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Freie Schussbahn: Passaus Verteidiger Thomas Vogl trifft gegen SCR-Torwart Hardi Wild zum 1:0.

Aufstand in Riessersee: Polizeischutz für Club-Boss

Garmisch-Partenkirchen - Die Situation beim SC Riessersee ist nach dem 2:4 bei den Passau Black Hawks eskaliert: Der Rücktritt von Geschäftsführer Ralph Bader wird gefordert. Er brauchte Polizeischutz.

SCR-Fans, die mit einem Bus nach Passau

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gereist waren, machten SCR-Geschäftsführer Ralph Bader für die Niederlage verantwortlich und Stimmung gegen ihn. Sie skandierten nach dem Spiel „Bader raus“ und warteten vor dem Stadion auf den 46-Jährigen. Zwei Polizeibeamte brachten Bader zum Bus. Da hatte sich die Situation schon etwas beruhigt, nachdem SCR-Kapitän Sepp Lehner auf die etwa 70 Personen eingewirkt hatte. Bader kann die Anfeindungen der Fans nicht verstehen. „Spiele ich, stehe ich auf dem Eis, habe ich verloren?“ fragt er.

Der Unmut und die Unzufriedenheit der Zuschauer entstand, weil der SC Riessersee in der Eishockey-Oberliga Süd einfach nicht aus seinem Tief kommt. Dem Sieg vom Sonntag über den EV Regensburg, der einen fünf Spiele dauernde Niederlagenserie beendet hatte, folgte am Dienstagabend bei den Passau Black Hawks mit dem 2:4 ein Rückschlag. Nach einem katastrophalen ersten Drittel versäumte es die Mannschaft im zweiten Spielabschnitt, als der Ausgleich gelungen war, nachzulegen. Der Rückstand auf den EC Peiting und die Tölzer Löwen blieb fast gleich, da die beiden Topteams ebenfalls Feder lassen mussten.

Die Passauer legten los wie die Feuerwehr. Sie ließen den SCR kaum aus dem eigenen Drittel kommen und zwangen die Garmisch-Partenkirchner immer wieder zu Fehlern. Bei Torhüter Hardi Wild durfte sich der Tabellendritte bedanken, dass er nicht höher als mit 0:2 in Rückstand lag. Der läuferischen und kämpferischen Überlegenheit der Niederbayern hatten die Riesserseer nichts gleichwertiges entgegenzusetzen. Zu pomadig war ihr Auftritt. Beim 0:1 verlor Lehner hinter dem Tor einen Zweikampf gegen Patrick Schmid, der zu Thomas Vogl passte. Dem Black-Hawks-Verteidiger gelang das Führungstor (6.). Auch der zweite Passauer Treffer entstand aus einer SCR-Fehlerkette. Aus dem Gewühl vor dem Riesserseer Tor heraus schaffte Schmid im vierten Nachschuss das 2:0 (17.).

Sieben Minuten in Unterzahl musste sich der SCR den Angriffen der Passauer zu Beginn des zweiten Drittels erwehren. Dass er diese Phase unbeschadet überstanden, gab den Spielern Auftrieb und neuen Mut. Plötzlich stand eine andere Mannschaft auf dem Eis der Passau-Arena. Und es gelang der Umschwung - auch weil sich die Heimmannschaft plötzlich undiszipliniert zeigte. Eine doppelte Überzahl nutzte Topscorer Florian Vollmer zum Anschlusstreffer (31.), dem Kyle Doyle - erneut brummte ein Passauer eine Strafzeit ab - den 2:2-Ausgleich folgen ließ. Und die Riesserseer hatten mehrmals die Möglichkeit, die Partie jetzt zu ihren Gunsten zu entscheiden. Was nicht gelang, weil zwar Kampfgeist und Leidenschaft stimmten, die Chancenverwertung aber nicht.

Um die Früchte ihrer Steigerung brachten sich die Riesserseer durch zahlreiche Strafzeiten im letzten Drittel. Nacheinander schickte der gute Schiedsrichter Sascha Westrich Wild, der allerdings einen von Andreas Raubal verursachten Penalty meisterte, Vollmer, Marcus Weber, Raubal und Michael Rimbeck in die Kühlbox. Raubals Fehlen nutzte erneut Schmid zum Passauer 3:2 (53.). Der SCR kämpfte zwar verzweifelt um den Ausgleich, der aber nicht mehr gelang. Im Gegenteil: 59 Sekunden vor dem Ende lief die Mannschaft von Trainer Marcus Bleicher in einen Konter, den Daniel Bucheli zum 4:2 abschloss.

Paul Silber

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