So ähnlich - wie hier die Via Appia, die nach Rom führt - muss die Römerstraße durch Großweil ausgesehen haben.

Römerstraße führte auch durch Großweil

Großweil - Mitten durch Groß- und Kleinweil führte einst eine Römerstraße.Vor rund zehn Jahren hat sie Theresia Luidl rein aus Zufall entdeckt und nun eine Abhandlung darüber geschrieben.

Dass da irgendwo eine von den Römern errichtete Straße durch die Loisachgemeinde und ihre Ortsteile führt, wusste die Hobby-Heimatforscherin von einem befreundeten Gesinnungsgenossen aus Österreich. Dass dieses Bauwerk aber zumindest in Teilen noch existiert, und sie es eines Tages selbst zu Gesicht bekommen würde, war ein Glücksfall.

Die 80-Jährige war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Nämlich dann, als ein Arbeiter gerade dabei war, an der Durchgangsstraße von Kleinweil Kanalarbeiten vorzunehmen. Als sie das von ihm ausgehobene Loch mit den darin liegenden Sandsteinplatten sah, wusste Luidl: Das sind Teile der von den Römern um etwa 200 nach Christus errichteten Nebenstraße zur römischen Hauptverkehrsader zwischen Augsburg und Salzburg. „Die Straße stößt bei Mühleck auf die Straße über Zell bis Kleinweil und übersetzt von hier in Richtung Großweil die Loisach mittels einer Brücke“, schreibt Luidl in ihrer Arbeit.

„Ad Pontes Tesseninos“: So hieß Großweil zur Zeit der Römer. Von hier führte die Straße laut Luidls Erkenntnissen weiter über Ohlstadt nach Partenkirchen und stieß dort auf die Hauptstraße nach Salzburg. Die weißen Sandsteinplatten erkannte Luidl schnell als die bei den Römern typischen Straßen-Begrenzungssteine. „Ich habe einen Stein rausgenommen und abgemessen. Sie lagen dicht beieinander und waren handwerklich bearbeitet“, erinnert sich die ehemalige Lehrerin, und ihre Augen glänzen vor Faszination.

„Die Straße war nur etwa vier Meter breit und verlief zentimetergenau unter der heutigen Straße – nur eben 1,40 Meter unter dem jetzigen Niveau.“ Außer den Begrenzungssteinen habe die Straße aus einer dicken Lehmschicht bestanden, in die dicht an dicht so genannte Lesesteine eingesetzt waren, so dass eine Art Pflaster entstand.

„Ich war die Erste, die diese Römerstraße gesehen hat“, sagt Luidl stolz. Und die Letzte, denn die laufenden Kanalarbeiten konnte auch ihr sofortiger Anruf beim Landesamt für Denkmalpflege nicht stoppen – sie haben noch am selben Tag ihren Verlauf genommen. Aber: „Die Straße hat mir einfach keine Ruhe gelassen.“ Und so hat Luidl angefangen zu recherchieren und mit Gleichgesinnten wie dem Benediktbeurer Klosterhistoriker Pater Leo Weber zu diskutieren. „Seit der Zeit bin ich überall in Großweil und Umgebung, wo tiefer gebaggert wird.“

Etwa zwei Jahre hat sie an ihrer Abhandlung über die Geschichte der Römerstraße in Groß- und Kleinweil gearbeitet. Nun ist sie fertig und soll nächstes Jahr veröffentlicht werden. Vielleicht, so hofft Luidl, kann sie damit bei den Groß- und Kleinweilern mehr Bewusstsein für ihre römische Vergangenheit wecken. Damit dann, wenn wieder ein Stück der Straße auftaucht, es nicht einfach wieder zugeschüttet wird. Denn: „Immerhin ist unser Ort älter als die beiden Klöster Schlehdorf und Benediktbeuern.“

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