Schwimmende Insel ist wieder unterwegs

Riegsee - Drei Jahre hat sie es an einem Ort ausgehalten, jetzt hat sich die schwimmende Riegsee-Insel wieder auf Reisen begeben. Vom Starkregen aus der Verankerung gerissen, segelte sie weiter...

... und zwar direkt vor den Aidlinger Badeplatz. Die Polizei warnt vor dem Betreten. Es besteht Lebensgefahr.

Den freien Blick vom Aidlinger Badeplatz aus auf den Riegsee wird es wohl so schnell nicht mehr geben. Direkt davor ist die schwimmende Insel vor Anker gegangen - und hat auf ihrer Reise gleich noch das beliebte Badefloß samt Surfbrett mitgeschleppt. Es war in der Unwetternacht auf Dienstag, als sich die südlich des Badeplatzes vor drei Jahren erst mit Stahlseilen vertäute Insel wegen des um zehn Zentimeter angestiegenen Wasserpegels losriss, zunächst wohl, wie Augenzeugen behaupten, Richtung Westen segelte, um dann Kurs zurück an die Stelle direkt vor der Badebucht zu nehmen. Dort blieb der rund 1000 Quadratmeter und zirka 1500 Tonnen schwere Vagabund dann liegen.

Am Freitag nahmen Horst Hofmann vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim, Anton Rager und Klaus Neuner von der Murnauer Polizei sowie Florian Krammer vom Ordnungsamt der Marktgemeinde Murnau die Situation vor Ort in Augenschein. Sogar ein Polizeihubschrauber war angefordert worden, um sich einen Überblick aus der Luft zu verschaffen. „Solche Erscheinungen kenne ich bisher nur am Riegsee“, sagt Hofmann - nicht ungefährliche noch dazu. Schließlich könnten sie, wie Krammer erklärt, auf ihrer Fahrt durchaus Sachschäden, beispielweise an Bootshütten, anrichten.

Bereits im Februar 2003 war ein unterspültes Teilstück des Ufers im Vogelschutzgebiet im Norden des See abgebrochen und Richtung Westen geschwommen, wo es von Wasserwirtschaftsamtsmitarbeitern mit Stahlseilen befestigt worden war. Weiter ging es im Frühjahr 2009, als sich ein zweites Stück, der jetzt erneute Ausreißer, vom Ufer getrennt hatte. Wegen seiner rund 60 Bäume, die damals als perfektes Segel gedient hatten und später gefällt worden waren, war er nach einer abenteuerlichen Fahrt über den See schließlich an die Stelle südlich des Aidlinger Badeplatzes gelangt, wo er mit Stahlseilen und Spundwänden von der Murnauer Feuerwehr am Ufer festgeschnallt worden war. Ein kleines Stück davon war damals abgebrochen und bis nach Egling weitergereist.

Die Polizei ist nun in Sorge. „Das jetzt direkt vor der Badebucht liegende Stück Land darf keinesfalls betreten werden“, warnt Polizeihauptmeister und Riegsees Wasserwacht-Chef Neuner. „Das ist lebensgefährlich. Man wird einbrechen und durch eine Art Sogwirkung, wie bei Treibsand, nach unten gezogen. Da haben Rettungskräfte keine Chance mehr ranzukommen.“ Als erste Maßnahme überhaupt wird deshalb noch an diesem Wochenende das mitgerissene Badefloß mittels einer Seilwinde ans Ufer gezogen, um nicht etwa Kinder zu verleiten, von dort aus auf die brüchige Fläche zu springen. Mit dem Wasserwachtboot war am Freitag nichts zu machen. Außerdem sollen laut Krammer umgehend Warnschilder aufgestellt werden.

Dann müsse man weitersehen. Laut Hofmann ist die jetzige Lage denkbar ungeeignet, um das Eiland erneut mit Stahlseilen am Ufer zu fixieren. „Die wären den Schwimmern im Weg.“ Am Montag wollen er und seine Kollegen von der Flußmeisterstelle Oberau weiter beraten, was getan werden kann. Unmöglich sei es, die Insel ans Ufer zu ziehen. „Dazu ist sie viel zu schwer. Vielleicht sollten wir auch abwarten, ob sie nicht noch von selbst näher ans Ufer treibt. Es besteht ja keine akute Gefahr.“ (sp)

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