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Naturschützer sind sich nicht grün

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Natur geht vor: Der Naturschutzring hält die Olympischen Spiele in Garmisch für ökologisch "nicht verantwortbar". © dpa

Garmisch-Partenkirchen - Die Negativ-Schlagzeilen zur Olympia-Bewerbung reißen nicht ab: Nach dem Rücktritt von Geschäftsführer Willy Bogner steigt nun der Deutsche Naturschutzring aus. Der Deutsche Alpenverein kritisiert diesen Schritt und steht weiterhin hinter Olympia 2018.

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Wöchentlich treffen neue Hiobsbotschaften zur Olympia-Bewerbung 2018 von München, Garmisch-Partenkirchen und Schönau am Königssee ein. Vergangenen Montag trat Geschäftsführer Willy Bogner aus gesundheitlichen Gründen zurück, jetzt kehrt der Deutsche Naturschutzring (DNR) der Bewerbung den Rücken. „Wir halten die Durchführung der Spiele in Garmisch-Partenkirchen mit seinen engen Gebirgstälern und ökologisch bedeutsamen Flächen für nicht verantwortbar“, begründete Vize-Präsident Hartmut Vogtmann gestern den Ausstieg. Damit stärkt der Verband seinem Mitglied, dem Bund Naturschutz (BN), den Rücken. Dieser hatte sich wie auch die Internationale Alpenschutzkommission, der Verein zum Schutz der Bergwelt und der Verein Mountain Wilderness aus der Fachkommission Umwelt zurückgezogen.

Kein Verständnis für die Positionierung des DNR hat sein stärkstes Mitglied, der Deutsche Alpenverein (DAV). „Wir sind von der Aktion nicht nur überrascht, sondern auch irritiert“, sagte Hauptgeschäftsführer Thomas Urban. Er habe erwartet, dass sich der Dachverband zuvor die Meinung des DAV anhört. Dieser steht weiter hinter der Bewerbung. „Der Alpenverein wird auch zukünftig in der Fachkommission mitarbeiten“, betonte Urban.

Bogners Kritik

Als Bestätigung dürften diejenigen Landwirte in Garmisch-Partenkirchen den Ausstieg des Deutschen Naturschutzrings empfinden, die ihre Grundstücke für die Winterspiele nicht zur Verfügung stellen wollen. Denn der Rückzug kommt genau einen Tag, nachdem der ehemalige Bewerbungschef Willy Bogner kritische Töne gegenüber den Bauern angeschlagen hat (wir berichteten). Gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Focus“ hatte der 68-Jährige vermutet, dass sie mit ihrer Ablehnung nur die Preise hochtreiben wollen. „Es liegt nicht am Geld“, sagt Josef Glatz, Vorsitzender der Garmischer Weidegenossenschaft. „Wenn er das immer noch nicht verstanden hat, dann ist alles zu spät.“ Nikolaus Onnich, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, stößt in dasselbe Horn. Bogner habe „früher schon kapitale Fehler gemacht“.

Nach anfänglicher Kritik sowohl an der Informationspolitik innerhalb des Experten-Gremiums als auch am Finanzierungsplan für die Umwelt-Konzepte habe sich die Bewerbungsgesellschaft nun sehr bemüht, sagte DAV-Chef Urban. Deshalb rückt der Alpenverein von seiner einstigen Drohung ab, die Kommission ebenfalls zu verlassen. „Sachliche Gründe gibt es dafür derzeit nicht“, findet Urban. Auch Michael Vesper, Aufsichtsratschef der Bewerbungsgesellschaft, bezeichnet die Entscheidung des Naturschutzrings als „nicht nachvollziehbar“. Beide Funktionäre sehen dahinter politische Gründe. „Da gibt es wohl unterschiedliche Meinungen von Mitgliedsverbänden und dadurch stand der DNR unter Druck“, vermutet Vesper. DAV-Geschäftsführer Urban fordert vom Dachverband Neutralität. Über den Fall „muss gesprochen werden“. Und noch etwas wundert Urban: „Eigentlich kann der DNR gar nicht aussteigen.“ Denn dieser sei als eigenständiger Verband gar nicht in der Fachkommission vertreten. Doch eine Sprecherin der Bewerbungsgesellschaft betont: „Über seine Mitglieder war der DNR aus unserer Sicht mit im Boot.“ Diese Mitglieder – der DAV und die Naturfreunde – stehen auch zukünftig hinter der Olympia-Bewerbung. Heftige Kritik erntet der Alpenverein dafür von Dieter Janecek. Der Landesvorsitzende der Grünen bezeichnet den DAV als „letzten Mohikaner, der im Gleichklang mit dem Deutschen Olympischen Sportbund seine Verlautbarungen herausgibt“ . Der Landesbund für Vogelschutz macht seine weitere Mitarbeit von einer „zügigen Entscheidung über die angestrebten Umweltprojekte“ beim DOSB abhängig.

Ein bitterer Schlag ist der Rückzug für die Bewerbung allemal. Als deutlichen Hinweis an das Internationale Olympische Komitee, „dass es mit der Umwelt doch nicht soweit her sein kann“, bezeichnete DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen die Ablehnung. Wenigstens darin sind sich Dachverband und Alpenverein einig. Auch Urban weiß: „Natürlich ist die Frage des Zuschlags auch an die Unterstützung durch den Naturschutz geknüpft.“

Janine Tokarski

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