Anziehungspunkt: der Eingangsbereich des Schloßmuseums, das irgendwann ein Audioguide-System erhalten soll. Foto: sehr

Schloßmuseum: Ärger um geplantes Audioguide-System

Murnau - Die Mehrheit des Murnauer Gemeinderats will ein Audioguide-System fürs Schloßmuseum. Dessen Leiterin lehnt dies ab. Ein Politikum, das für Debatten sorgt.

Museums-Chefin Dr. Brigitte Salmen scheint sich durchzusetzen, vorerst zumindest. Das von ihr ungeliebte Audioguide-System wird wohl nicht so schnell ins Schloßmuseum einziehen. Politisch sind die elektronischen Führer, mit denen sich Besucher der Dauerausstellung über Exponate informieren können, gewünscht. Die CSU/SPD-Mehrheit des Gemeinderats setzte durch, heuer 10 000 Euro dafür einzuplanen – ein Kompromiss, mit dem das Gremium auf Salmens Ablehnung reagiert hat. Ursprünglich waren 32 500 Euro vorgesehen gewesen.

Die Politik schreckt davor zurück, Salmen die Einführung zu oktroyieren. Josef Bierling, Vize-Bürgermeister und CSU-Fraktionssprecher, umschreibt die für die Christsozialen knifflige Lage: Viele sähen einen Sinn in Audioguides, „die sind Standard“. Aber: „Wie lässt sich so etwas handhaben, wenn die Museumsleitung diese nicht will?“ Man könnte die Geräte „mit aller Gewalt einführen – aber hat das einen Wert, wenn das System dann nicht hergenommen wird?“ Andererseits findet Bierling es „schwierig, diesem Druck so nachzugeben“.

Salmen hält an ihrer Ablehnung fest. „Ich finde Audioguides nicht sinnvoll“, sagt sie und verweist unter anderem auf den Aufwand bei der Vorbereitung und Aktualisierung, die „autistische Art der Information“, die Zusatzbelastung, die möglichen Folgen für die gewohnten Führungen. Und: „Es gibt kaum Nachfrage.“ Salmen plädiert stattdessen für einen Video-Raum. Die Einführung des Systems über ihren Kopf hinweg würde ihr zweifellos missfallen: „Das gehört in meinen Arbeitsbereich. In meine Fachkompetenz einzugreifen, halte ich nicht für die richtige Umgangsweise.“

Vertreter von Freien Wählern und ÖDP/Bürgerforum stärken der Schloss-Chefin den Rücken. Die Einführung sei nur erfolgreich, wenn die Verantwortlichen des Museums dies unterstützten, unterstreicht Holger Poczka, Fraktionssprecher von ÖDP/Bürgerforum. Es handle sich um einen erheblichen Eingriff in die Grundphilosophie der persönlichen Führungen, des direkten Gesprächs und der stillen Betrachtung. Zudem trage Salmen, „die das Museum prägt und äußerst erfolgreich leitet“, auch die Budgetverantwortung, sagt Poczka. Dass die CSU/SPD-Mehrheit 10 000 Euro in den Haushalt einstellen ließ, statt die 32 500 Euro zu streichen, hält Poczka für einen „Faschingsscherz – offensichtlich will man nun einen Drittel-Audioguide kaufen“.

CSU-Mann Bierling, Bürgermeister Dr. Michael Rapp (CSU) und Michael Manlik von der SPD, die das Thema Audioguides aufs Tablett gebracht hatte, sehen den 10 000 Euro-Posten indes als „Platzhalter“ mit Memo-Funktion.

Manlik erklärt, mit den 10 000 Euro werde zumindest „der Wunsch nach dem Audioguide-System zementiert“.

Auch Welf Probst (Freie) hält die Geräte „prinzipiell für eine gute Sache“. Den Fraktionssprecher stört indes der Weg, den CSU/SPD beschreiten. „Unser Standpunkt ist klar: Wenn die Museumsführung Audioguides absolut ablehnt, wird sie diese auch nicht benutzen.“

Zudem verstehe er nicht, dass man diese Sache „zum Anlass nimmt, um Frau Salmen, die das Museum aufgebaut und hier etwas geschaffen hat, öffentlich abzuwatschen“. Das habe sie nicht verdient.

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