weniger Wagen bereitgestanden. Beispielsweise am 30. Dezember, als es innerhalb von Minuten zwei schwere Unfälle auf der A 95 und der B 23 gab. Dafür wurden fast alle Einheiten im Kreis alarmiert, es hätte nichts Schlimmes mehr passieren dürfen. Dann wäre das System am Ende gewesen: trotz der riesigen Hilfe der ehrenamtlichen Retter.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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